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08.11.2019
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Hüter des Langzeitgedächtnisses

Die Zeit ist gleichzeitig Freund und Feind des Archivars: Einerseits dient das Archiv dazu, die Zeit widerzuspiegeln bzw. Zeugnisse farüherer Zeiten zu bewahren. Andererseits sollten diese möglichst wenig Spuren an den Dokumenten hinterlassen.

Kitzbühel | Das Kitzbüheler Stadtarchiv öffnet am Samstag offiziell seine Tore am neuen Standort gegenüber der Stadtpfarrkirche. Doch warum braucht es überhaupt ein Archiv? Und was wird dort genau gemacht? Stadtarchivar Wido Sieberer erläutert dazu: „Dass wir sammeln, hat zwei Gründe. Erstens einen historischen – die Geschichte der Stadt soll nachvollziehbar werden. Der andere ist, dass sich die Stadtverwaltung widerspiegeln muss.“ So werden Gemeindratsprotokolle, Pläne, die Stadtzeitung und vieles mehr aufbewahrt, um auch in kommenden Jahren transparent zu machen, welche Entscheidungen Kitzbühels Führung einst getroffen hat.

Haltbarkeit digital verlängern
Die große Problemstellung ist: Wie mache ich das alles haltbar?  Wie überall ist auch hier die Digitalisierung nicht mehr aufzuhalten. Obgleich auch diese ihre Tücken hat. Denn: „Digitale Speicherung ist eine Herausforderung. Wir müssen fähig sein, unsere Daten bei Bedarf auf andere Datenträger zu konvertieren.“ Man erinnere sich nur an Disketten, CD-Roms und andere Medien, die in nur wenigen Jahren aus dem Gebrauch gekommen sind. Die schiere Masse an Information und Bildern ist ebenfalls eine Herausforderung für die moderne Archivierung. Hier hilft ein transparenter, standardisierter Auswahlprozess. „Es gibt Kartierungsrichtlinien“, unterstreicht Sieberer, und: „im weiteren Sinne hat ein Archiv die Aufgabe, das Leben der Stadt abzubilden.“

Ideale Luftfeuchtigkeit, wenig Schwankungen
Somit kamen im Laufe der Zeit auch Schätze wie das Lamberg-Archiv sowie z.B. Bilderserien und Zeitdokumente bekannter Kitzbüheler Persönlichkeiten zur Sammlung dazu.
Papier ist geduldig, heißt es, aber dennoch muss man darauf achten. Die früheren Papiersorten vor der Industrialisierung waren noch relativ säurearm. Mittlerweile umfasst das Arsenal zum Erhalt von Dokumenten auf Papier „säurefreie Kartons, ideale klimatische Bedingungen wie Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 50 Prozent sowie wenig Licht im Archiv.“ Glücklicherweise gehen die Büros der Mitarbeiter zur „Sonnenseite“, aber die Arbeit im Langzeitgedächtnis der Stadt erfordert Rücksichtnahme auf die Datensätze: „Wir heizen z.B. im Winter sehr wenig, um es nicht zu trocken zu haben.“ Gerade historische Gebäude wie jenes, das künftig das Archiv beherbergt, sind ideal für Lagerung. „Die Klimaschwankungen sind hier gering.“ Einmal pro Jahr begutachtet eine Restauratorin die Schätze in den heiligen Hallen des Kitzbüheler Stadtarchivs und geht bei Bedarf ans Werk bzw. gibt Tipps zur optimalen Lagerung.

Warum braucht es eigentlich so viel Aufwand, wenn man theoretisch alle Informationen „auf die hohe Kante“ des Internets, die berühmte „Cloud“ stellen könnte?  „Wenn man Lokales nachfragt, findet man im Internet wesentlich weniger als allgemein. Wir haben aktuell 60.000 Datensätze erfasst, die wir zum Teil online abrufbar machen wollen. Aber es gibt Einschränkungen hinsichtlich Urheberrecht und Datenschutz.“ Außerdem spricht aus Sicht des Archivars noch etwas dagegen: „Ich würde unsere Kitzbüheler Datenhoheit nicht so gerne aufgeben.“ Aber generell sieht Wido Sieberer die Digialisierung eher als Instrument seiner Arbeit, nicht als Konkurrenz.
Außerdem gibt es immer noch Nachfrage nach den Schätzen im Kitzbüheler Archiv: Häusergeschichten und alte Fotografien werden besonders gerne gesucht.
Wer selbst einen Eindruck bekommen möchte, hat am kommenden Samstag Gelegenheit dazu. Elisabeth Galehr

Wido Sieberer erläuterte Funktions- und Vorgehensweise des Archivars. Übrigens lagern auch alle Ausgaben des Kitzbüheler Anzeigers im Stadtarchiv. Sie sind auch online unter www.kitzanzeiger.at abrufbar. Foto: Galehr

 
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