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27.10.2019
News  
 

Homosexueller Wirt angefeindet

„Das Gasthaus solle gemieden werden“ - schrieb ein Unbekannter Michael Reiter. Zusammen mit seinem Ehemann Markus betreibt er in fünfter Generation die „Eiserne Hand“  in Fieberbrunn.

Fieberbrunn | Ihren Augen nicht trauen wollten Michael und Markus Reiter, als sie letzte Woche den Brief eines Unbekannten öffneten: „Servus  Michael! Dass du in der schwulen Szene unterwegs bist, ist uns allen längst bekannt. Wir Fieberbrunner werden auf jeden Fall das Gasthaus meiden. Ansteckungsgefahr. Wir werden es auch so vielen Gästen wie möglich weiterleiten“, stand in großen Druckbuchstaben geschrieben.

Michael Reiter betreibt in fünfter Generation zusammen mit seinem Ehemann Markus  das Gasthaus „Eiserne Hand“ in Fieberbrunn. Vor knapp einem Monat haben die beiden geheiratet. „Zuerst dachten wir, es sei noch ein Glückwunsch zu unserer wunderschönen Hochzeit, wo wir hunderte Gäste eingeladen hatten“, erzählt Markus Reiter.

Welle der Unterstützung

Nach einem ersten Schock, stellten die Wirtsleute den Brief auf Facebook. Der Post ging viral. Eine Welle der Unterstützung und des Zuspruches erreichte die beiden Gastronomen. „Wir wollen uns nicht verstecken oder drohen lassen. Unsere Lebensweise hat doch nichts mit unserem Betrieb zu tun. Am meisten ärgert uns das mit der Ansteckungsgefahr - Homosexualität ist doch nicht ansteckend“, ärgern sich die Reiters.

Woher stammt der anonyme  Verfasser?

Markus und Michael Reiter glauben nicht, dass der Verfasser aus Fieberbrunn stammt: „Der Brief wurde in Saalfelden aufgegeben. Wir haben so viele einheimische Stammgäste. In Kürze findet auch der Landjugendball bei uns statt.“

Die Wirtsleute haben bei der  Polizei Anzeige erstattet. Die Erhebungen dazu laufen, teilt Bezirkspolizeikommandant Martin Reisenzein mit. „Bei anonymen Schreiben ist es immer schwierig, den Verfasser zu ermitteln. Ob im gegenständlichen Fall ein Tatbestand vorliegt, werden die Erhebungen zeigen.“

Anzeige bei der Polizei ist wichtig

Dass Michael und Markus Reiter mit dem Brief zur Polizei gegangen sind, war richtig. „Eine Anzeige ist wichtig. Wir prüfen, ob strafrechtliche oder verwaltungsrechtliche Tatbestände erfüllt sind. Ist dies der Fall, so erstatten wir Anzeige an die zuständigen Behörden (Staatsanwaltschaft oder BH). Eventuell kann auch – zu einem späteren Zeitpunkt – ein Verfasser ausgeforscht werden. Wenn die Polizei nicht in Kenntnis gesetzt wird, können wir auch nicht tätig werden“, veranschaulicht der Bezirkspolizeikommandant.

Ob es im Bezirk vermehrt zu Hass gegen Homosexuelle kommt, dazu gibt es keine Statistik. „Der Polizei sind keine Häufungen diesbezüglich bekannt. Zumindest werden bei uns nicht oft derartige Fälle angezeigt“, so Reisenzein. Johanna Monitzer

Aus meiner Sicht
Ein starkes Zeichen
Fieberbrunn | Eine Welle des Zuspruchs und der Ermunterung erreichte die Wirtsleute der Eisernen Hand in Folge des Hassbriefes. Das war nicht immer so. Es ist noch keine 20 Jahre her, da wurden Homosexuelle ausgegrenzt. Wirt Michael erzählt, dass er früher bespuckt wurde.
Die Gleichstellung von Homo- und Heterosexuellen ist zwar offensichtlich noch immer nicht in allen Köpfen angekommen, ein starkes Zeichen gegen die Anfeindung der Wirtsleute setzten dafür aber zig Tausende in den sozialen Netzwerken. Zahlreiche neue Gäste sind den beiden garantiert – das hat der Briefschreiber wohl nicht erwartet. Wir lassen die Zeiten der Ausgrenzung zusehends hinter uns. Gut so. Zeit wurde es. Johanna Monitzer
monitzer@kitzanzeiger.at

Bild: „Wir lassen uns nicht unterkriegen, so Michael (li.) und Markus Reiter. Der anonyme Hassbrief löste eine Welle der Unterstützung aus. Fotos: Monitzer

 
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