18.03.2019
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Heiße Diskussion um „kalte Betten“

Für Kritik sorgen die „Investorenhotels“ bereits schon länger. Im Fokus sind immer wieder Beispiele aus dem Bezirk, vor allem Fieberbrunn. Der Obmann der Tiroler Fachgruppe Hotellerie, Mario Gerber, will der Praxis einen Riegel vorschieben.

Fieberbrunn, Oberndorf  | Gerber  sieht eine „gefährliche Entwicklung“: „Ich habe ein großes Problem damit, dass dieses Investorenmodell aus dem Ruder läuft. Dass auf einer grünen Wiese plötzlich 400 bis 500 neue Betten entstehen – dagegen bin ich absolut.“ Ursprünglich sei diese Form der Finanzierung dazu gedacht gewesen, die Eigenkapitalquote zu stärken. Mittlerweile habe sich der Trend verselbstständigt: „Die ausländischen Investoren setzen sich in das warme Nest, das die heimischen Touristiker aufgebaut haben“, sagt Gerber gegenüber dem Kitzbüheler Anzeiger. Allein die schiere Größe dieser Häuser sei „ungesund. Das ist Marktverzerrung par excellence.“ Die Nachhaltigkeit ist für ihn überhaupt nicht gegeben: „Was wir in Tirol brauchen sind Qualitätsbetten.“

Gerade in der Nebensaison sei der Preis solch großer Anlagen aber „unterirdisch – wenn man so in den Markt reinfährt, wie soll dann ein einheimischer Betrieb überleben?“ Hinzu kommt für ihn ein anderer Aspekt: „Es ist sehr naheliegend, dass das versteckte Freizeitwohnsitze werden könnten. Das sind kalte Betten.“ Wohin die Entwicklung führe – vor allem wenn kein Nachfolger gefunden wird bzw. sich der wirtschaftliche Erfolg nicht einstellt – zeige das Beispiel der Schweiz. „Die haben Riesenprobleme, dort ist alles tot.“ Gerber räumt ein, dass „die Kernleistungsträger wie Bergbahnen, Handel und Restaurants Betten brauchen.“ Deswegen plädiert er dafür, den Standort für heimische Investoren attraktiv zu machen, anstatt ausländische Geldgeber zu suchen. „Es muss uns gelingen, die Bürgermeister und Gemeinderäte aufzuklären, welche Risiken bestehen.“ Aktuell gebe es Bestrebungen, Wohnungseigentum in Hotels zu beschränken. Auf Bundesebene seien dazu die Prioritäten sehr unterschiedlich: „Andere Regionen wünschen sich vielleicht solche Investorenmodelle.“ Diese werden aber auch von der Wirtschaftskammer Kitzbühel kritisch gesehen.  

„Ungesundes Ausmaß“

Außerdem meldete sich Anfang der Woche die Liste Fritz zu der Causa zu Wort: „Auch wenn wir das Kind nicht mit dem Bade ausschütten wollen, aber das massive Setzen auf den Bau neuer Chaletdörfer hat ein Ausmaß erreicht, das in vielerlei Hinsicht ungesund ist. Der gewaltige Flächenfraß, tausende zusätzliche Gästebetten ohne Rücksicht auf die Einheimischen und die Infrastruktur der jeweiligen Gemeinde oder Kapitalisten und Spekulanten mit Blick auf fette Renditen, statt auf dörfliche und touristische Entwicklung, sind nicht gottgegeben, sondern touristisch forciert“, ereiferte sich LA Markus Sint in einer Aussendung. Als konkretes Beispiel nennt Sint u.a. das Vaya-Projekt in Fieberbrunn.

Fieberbrunn: „Gegen Bettenschwund“

Fieberbrunns Amtsleiter Kaspar Danzl nimmt zu der massiven Kritik Stellung: „Der Gemeinderat hat kein Problem gesehen, weil wir einen verlässlichen Partner haben. Daher ist das Investorenmodell eine Art der Finanzierung.“ Vaya und Kristall Spaces hätten in ganz Tirol Anlagen. „Wir haben uns vertraglich abgesichert, dass nichts anderes als Hotelbetriebe entstehen – mit entsprechenden Strafbestimmungen.“ Bis auf wenige Ausnahmen hätten sich private Initiativen in Fieberbrunn in Grenzen gehalten, so Danzl weiter. Gleichzeitig schritt seit den 90-er Jahren in der Marktgemeinde der Bettenschwund rapide voran – während bei Verbundpartner Saalbach im Gegensatz dazu 17.000 Betten zur Verfügung stehen. „Der Bedarf ist absolut gegeben. Aber es braucht sich niemand zu fürchten, dass wir auch 17.000 Betten wollen.“ Fieberbrunn ist einer der Brennpunkte der baulichen Entwicklung, was Hotels betrifft. Aktuell sind zwei Projekte in Vorbereitung, bestätigt Danzl: Eines der Travel Partner Group und eines am Tragstätt-Areal. Im Verlauf des Jahres soll die Projektierung in Angriff genommen werden, wie Danzl ausführt. Das Projekt von Kristall Spaces „ist baurechtlich durch, im Frühjahr ist Baubeginn.“

Oberndorf:  Baubeginn im Sommer geplant

Wie berichtet soll auch in Oberndorf demnächst ein Appartementhotel entstehen. Die Ausgangslage war ähnlich wie in Fieberbrunn, schildert Bgm. Hans Schweigkofler: „Wir haben Betten, Betten und noch mehr Betten verloren.“ Nachdem sich kein Einheimischer gefunden hat, „mussten wir diese Variante wählen.“ Immerhin habe man einen österreichischen Investor bei der Hand, sagt Schweigkofler, aber: „Wer die Wohnungen dann kauft, können auch wir nicht sagen.“ Die Gemeinde habe durch die Widmung „die Hand drauf.“ Schweigkofler begegnet der Befürchtung, dass die Anlage zu versteckten Freizeitwohnsitzen genützt wird: „Wir werden Kontrollen machen und schauen: was kommt über die Meldezettel herein, wie hoch ist die Auslastung. Wir werden sicher ein strenges Auge darauf haben.“ Der anvisierte Baubeginn  verzögerte sich übrigens: „Im Juni ist Baubeginn geplant, Weihnachten 2020 die Fertigstellung.“ Sollte der wirtschaftliche Erfolg des Hauses wider Erwarten ausbleiben „gibt es in ferner Sicht die Möglichkeit, dass man Wohnungen für Einheimische aus den Appartements macht.“
Elisabeth Galehr

Bild: Auch in Oberndorf ist ein Appartementhotel geplant. Visualisierung: Jäger Architektur GmbH

 
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