22.11.2016
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„Hat der Skitourismus Zukunft?“

So lautete das Thema zum Vortragsabend des Wirtschaftsbundes Bezirk Kitzbühel im Casino Kitzbühel. Die gute Nachricht gleich vorweg: Ja, er hat noch Zukunft, und zwar eine sehr große, geht es nach den Meinungen der Podiumsteilnehmer.

Kitzbühel | Auf Einladung des Wirtschaftsbundes des Bezirk Kitzbühel diskutierten Franz Hörl (Landesobmann des Tiroler Wi-Bundes), Prof. Peter Schröcksnadel (Präsident ÖSV), Wolfgang Mayerhofer (CEO Atomic) und Günther Aigner (Tiroler Skitourismus Forscher) über die Zukunft des Skitourismus. Peter Seiwald begrüßte im vollen Casinosaal die interessierten Zuhörer und meinte: „Weiße Schneebänder im Grünen haben ihn im Vorjahr zu diesem Thema veranlasst – und heuer ist alles anders“.

Günther Aigner präsentierte eingangs seine „Fünf Thesen zur Zukunft des alpinen Skisporters“. Seit 2014 beschäftigt sich der Waidringer mit dem Thema „Zukunft des Skitourismus“ hauptberuflich.

Seinen Forschungen zufolge betreiben weltweit ca. 50 bis 60 Millionen Menschen alpinen Skisport. Seit 1980 ist dieser Wert stagnierend bzw. leicht rückläufig. Es gibt laut Aigner ungefähr so viele Alpinskifahrer wie Golfer weltweit. Davon sind die meisten aus Deutschland (14,6 Mio.), gefolgt von den USA (13,6 Mio.), Japan (11,5 Mio.), Frankreich (8,6 Mio.) und China (5,1 Mio.). Davon fahren die Amerikaner, die Franzosen und auch die Japaner großteils in ihren eigenen Skigebieten. Demnach ist Deutschland der mit Abstand größte Markt und in Zukunft darf man wohl auch China nicht außer Acht lassen.

Wer kann sich Skifahren noch leisten?

1990/91 kostete eine Tageskarte Euro 21,4 im Durchschnitt, 2016/17 Euro 47,50. Das entspricht etwa einem Preisanstieg von 3,13 Prozent pro Jahr seit 1990/91. Für Aigner auch klar warum: Die Bergbahnen investierten enorme Summen in neue Anlagen, Schneeerzeuger sowie in den Pistenbau. Die Tageskartenpreise würden sich somit alle 22 Jahre verdoppeln. Zum Vergleich: Öffentliche Verkehrsmittel (z.b. Wiener Linien) stiegen um ca. 3,38 Prozent pro Jahr seit 1990. Das enspricht einer Preisverdoppelung alle 21 Jahre.

Ob Skifahren noch „in“ bzw. zu teuer sei, kontert Peter Schröcksnadel: Derzeit sind alle Gletscher überfüllt, also hat Skifahren wohl Zukunft. Genauso falsch sieht der ÖSV-Boss das Heranziehen des Tageskartenpreises als Benchmark. Es gibt genügend Möglichkeiten günstiger Ski zu fahren, zum Beispiel mit Saisonkarten.

„Haben wir in Zukunft noch Schnee zum Skifahren?“, so eine weitere Frage von Günther Aigner. Laut dem Meteorologen Mag. Christian Zenkl ist es nicht möglich, die regionale Klimaerwärmung zuverlässig zu berechnen, daher bleibt die Zukunft der Bergwinter ungewiss. Das Gegenteil beweist KitzSki seit einigen Jahren. Die Skitage sind auf teilweise über 190 angestiegen, so viele hat es noch nie zuvor gegeben.

Auch zu dieser Frage meldet sich Peter Schröcksnadel zu Wort: Der Wintersport ist die Haupteinnahmequelle im Tourismus. Die Schneesicherheit laut Schröcksnadel auch in Zukunft bewältigbar und auch bei zwei Grad Erwärmung möglich. Ebenso ist seiner Meinung auch der Maschinenschnee ohnehin notwendig, um qualitativ so hochwertige Pisten anbieten zu können. In dasselbe Horn stößt auch Franz Hörl: „710 Mio. Euro an Investitionen wurden heuer in Österreichs Skigebieten verbaut. Um gleichbleibende Pistenqualität von Anfang bis Ende anbieten zu können, ist Kunstschnee notwendig.“ Im Übrigen wünscht sich der Bundesfachgruppenobmann der Seilbahnen auch mehr Zusammenhalt und positivere Kommunikation.

Weltmarktführer in der Skiproduktion

Wolfgang Mayerhofer ist General Manager bei Atomic und vertritt somit den weltgrößten Skiproduzenten. Für Mayerhofer ist schlichtweg zu wenig Selbstvertrauen in Österreich. Zum Thema Skitourismus meint er: „Wir haben ein phantastisches Produkt, wir sind die Besten am Markt, müssen aber den Skitourismus akribisch weiterentwickeln.“
78 Prozent der Touristen kommen im Winter wegen dem Skifahren. Wir sind hier in Östereich in der Nummer-eins-Position. Dieser Meinung schließt sich auch Peter Schröcksnadel an und ergänzt, dass auch der Rennsport, sprich der ÖSV, durch die großen Erfolge die Skikompetenz wieder nach Österreich gebracht hat. Das war nicht immer so.

Hat er nun Zukunft, der Skitourismus?

Ja, da sind sich alle Experten am Podium einig. 50 Millionen Erstzutritte im 16-Jahres-Vergleich pro Jahr in Österreichs Skigebieten sind kein Zufall – Tendenz sogar leicht steigend. Für Kitzbühel Tourismus Geschäftsfüherin Brigitte Schlögl, die als Gast der Diskussion beiwohnte, ist die Kommunikation auf emotionaler Ebene hinkünftig sehr wichtig, dazu die sehr hohe Qualität, die in den Tourismusgebieten geboten wird.

Einhellige Meinung: Österreich ist auf dem Weg zum Skitourismus „Weltmeister“.
Peter Höbarth

Bild: Peter Seiwald, Wolfgang Mayerhofer, Peter Schröcksnadel, Franz Hörl und Günther Aigner diskutierten am Podium über die Zukunft des Skitourismus. Foto: Huber

 
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