25.05.2018
News  
 

Gibt es nachhaltigen Tourismus?

Der Frage „Wie nachhaltig ist unser Tourismus?“ ging man im Rahmen des Pennälertages, der zu Pfingsten in Kitzbühel abgehalten wurde, bei der Podiumsdiskussion nach.

Kitzbühel | Der Mittelschüler Kartellverband (MKV) hielt zu Pfingsten seine Pennälertage in der Gamsstadt ab. An die 2.000 Schüler, Studenten und Absolventen trafen sich in Kitzbühel zum Austausch. Ein begleitendes Thema bei diesen Zusammenkünften ist die Nachhaltigkeit. In Kitzbühel wurde dazu eine Podiumsdiskussion abgehalten, bei der der Frage „Wie nachhaltig ist unser Tourismus?“ nachgegangen wurde.

Mit Moderator Thomas Oberhuber diskutierten Kitzbühel Tourismus Präsidentin Signe Reisch, LAbg. Sophia Kircher, EU-Abgeordneter Lukas Mandl und Franz Fischler, Obmann des Forums Alpach und  EU-Kommissar i.R.

Ist nachhaltiger Tourismus möglich?

Am Beispiel Kitzbühels führt Signe Reisch aus, dass dies sicherlich möglich ist. Die Mischung aus Familienbetrieben, die die Säulen der Gegend sind, und die Ergänzung durch Konzernbetriebe, die mit ihren großen Netzwerken den Tourismus ankurbeln, sprechen für sich. Kopfzerbrechen bereitet der Präsidentin von Kitzbühel Tourismus hingegen der Bettenschwund, der vor allem im Privatzimmer- und Drei-Sterne-Bereich stattfindet. „Es geht uns dadurch der gute Mix verloren“, sagt Reisch und kritisiert die Vorgangsweise des Landes Tirol, dass ein Konzernhotel im Oberland fördert. „Das ist sicherlich nicht der richtige Weg, die Klein- und Mittelbetriebe gehören gefördert“, sagt Signe Reisch. Der ländliche Raum und die Tiroler Familienbetriebe sind für Lukas Mandl das Verkaufsargument im Tourismus. „Die kleinen Strukturen sorgen hier für Qualität“, ist der EU-Abgeordnete überzeugt.

Die Tourismusberufe attraktiver machen

Über den Mitarbeitermangel im Tourismus und die teils schlechte Entlohnung bzw. Arbeitsbedingungen wurde ebenso gesprochen. Einig war man sich am Podium, dass die Tourismusbetriebe im Ansehen gewinnen müssen. Zudem ist für Lukas Mandl eine Imageverbesserung der Lehrberufe von Nöten. „Der Wohlstand in Österreich basiert auf Handwerk und Facharbeit“, sagt Mandl. Während Sophia Kircher bei der Jugend zwar eine Bereitschaft für Dienstleistungsberufe sieht, vermutet sie, dass Schicht- und Saisonarbeit aber viele von der Gastronomie und vom Tourismus abschrecken. Aber auch die hohen Lohnnebenkosten erschweren die Mitarbeitersuche für Touristiker. Auf die veränderten Bedürfnisse der Mitarbeiter wird aber schon reagiert. „Es wird versucht, eine Regelmäßigkeit bei den freien Tagen zu schaffen und die Dienstzeiten sind auf acht Stunden begrenzt“, erzählt Signe Reisch von ihrem Betrieb.

Fischler: „Die Stärken ins Spiel bringen“

Im Destinationsmanagement ist es wichtig, die eigenen Stärken herauszuarbeiten und ein Profil zu entwickeln. Durch immer breitere Informationatskanäle und flacheren Medienkonsum gewinnen die Profile immer mehr an Bedeutung. Einen Wettbewerbsnachteil für die österreichischen Regionen sieht Lukas Mandl durch die neue Datenschutzverordung. „Das wird für uns zu Nachteilen am Markt innerhalb Europas und auch weltweit führen“, sagt Mandl. Der touristische Trend geht zu den Küstenstädten und Alpenregionen, daher ist es wichtig, sich mit einem spitzen Profil abzusetzen. Für Franz Fischler ist das Branding in diesem Bereich ein sehr wichtiges Thema, zudem müssen die Regionen ihre Stärken besser ins Spiel bringen. Für Synergien zwischen Landwirtschaft und Tourismus spricht sich Sophia Kircher aus, die darin eine Verbesserung der Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit sieht.

Mobilität im Tourismus

Die öffentlichen Verkehrsmittel gewinnen auch im Tourismus immer mehr an Bedeutung. Die Anreise mit der Bahn erfordert auch eine Verbesserung des öffentlichen Verkehrs in den Regionen. Mit der Gästekarte als Bahn-Ticket haben die Regionen der Kitzbüheler Alpen Marketing hier eine Vorreiterrolle. „Die Ticketkombinationen sind eine wichtige Sache, doch es wird sich in diesem Bereich in den nächsten zehn Jahren noch viel ändern“, sagt Franz Fischler, der damit die Entwicklung von selbstfahrenden Verkehrsmitteln anspricht.
Elisabeth M. Pöll

Bild: Thomas Oberhuber diskutierte mit Lukas Madl (EU-Abgeordneter), Signe Reisch (Kitzbühel Tourismus Präsidentin), Sophia Kircher (Landtagsabgeordnete) und Franz Fischler (Obmann Forum Alpach) zum Thema Nachhaltigkeit im Tourismus. Foto: Pöll

 
Kontakt
Tel.: +43 (0) 5356 6976
Fax: +43 (0) 5356 6976 22
E-Mail: info@kitzanzeiger.at
Virtuelle Tour
Rundblick - Virtual Reality
Werbung
 
Zurück Suchen Events Gemeinde Facebook