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20.02.2020
News  
 

Geld allein macht nicht glücklich

Die Arbeitszeit auf 35 Wochenstunden ist das Ziel bei den Kollektivvertragsverhandlungen für Beschäftigte im privaten Pflege-, Gesundheits- und Sozialbereich. Nach dem Abbruch der Verhandlungen macht man jetzt mit Streiks auf die notwendige Verbesserung der Arbeitsbedingungen aufmerksam.

Kitzbühel | Es wurde gestreikt. Am 13. Februar legten die Beschäftigten im privaten Pflege-, Gesundheits- und Sozialbereich für zwei Stunden die Arbeit nieder. Grund dafür waren die gescheiterten Verhandlungen mit den Arbeitgebern über die Forderung nach einer Arbeitszeitverringerung. Die Forderung nach einer 35-Stunden-Woche bei gleichbleibendem Gehalt blieb ungehört – im Gegenzug wurde eine Gehaltserhöhung von 2,35 Prozent angeboten. „Es geht nicht um das Geld, es geht darum eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen im privaten Pflege-, Gesundheits- und Sozialbereich zu schaffen – und dies ist nur mit einer Reduzierung der Arbeitszeit möglich“, erklärt die stellvertretende ÖGB-Regionalvorsitzende und Betriebsrätin Margit Luxner.

Stunden-Reduzierung als einzige Forderung
„Bei den Kollektiv­vertrags­verhandlungen in Wien wurde heuer von uns nur eine Forderung gestellt, und das in die Reduzierung der Arbeitszeit auf 35 Wochenstunden bei gleichbleibendem Lohn“, berichtet Luxner. Es wurde bewusst nur eine Forderung gestellt, damit die Arbeitgeber, diese nicht ignorieren können.
Die Zeichen für eine Reduzierung der Arbeitszeit standen auch schon mal ganz gut. In der dritten Verhandlungsrunde gab es das Angebot, die Zeiten bis 2023 zu reduzieren, genaue Zahlen für die Gehaltsentwicklungen waren dabei aber nicht auf dem Tisch. „Das war ein Angebot, mit dem wir uns hätten anfreunden können“, erzählt Margit Luxner. Doch in der vierten Gesprächsrunde war dieses Angebot nicht mehr aufrecht, dafür aber eine Gehaltserhöhung um 2,35 Prozent – daher wurden die Verhandlungen abgebrochen. Die Arbeitgeber argumentierten mit der Arbeitszeitverdichtung bei geringerer Arbeitszeit. Das lässt Luxner so nicht gelten, denn die Arbeitzeitsverdichtung gäbe es auch jetzt schon.

Die Arbeit belastet körperlich und seelisch
Die Arbeit in den Pflegeberufen ist anspruchsvoll, die Mitarbeiter müssen körperlich und auch seelisch an ihre Grenzen gehen. „Wenn du eine 10-Stunden-Schicht hinter dir hast, willst du gar nichts mehr machen. Anstelle von Freizeitaktivitäten suchst du nur die Ruhe“, erzählt Margit Luxner. Hier wird deutlich, wie wichtig die Erholungsphasen sind und dass es zwei aufeinanderfolgende Tage braucht. „Wir im Altenwohnheim Kitzbühel sind bemüht, dies mit der Dienstplangestaltung zu ermöglichen“, sagt AWH-Leiter Wolfgang Zeileis. Doch dies ist nicht immer und überall möglich, daher der Ruf nach einer geringeren Arbeitszeit.

Mehr Vollzeitkräfte bei weniger Stunden
Für die stellvertretende ÖGB-Regionalvorsitzende Margit Luxner hätte die Stundenreduktion einen erfreulichen Nebeneffekt. „Viele der Teilzeitkräfte könnten sich vorstellen, auch 35 Stunden in der Woche zu arbeiten. Das würde weitere Vollzeitkräfte im Pflegebereich bringen. Für Vollzeitkräfte brächten unsere Forderungen 18,4 mehr freie Tage und für die Teilzeitkräfte würde sich dieser Schritt beim Gehalt mit 8,4 Prozent mehr niederschlagen. Margit Luxner gibt auch zu bedenken, dass viele der jungen Kräfte sich für eine 75-prozentige Anstellung entscheiden, da die Freizeit einen sehr wichtigen Punkt darstellt. Elisabeth M. Pöll

Vergangene Woche wurde am Altenwohnheim Kitzbühel die Arbeit für zwei Stunden niedergelegt, um der Forderung nach eine 35-Stunden-Woche bei gleicher Entlohnung mehr Gewicht zu verleihen. 

Margit Luxner (2. v.r.) setzt sich für bessere Arbeitsbedingungen im Pflegebereich ein. Fotos: ÖGB

 
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