19.01.2019
News  
 

Gefahr nicht gebannt

Tirol kam 2018 in Sachen Borkenkäfer im Gegensatz zu anderen Bundesländern oder auch zu Bayern mit einem „hellblauen Auge“ davon. Die Borkenkäfergefahr ist – vor allem auch wegen der Sturmschäden im Wald –  aber nicht gebannt.

Tirol | „Mit vereinten Kräften von Waldbesitzern und Forstdienst ist es gelungen, den Borkenkäfer 2018 in Schach zu halten. In Tirol werden die Schäden im Wald durch Borkenkäfer im Vergleich zum Vorjahr sogar zurückgehen. Der Sturm Ende Oktober hat uns in unseren Bemühungen aber zurückgeworfen und stellt uns im neuen Jahr gerade in Osttirol vor große Herausforderungen“, resümiert Forstreferent LHStv Josef Geisler.

131.000 Kubikmeter Schadholz, das sind zehn Prozent der gesamten Holznutzungsmenge, und einen wirtschaftlichen Schaden von 4,5 Millionen Euro hat der Borkenkäfer 2017 in Tirol verursacht. Für 2018 rechnet man in der Landesforstdirektion mit knapp einem Fünftel weniger Borkenkäfer-Schadholz. „Und das obwohl die Bedingungen für den Borkenkäfer ideal waren“, wie Christian Schwaninger von der Abteilung Waldschutz weiß. In weiten Teilen Österreichs ist die Situation um vieles dramatischer. Allein in Oberösterreich geht man für 2018 von einer Million Kubikmeter Schadholz aus, das Dreifache des vergangenen Jahres. In Summe rechnet man in Österreich mit vier Millionen Kubikmeter Borkenkäferholz.

Glimpfliche Bilanz trotz Hitze und Trockenstress

Zwei Grad Celsius über dem langjährigen Durchschnitt lag die Temperatur im Zeitraum April bis September in Tirol. Zudem war es sehr trocken. In manchen Teilen Tirols fiel nicht einmal die Hälfte des sonst üblichen Niederschlags. Das hat die Abwehrkräfte der Bäume vermindert und die Ausbreitung des Borkenkäfers begünstigt.

Grund für die im Vergleich zu anderen Bundesländern oder auch zu Bayern glimpfliche Borkenkäfer-Schadensbilanz in Tirol sind die von den Waldeigentümern mit Unterstützung des Forstdienstes konsequent und zielgenau durchgeführten Bekämpfungsmaßnahmen: Über 1.000 Pheromonfallen, die von den Waldaufsehern aufgestellt und betreut wurden, standen im Einsatz. Außerdem wurden 4.000 Fangbäume, die nach der Besiedelung durch die Käfer aus dem Wald abtransportiert wurden, ausgelegt.

Frühwarnsystem hilft bei Maßnahmenplanung

Bei der Bekämpfung des Borkenkäfers konnten die Forstbehörden heuer erstmals auch auf eine Art Frühwarnsystem zurückgreifen. Ein Programm der Universität für Bodenkultur in Wien wird im Auftrag des Landes Tirol mit Daten der Zen­tralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) gefüttert. Das Ergebnis sind Karten, die den aktuellen Entwicklungszustand der Borkenkäferbruten in allen Waldgebieten des Landes zeigen. In einem nächsten Schritt werden auf Basis von eingespeisten Wetterdaten auch Prognosen über die Käferentwicklung möglich sein. „Dieses System hilft uns bei der Planung und Durchführung von Maßnahmen“, erläutert Schwaninger.

Bekämpfung fortführen

Trotz der umfangreichen und auch erfolgreichen Bekämpfungsmaßnahmen ist die Gefahr in Tirol nicht gebannt. In tiefen Lagen konnten sich heuer drei fertige Generationen des gefährlichsten aller Borkenkäfer, dem Buchdrucker, entwickeln. Diese haben sich zum Überwintern aus den Bäumen in den Boden zurückgezogen. Die Waldeigentümer müssen also auch im kommenden Jahr auf der Hut sein. Der sogenannte Buchdrucker zählt wegen seiner überaus hohen Fruchtbarkeit und seinem kurzen Generationszyklus zu den gefährlichsten Baumschädlingen. Aus einem einzigen Käferbaum können bis zu 50.000 Jungkäfer ausfliegen. Diese wiederum können 20 gesunde Bäume zum Absterben bringen.

Bild: In Tirol konnte der Borkenkäfer im Jahr 2018 mit vereinten Kräften in Schach gehalten werden. Foto: Fotolia

 
Kontakt
Tel.: +43 (0) 5356 6976
Fax: +43 (0) 5356 6976 22
E-Mail: info@kitzanzeiger.at
Virtuelle Tour
Rundblick - Virtual Reality
Werbung
 
Zurück Suchen Events Gemeinde Archiv