06.01.2018
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Gebühren stiegen um 300 Prozent

Weil die Großachen­genossenschaft finanziell buchstäblich aus dem letzten Loch pfeift, wurden jetzt die Mitgliedsbeiträge drastisch erhöht – auch auf Druck des Landes und des Bundes.  

Kirchdorf | Es sind Millionen von Euros, die in den vergangenen Jahren – vor allem auch in Kössen – in die Hochwasserschutzmaßnahmen entlang der Großache investiert wurden. Maßgeblich beteiligt war dabei auch die Großachengenossenschaft mit Obmann Ernst Schwai­ger an der Spitze. Der ehemalige Kirchdorfer Bürgermeister hat selbst nicht nur einmal erlebt, was die Großache anrichten kann, und ist daher heute mehr als froh, dass das Gewässer gezähmt ist. „Jetzt sind wir, soweit es möglich ist, wirklich sicher“, betont Schwaiger.

Immerhin rund 70 Millionen Euro sind es, die in den letzten Jahren mit Hilfe von Bund, Land und Gemeinden verbaut wurden. Jetzt aber sind die Kassen der Großachengenossenschaft leer. Und nicht nur das – die Genossenschaft ist den Gemeinden noch Geld schuldig. Auch auf Druck des Landes und des Bundes musste der Vorstand daher die jährlichen Beiträge für die 2.600 Mitglieder drastisch erhöhen. Gerade einmal 170.000 Euro nahm die Genossenschaft an Mitgliedsbeiträgen bisher ein.

Da die Beiträge bis zum Vorjahr jahrelang gleich geblieben waren, wurden die Gebühren heuer gleich um 300 Prozent nach oben geschraubt, für landwirtschaftliche Flächen um 200 Prozent. Die Beschwerden ließen nicht lange auf sich warten, wie auch der Kössener Bürgermeister Reinhold Flörl weiß. Zahlreiche Gemeinderäte wurden ebenfalls auf den Erlagschein, der vor kurzem ins Haus flatterte, angesprochen. „Mich rufen die Leute ja auch dauernd an. Ich verstehe den Unmut ganz und gar nicht“, ärgert sich Schwaiger: „die Leute haben anscheinend bereits vergessen, wie es war, als das Hochwasser kam. Es hat nun einmal viel Geld gekostet, dass unsere Häuser jetzt sicher sind.“

Wartung kostet Geld

Und die Summen seien ja wirklich überschaubar. „Für ein Gebäude mit rund 800 Quadratmeter Grundfläche beträgt die zu zahlende Summe gerade einmal 60 bis 80 Euro. Ich habe in Kirchdorf ein großes Grundstück samt Geschäftshaus und zahle rund 500 Euro im Jahr. Für die Sicherheit ist das ja wohl nicht zuviel, oder?“, versteht er die Kritik nicht. Gäbe es die Verbauung nicht, „wäre Kirchdorf schon zwei Mal abgesoffen!“ Es gehe ja nicht nur um den Ausbau des Hochwasserschutzes, der übrigens nach wie vor nicht abgeschlossen ist. In St. Johann steht noch ein großes Projekt an, dass rund acht Millionen Euro kosten wird. „Außerdem müssen die Anlagen ja auch gewartet werden, Auch das kostet natürlich zukünftig Geld. Mit dem Bau alleine ist es nicht getan“, betont der streitbare Obmann. Inzwischen konnte die Großachengenossenschaft auch Geld vom Land lukrieren und kann den Gemeinden rund 850.000 Euro zurückzahlen.

Nachdem Ernst Schwaiger im Frühjahr 2016 das Zepter als Kirchdorfs Bürgermeister abgab, wird er im kommenden Jahr auch Abschied von der Großachengenossenschaft nehmen. „Im September 2018 gibt es Neuwahlen. Dann ziehe ich mich zurück“, kündigt Schwaiger an. 
Margret Klausner

Bild: Hat dank zahlreicher Verbauungen ihren Schrecken verloren: die Großache, die auch durch Erpfendorf fließt. Foto: Fink

 
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