15.07.2018
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Garanca in stimmgewaltigen Höhen

Die lettische Mezzosopranistin Elīna Garanča präsentierte sich dem Kitzbüheler Publikum in Bestform. Auf der Bühne kochten die Gefühle über – während die Zuschauer der Kälte trotzten.

Kitzbühel | Sie hat einfach Wetterglück. Nach den Regengüssen am Vortrag klarte der Himmel pünktlich zum Konzertbeginn auf und bot Elīna Garanča die perfekte Umrahmung für ihren großen Auftritt in Kitzbühel. Das sechste Programm von „Klassik in den Alpen“ trug den Titel „Verismo“ (vero = wahr), einem gegen Ende des 19. Jahrhunderts beliebten Theaterstils. Die Verismo-Oper strebt eine schonungslose Darstellung der Wirklichkeit an, es wird geliebt, gehasst, gefleht, verlassen, gemordet und gestorben. Ein Spektakel der Gefühle bot sich dann auch den fast vollbesetzten Rängen im Pfarraupark.

Als Einstieg wählte Dirigent und musikalischer Leiter Karel Mark Chichon mit dem Symphonieorchester der Volksoper Wien die Ouvertüre zu Luisa Miller von Verdi. Geballte Energie, begleitet von lieblichen Zwischentönen brachte den perfekten Einstieg für einen überaus emotionalen Klassikabend. Der Schmerz von Fürstin Boullin war bis in die letzten Reihen zu spüren als Elīna Garanča „acerba voluttà“ anstimmte. Sanft und sinnlich sorgte Garanča bei „Non t‘amo più“ („Ich liebe dich nicht mehr“) für Gänsehaut.

Bravo-Rufe

Die zwei „Freunde“ für diesen Abend, die italienische Sopranistin Anna Pirozzi und der amerikanische Tenor Gregory Kunde, hätte Garanča nicht besser wählen können. Erste Bravo-Rufe aus dem Publikum gab es bei ihrem Duett „O soave fanciulla“ aus der Puccini Oper „La Bohème“. Dramatik pur beim Finale des Trios mit Auszügen aus der Oper Carmen.

Kochende Gefühle

Und nach der Pause kochten die Gefühle auf der Bühne weiter hoch, trotz, dass die abendlichen Temperaturen immer kälter wurden. Mit „La Malaguena“ von Ernesto Lecuona, einem der bekanntesten kubanischen Komponisten, wurde der zweite Teil vom beeindruckendem Orchester der Volksoper Wien eröffnet. Weiter ging es mit emotionsgeladenen Arien aus Spanien und Italien, wie „Core`Ngrato“ oder „Luna“.

Überraschendes Medley

Dann kam wohl für viele die Überraschung des Abends. Das Medley von Karel Mark Chichon zusammengestellt, gilt als einer der Höhepunkte jedes „Klassik in den Alpen“ Abends. In diesem Jahr entführte der Dirigent die Zuhörer nach Lateinamerika und bescherte ein Feuerwerk der Rhythmen.

Zugaben trotz Kälte

„Es ist sehr kalt und wenn Ihnen kalt ist, ist es nur verständlich, wenn sie gehen möchten ...oder Sie erbitten sich noch eine Zugabe“, hörte man eine wahrscheinlich auch frierende Barbara Rett am Ende des offiziellen Konzertprogrammes sagen. Und die Zuschauer harrten bis kurz vor 23  Uhr aus, bis eine erschöpfte, aber glückliche Elīna Garanča nach drei Zugaben die Bühne verließ. „Jetzt brauchen wir alle mal einen Schnaps“, scherzte sie. Wenn es nicht so kalt gewesen wäre, hätte der Applaus vom Publikum wohl noch länger angedauert.   
Johanna Monitzer

Bild: Beim Duett mit Gregory Kunde kochten die Emotionen über.     

 
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