23.06.2020
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Fühlen sich Wölfe bei uns wohl?

Wo sich Wölfe bei uns im Bezirk am ehesten ansiedeln könnten, erklärt Bezirksjägermeister Martin Antretter. Er würde zudem eine gezielte Bejagung von Wölfen befürworten, die Nutztiere reißen.

Gab es bis dato Sichtungen der Jägerschaft von Wölfen im Bezirk Kitzbühel?
Es gab bislang keine konkret nachweisbare Sichtung von Wölfen im Bezirk. In Waidring wurde ein Tier fotografiert, welches der Wolfsbeauftragte vom Land Tirol aber nicht klar zuordnen konnte. Es war leider ein sehr schlechtes Foto.
In Westendorf haben vor drei Wochen Gäste behauptet, einen Wolf gesehen zu haben – auch dies konnte nicht durch Beweise bestätigt werden.
Es ist aber durchaus denkbar, dass einzelne Wölfe bei uns durchziehen. Rudelbildung gibt es bei uns aber definitiv noch keine.
 
In welchem Lebensraum fühlt sich der Wolf wohl?
Mann muss sich vorstellen, dass einzelne Wölfe riesige Strecken zurück legen. Sie schaffen in einer Nacht 40 bis 45 Kilometer. Wölfe sind im Grunde scheue Tiere, sie bevorzugen große, ruhige Waldgebiete.

Wo könnte er sich bei uns im Bezirk am ehesten ansiedeln?
Von der Topographie her  kommt mit seinen rauhen, dicht bewaldeten Bergen und Gräben dafür am ehesten das Gebiet „Untere Schranne“ in Frage.
Es ist aber schwer zu sagen, ob sich Wölfe bei uns überhaupt ansiedeln würden.
 
Müssen wir Angst vor dem Wolf haben?
Der genetisch reine Wolf ist so scheu, dass der Mensch keine Angst zu haben braucht. Gefährlichere Tiere sind eher die sogenannte Hybriden. Dabei handelt es sich um eine Kreuzung mit Hunden. Solche Tiere haben die Scheu vorm Menschen nicht so sehr im Blut, wie der wirklich rein genetische Wolf.
Unter ganz besonderen Umständen, könnte so ein Tier für den Menschen gefährlich werden. Aber realistischer Weise ist nicht davon auszugehen, dass es  in Zukunft Attacken von Wölfen auf Menschen geben wird.  
 
In Deutschland gibt es die Diskussion, ob Wölfe unter bestimmten Voraussetzungen, wenn sie z.B. Schafe reißen, bejagt werden dürfen - wie stehen Sie dazu?
Ein Wolf reißt normalerweise Wildtiere, das ist absolut natürlich. Wenn ein Wolf aber Nutztiere reißt, dann halte ich eine gezielte Bejagung für sinnvoll.
Die Nutztierhalter sind wichtig für unseren Lebensraum. Was von den Wolfsschützern oft nicht bedacht wird ist, wenn die Bauern sich nicht mehr mit ihren Tieren auf die Almen trauen, dann geht unsere     Kulturlandschaft verloren.  
Schafe, Ziegen oder Kühe wolfsicher einzuzäunen ist unmöglich. Auch das arbeiten mit  Hirtenhunden ist oft schwierig – besonders auf Almen, wo Wanderer unterwegs sind.
 
Kann es in der heutigen Zeit ein konfliktfreies Nebeneinander von Wolf und Mensch geben?
Das ist eine schwierige Frage. Ja und Nein. Irgendwie werden wir uns mit dem Wolf arrangieren müssen. Sei es mit einer gezielten Bejagung, wenn er Schaden anrichtet – denn der Wolf wird nicht einfach wieder  verschwinden.
Wichtig wäre es, dass wenn man einen Wolf sieht oder Bisse findet, eine Meldung an die Bezirkshauptmannschaft, die Gemeinde oder an die Jägerschaft macht. Johanna Monitzer

Foto: „Es ist durchaus denkbar, dass einzelne Wölfe bei uns durchziehen. Rudelbildung gibt es allerdings noch keine“, sagt Bezirksjägermeister Martin Antretter.  

 
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