05.11.2017
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Frage: „Was ist ein gutes Leben?“

Konrad Paul Liessmann befasst sich mit den Grundfragen des Lebens. Zusammen mit dem Autor Michael Köhlmeier versucht er diesen im Buch „Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist, Adam?“ einmal mehr auf den Grund zu gehen.

Vor Kurzem stellte er sich den Fragen des Kitzbüheler Anzeigers und erklärt, warum man sich die Frage nach der Zukunft sparen kann.

Michael Köhlmeier liefert die Geschichten, Sie die Analyse dazu. Braucht es mehr Geschichtenerzähler oder Philosophen?
Diese beiden Aspekte unserer Kultur kann man nicht aufrechnen. Erzählen ist etwas Wunderbares, sicher eine der ältesten Weisen, mit der Menschen sich die Zeit vertrieben oder unterhalten, aber eben auch zum Denken gebracht haben.
Erzählen und Denken bedingen einander: Jede gute Geschichte regt zum Denken an, und die Philosophie ist immer wieder auf gute Geschichten angewiesen.

Die jahrhundertealten Mythen und Erzählungen sind teilweise sehr brutal. Es wird gemordet, vergewaltigt u.v.m. Haben die Menschen daraus eigentlich etwas gelernt?
Die alten Mythen erzählen ja nicht nur von den Grausamkeiten der Menschen und Götter, sondern sie fragen auch, ob es gelingen kann, diese zu zähmen, in zivilisierte Bahnen zu lenken, zum Beispiel Rache in Recht zu verwandeln.

Sie befassen sich mit Grundfragen des Lebens. Was ist für Sie persönlich die wichtigste Frage im Leben?
Vielleicht wundern Sie sich jetzt, aber ich stelle keine Frage an das Leben, aber das Leben stellt Fragen an uns. In jeder Situation, in der ich eine Entscheidung treffen muss, in der ich mit all dem, was das Leben im Guten und im Schlechten ausmacht, konfrontiert bin, stellen sich auch Fragen.
Die Antworten, die man gibt, orientieren sich letztlich an der Frage, die sich schon Aristoteles als Grundfrage gestellt hat: „Was ist ein gutes Leben?“.

Und was ist die unwichtigste bzw. überbewerteste Frage?
Auch wenn es unmodern ist: Die unwichtigste Frage ist die, die heute am häufigsten gestellt wird: Was wird die Zukunft bringen, was wird in den nächsten Jahren und Jahrzehnten auf uns zukommen? Die Frage kann man sich sparen.
Die Zukunft wird schon kommen und sie wird immer anders aussehen als unsere Propheten, Prognostiker und Trendforscher es behauptet haben.

Heute gibt es Unmengen an Coaches, Psychologen, Heiler, Berater etc. – welche Rolle spielt da noch die Philosophie?
Philosophie spielt für all diese Gruppen die Rolle einer Geschäftsstörung. Einerseits weil die Philosophie davon ausgeht, dass der Mensch so mündig und selbstbewusst sein kann, dass er auf einen Gutteil dieser Berater verzichten können sollte und zum anderen, weil ein neuer Zweig der angewandten Philosophie, die „philosophische Praxis“, selbst solch eine Beratung anbietet, die Beratung überflüssig machen soll.
Paradox, aber wahr!

Johanna Monitzer

 
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