24.03.2020
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Fische leiden unter Plastikmüll

Der Bezirksfischereiverband schlägt Alarm – in und rund um die Kitzbüheler Ache gibt es immer mehr Plastikmüll.

Bezirk | Aufsichtsfischer Helmuth Mariacher zog eine Forelle mit einem roten Plastikband im Magen aus der Kitzbüheler Ache. Bevor die Fischer-Saison wieder beginnt, schlägt der Bezirksfischereiverband Alarm, denn immer öfter werden Fische mit Plastikteilen gefangen. „Eine Forelle hatte sich in einem Plastikring verfangen auch finden wir neben diversen Plastik-Kleinteilen immer wieder Zigarettenstummel in den Mägen“, schildert Obmann Hans Obernauer im Gespräch mit dem Kitzbüheler Anzeiger.

„An manchen Stellen wie ein Müllplatz“
Dass die Kitzbüheler Ache an manchen Stellen aussieht, wie ein Müllplatz zeigen Fotos. „Die Wasserverschmutzung nimmt zu. Sogar ganze Blumenkisten werden in der Ache entsorgt. Das ist eine Belastung für alle Lebewesen in der Ache“, betont Obernauer. Der Fischbestand in der Ache geht dramatisch zurück, berichten Obernauer und Mariacher: „Vor allem im Raum St. Johann und Kirchdorf ist der Bestand um die Hälfte eingebrochen“

Der Fischbestand geht drastisch zurück
Die Ursachen dafür sind vielfältig: Fischotter – wo ein Tier alleine im Jahr 1.000 Fische als Nahrung braucht oder fehlende bzw. schwer erreichbare Laichplätze. „Ganz wichtig wäre es, Bäche zum Laichen zu schaffen bzw. wieder zugänglich zu machen. Die Aufstiege sind teilweise viel zu hoch - da kommt kein Fisch hinauf, das wäre aber relativ leicht zu lösen“, erklärt Obernauer. Viele Bäche, die in der Vergangenheit kanalisiert wurden, müssten wieder renaturiert werden.
Eine lang gehegte Forderung des Bezirksfischereiverbandes ist es, die Durchgängigkeit bei der Kapser Wehr in Kitzbühel zu schaffen: „Es gibt zwischen Kitzbühel und St. Johann keinen Bach, wo die Fische zum Laichen aufsteigen können.“

„Ein künstlicher Besatz macht keinen Sinn“
Kann man die Ache nicht einfach wieder aufwirtschaften? „Man kann, wenn überhaupt, nur ganz kleine Fische einsetzen, da die größeren das Leben in der freien Wildbahn nicht gewöhnt sind. Auf lange Sicht ist ein künstlicher Besatz nicht möglich“, veranschaulicht Obernauer.

Temperaturen bis zu 23 Grad in Kirchdorf
Die immer wärmeren Temperaturen machen den Fischen in der Ache zu schaffen. Die Beschattung durch Bäume fehlt vielerorts. „In Kirchdorf haben wir Spitzenwassertemperaturen in der Ache von bis zu 23 Grad gemessen – da stirbt jede Bachforelle“, schildert Obernauer
Nicht nur Fische sondern auch Krebse, Frösche und Muscheln sind immer weniger in der Ache zu finden. „Das hängt ja alles zusammen – es ist ein Ökosystem“, so Mariacher. Wenn Leute ihn beim Fischen in der Ache beobachten, werde er immer wieder gefragt, ob er denn da auch etwas fängt – noch gibt es genug Fische. 

Stellungnahme der Behörde - „Keine Verschlechterung“
Im Auftrag des Bundes sowie Landes ist die Chemische Technische Umweltschutzanstalt dafür zuständig, im Rahmen der Gewässerzustandsüberwachungs-Verordnung, Untersuchungen der Gewässer durchzuführen und Aufzeichnen zu machen. Die Untersuchung geschieht nach genau definierten Parametern laut erwähnter Verordnung in chemischer Hinsicht. Die Daten sind in der H2O-Fachdatenbank auf der Webseite des Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus öffentlich einsehbar. „Laut Rücksprache mit dem zuständigen gewässerökologischen Amtssachverständigen gibt es in den letzten Jahren kein Indiz für eine Verschlechterung des chemischen Zustandes der Kitzbüheler Ache“, sagt Judith Höfinger von der BH Kitzbühel.

Sie weist darauf hin, dass generell bei Vorhaben, die auf den chemischen Aspekt eines Gewässers Einfluss nehmen, Grenzwerte einzuhalten sind bzw. darf es insgesamt dadurch zu keiner Verschlechterung des Gewässers kommen. Die Berücksichtigung dieser Aspekte wir im wasserrechtlichen Verfahren durch die Beiziehung eines gewässerökologischen sowie siedlungswasserfachlichen Amtssachverständigen gewährleistet. Johanna Monitzer

Das Bild stammt vom Sommer 2019. Aufsichtsfischer Helmuth Mariacher holte eine Forelle mit Plastikband im Magen aus der Ache. Foto: Mariacher

 
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