09.01.2020
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Feuerwehr prägte das ganze Leben

Es war ein schwerer Abschied für Ernst Stöckl. Nicht nur der St. Johanner Feuerwehr hat er seinen Stempel aufgedrückt. Jetzt trat er, wenn auch nicht ganz freiwillig, in die zweite Reihe zurück.

St. Johann | Am vergangenen Donnerstagabend fiel der letzte Vorhang für Ernst Stöckl. Nachdem er bereits Anfang Dezember das Kommando bei der St. Johanner Feuerwehr zurücklegte, nahm der legendäre Feuerwehrmann nach 25 Jahren auch als Abschnittskommandant Abschied.
Der Schritt in die zweite Feuerwehr-Reihe ist dem St. Johanner alles andere als leichtgefallen. Im Juni des Vorjahres feierte Stöckl seinen 65. Geburtstag und muss daher laut Feuerwehr-Gesetz die Funktionärsebene verlassen. Als Reservist ist er natürlich nach wie vor Feuerwehrmann, wenn auch nicht mehr an vorderster Front.
Dem 65-jährigen St. Johanner war die Feuerwehrkarriere quasi in die Wiege gelegt. Schon sein Vater war zehn Jahre lang  Kommandant in Kirchberg, doch bevor es bei Ernst soweit war, schwang er erfolgreich die Boxhandschuhe. Österreichischer Meister im Schwergewicht war er ebenso, wie etliche Male Tiroler Meister. Er habe sich dann entscheiden müssen, ob er eine Profikarriere oder eine im elterlichen Geschäft einschlägt, erzählt er. „Ein Schlag beim Boxen genügt und du bist weg vom Fenster“, traf der gelernte Kaufmann seine Entscheidung und stieg ins Haushaltswarengeschäft ein. Dieses führt er nach wie vor mit seiner Frau Heidi.

Ein Begräbnis gab Ausschlag für Beitritt
Der damalige St. Johanner FF-Kommandant Michael Höflinger holte ihn 1984 zur Feuerwehr. Den Ausschlag gab die Beerdigung seines Vaters, erzählt Stöckl. Der engagierte Florianijünger war mit gerade einmal  49 Jahren gestorben. Trotz des extrem schlechten Wetters bereiteten ihm die Feuerwehr-Kameraden damals ein so würdevolles Begräbnis, dass Ernst Stöckl heute noch gerührt ist: „Da war für mich klar, da will ich dazu gehören.“
Sieben Jahre nach seinem Eintritt war er bereits Kommandant, 1995 wählten ihn die Kameraden zum Abschnittskommandanten. 25 Jahre stand  er sieben Feuerwehren als Chef vor.
35 Jahre lang prägte Stöckl nicht nur die St. Johanner Feuerwehr, war alles andere als bequem und stellte sich jeder Diskussion. Er trat den „Oberen“ nicht nur einmal auf die Zehen. Bei Diskussionen, als es etwa um die neue Einsatzbekleidung ging, argumentierte er hart, hatte aber, wie er selbst immer stolz betonte, immer eine gute Gesprächsbasis.
Es war ihm immer wichtig, ein Vorbild auch für den Nachwuchs zu sein. Er fehlte bei keiner Übung und engagierte sich fast 20 Jahre als Bewerter bei den FF-Bewerben.

Hochwasserkatastrophe und Zugunglück prägten
Bei vielen großen Bränden war er immer an vorderster Front mit dabei. Besonders in Erinnerung blieb ihm die verheerende Hochwasserkatastrophe im Jahr 2002 in St. Johann. Fast eine Woche lang kam er nicht aus den Stiefeln. Betroffen machten ihn auch die Zugunglücke. Nie mehr vergessen wird er jenen Tag, als er in Fieberbrunn ein totes Schulkind von den Gleisen tragen musste. Auch viele schwere Autounfälle gab es zu bewältigen, erzählt Stöckl. Wenn er heute zwischen Ellmau und Waidring mit dem Auto unterwegs sei, denke er an verschiedenen Stellen an die Unfälle, die dort passiert sind. Als er bei einem Brandeinsatz mit seinem damaligen Vize-Kommandant Josef Thaler im Lift eines Hotels steckenblieb und es richtig heiß wurde, da sei auch ihm nicht mehr wohl gewesen. „Das Schlimmste war, wenn während des Duschens der Piepser gegangen ist“, schmunzelt Stöckl. Da sei er schon mal nur mit einem Socken und halb angezogen ins Feuerwehrhaus gefahren.
Geht jetzt die Sirene, hält er sich lieber die Ohren zu, wie er sagt. Zeit hat er jetzt jedenfalls für seine große Sammlung. Er sammelt schon seit Jahren  Dinge aus den Zeiten des 1. und 2. Weltkriegs. Keller und ein Stockwerk sind voll mit Raritäten. Sobald er den „Pensionsschock“ überwunden hat, wird Stöckl sich an die Katalogisierung machen. Margret Klausner

Bezirksfeuerwehrkommandant Karl Meusburger (li.) und St. Johanns FF-Kommandant Michael Schenk (re.) verabschiedeten Ernst Stöckl.

 
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