06.08.2016
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Fehlalarme sorgen für Unmut

St. Johann | In den letzten Wochen ging es bei der Feuerwehr St. Johann rund – die Männer waren mehr oder weniger dauernd im Einsatz. Da waren zum einen die zahlreichen Unwettereinsätze, zum anderen aber auch der Großbrand eines Stalles in der Marktgemeinde. Ehrensache, dass hier ausgerückt und geholfen wird. Doch die Feuerwehrmänner, allen voran Kommandant Ernst Stöckl, verlieren langsam aber sicher die Geduld. Neben den tatsächlichen Einsätzen wurden die Männer in den vergangenen Wochen rund zehn Mal vom Piepser aus dem Bett geholt, rasten dann zum Feuerwehrhaus – um dann dort festzustellen, dass es sich schon wieder um einen Fehlalarm handelte.

Feuerwehrchef Ernst Stöckl ist dementsprechend in Rage: „So geht das einfach nicht mehr weiter. Wir haben langsam aber sicher das Problem, dass keiner mehr zum Einsatz kommt. Zum Teil schaffen wir es nicht einmal mehr ein Auto ausfahren zu lassen!“ Denn ein Blick auf den Piepser genügt meist – sehen die Florianijünger dann eine bekannte Adresse, eine öffentliche Institution etwa oder einen Betrieb, bleiben sie oft im Bett, schon im Wissen, dass es sich wieder um einen Fehlalarm handelt. Sind es doch meist die gleichen Kandidaten, bei denen der Alarm ausgelöst wird. „Die Blöden sind die Kommandanten-Stellvertreter und ich. Wir müssen ja ausrücken, ob wir wollen oder nicht“, ärgert sich Stöckl. Gerade bei den Fehlalarmen in der Nacht ist es problematisch. „Da ist der nächste Tag dann schon fast beim Teufel, weil man mitten in der Nacht ein, zwei Stunden unterwegs ist“, weiß der Feuerwehrchef.

Das Problem sei vor allem, dass die Interventionszeit für die betreffenden Verantwortlichen in den Betrieben zu kurz ist. „Derzeit haben die Verantwortlichen vier Minuten Zeit, um sich bei der Leitstelle zu melden – so schnell ist man aber in der Nacht nicht an der Anlage, um zu schauen. In der Zwischenzeit wird dann von der Leitstelle bei uns schon der Alarm ausgelöst“, schildert Stöckl. In vielen öffentlichen Institutionen, in Schulen etwa, sei überdies in der Nacht ja gar keiner, der die Anlage ausschalten kann. Melden er oder seine Kameraden sich dann nicht innerhalb von kürzester Zeit bei der Leitstelle, heulen dann auch noch die Sirenen. „Und 10.000 St. Johanner sind wach“, schüttelt Stöckl den Kopf. Es reize ihn schon sehr, einmal ein Exempel zu statuieren und erst gar nicht auszurücken. Seiner Meinung nach gäbe es übrigens eine Lösung für das Problem: „Die Interventionszeit für die Verantwortlichen in den Betrieben bzw. in den öffentlichen Einrichtungen sollte von vier auf zehn Minuten erweitert werden. Doch da traut sich keiner drüber – weder das Land noch der Landes- oder Bundesfeuerverband“, ist Stöckl überzeugt.

In Kitzbühel sind die leidigen Fehlalarme übrigens in letzter Zeit sehr viel weniger geworden. „Ich nehme an, dass das daran liegt, dass wir die Fehlalarme inzwischen alle verrechnen“, meint Kommandant Alois Schmidinger. Immerhin werden inzwischen 350 Euro pro Fehlalarm und pro Betrieb fällig. „Und das hat sich mittlerweile herumgesprochen“, sagt Schmidinger.
Verrechnen könnten die St. Johanner schon auch, die Sache hat nur einen Haken: „Wir könnten zwar 242 Euro pro Fehlalarm verrechnen, die Problematik ist aber, dass es sich bei uns zum größten Teil um öffentliche Einrichtungen, wie Schulen, Krankenhaus oder Altenwohnheim handelt. Da würden wir ja mit einer Verrechnung erst recht wieder die öffentliche Hand zur Kasse bitten. Und das geht ja natürlich auch nicht“, so Stöckl, für den nur eine Änderung der Interventionszeit Besserung bringt. M. Klausner

 
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