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12.01.2019
News  
 

Es ist auch nicht mehr wie früher

Geändertes Buchungsverhalten, neue Mobilität, Digitalisierung und Konkurrenz durch Plattformen wie Airbnb – die Hotellerie ist im Umbruch. Tourismusberater Thomas Reisenzahn (Prodinger) gibt einige Tipps, welche Trends es zu beachten gilt.

Kitzbühel  | Mobilität, sagt Reisenzahn, ist ein Punkt, den man nicht vernachlässigen sollte: „Immer mehr unserer Gäste leben in Ballungszentren – 2030 werden es 70 Prozent sein. Wie kommen sie in Zukunft zu uns?“ Die Entwicklung geht eindeutig weg vom eigenen Pkw hin zu Carsharing oder öffentlichen Verkehrsmitteln. Eine entsprechend gute Anbindung ist also wichtig für eine Feriendestination wie Kitzbühel. „Ein zentraler Punkt, mit dem sich der Tourismus auseinandersetzen muss.“ Konzepte wie „Gästekarte ist gleich Zugfahrkarte“ sind in dieser Hinsicht ein wichtiger Baustein.

Gleichzeitig beobachtet der Tourismusprofi auch in der Gamsstadt einen Vormarsch der Sharing Economy – sprich den Siegeszug von Plattformen wie Airbnb. „In wenigen Jahren sind bereits acht Prozent der Gesamtbetten in Kitzbühel über die Sharing Economy dazugekommen. Die örtliche Hotellerie hat also versteckte Mitbewerber bekommen“, sagt Reisenzahn gegenüber dem Kitzbüheler Anzeiger. Gerade in Orten wie Kitzbühel mit zahlreichen Zweitwohnsitzen ist das „eine ernstzunehmende Geschichte, mit der man sich massiv auseinandersetzen sollte.“

Vertreter der Hotellerie in Österreich werden seit Jahren nicht müde zu betonen, dass der Wettbewerb mit derartigen Anbietern „auf Augenhöhe“ passieren soll. Große Städte haben bereits Lösungsansätze erarbeitet: „Da beginnt es schon mit Meldeverpflichtungen bzw. gibt es Verhandlungen, dass wenigstens die Ortstaxe abgeführt wird.“ Der Vormarsch derartiger Plattformen wird nicht zuletzt durch einen Paradigmenwechsel ermöglicht.

Angebote für junge Menschen schaffen

So grandios die Kitzbüheler Hotellerie aufgestellt ist, eine Facette kommt nämlich zu kurz: „Es gibt keine für junge Menschen spezialisierten Unterkünfte.“ Junge Sportler nehmen gerne „Basispakete“ in Anspruch – auf das wesentliche reduzierte Hotellerie zu einem günstigen Preis. „Das ist wichtig, um den Nachwuchs für den Sport und die Destination heran zu ziehen“, unterstreicht Thomas Reisenzahn.

Die Herausforderungen für die Branche sind zahlreich. So setzt der starke Fachkräftmangel der Hotellerie und Gastronomie nach wie vor zu. Außerdem ist die Gewinnmarge unter Druck: „Der TrevPar (Gesamterlöse nach verfügbaren Zimmern) ist im Sommer um 1 Prozent gestiegen und somit weniger stark gewachsen als die Inflation. Ursachen dafür sind unter anderem die erhöhte Preistransparenz, das Bettenwachstum sowie die stagnierenden Auslastungszahlen insbesondere im 5/4-Sterne-Bereich“, heißt es dazu in einer Analyse von Prodinger.  Außerdem sind die Baukosten im Jahr 2018 um 20 Prozent gestiegen, rechnet der Tourismusprofi vor.

Immerhin: Das Gesetz sieht heuer keine „großen Brocken“ wie Pauschalreiserichtlinie oder DSGVO vor.

Digitalisierung und Markentreue

Die neuen Möglichkeiten durch die Digitalisierung sind keine Einbahnstraße. Jeder Hotelier kann sie für sich nutzen und mit relativ geringem Kostenaufwand einsetzen: „Die Vertriebsrevolution bringt vor allem auch eine massive Demokratisierung der Hotel-Distribution mit sich. Was bisher nur die Hotelketten und die Großen konnten, ist dank neuer IT- Möglichkeiten nur eine Kreditkartenzahlung entfernt – und das, ohne eine eigene Infrastruktur betreiben zu müssen. Im Dschungel der Angebotsvielfalt hilft übrigens eine starke Markenpositionierung. Das betrifft nicht nur Destinationen, jeder einzelne Betrieb kann sich selbst zur Marke machen und dadurch beim Kunden an Profil gewinnen. „Grundsätzlich herrscht bei den Gästen nach wie vor eine hohe Buchungsbereitschaft für gut positionierte Hotels. Man ist bereit, für gute Qualität auch mehr zu bezahlen. Und dies wird vor allem Marken zugesprochen – ein Vertrauensvorsprung, der weiter zunimmt.“

Abschließend rät Thomas Reisenzahn, das eigene Geschäftsmodell eingehend zu evaluieren: „Dienstleistungen, Flächen- und Mitarbeitereffizienz gehören schonungslos auf Tauglichkeit und Bestand überprüft und gegebenenfalls angepasst.“ Elisabeth Galehr

Bild: Den stark geänderten Rahmenbedingungen in der Hotellerie lässt sich mit einer starken Marke entgegenwirken. Außerdem ist Digitalisierung keine Einbahnstraße. Jeder kann sie für sich nutzen. Symbolfoto: pexels.com

 
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