08.10.2017
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„Es braucht Geschichtenerzähler“

Mit dem Streifen „Hoam“ präsentiert Patrick Neubäck sein erstes längeres Filmprojekt. Gedreht wurde der Roadmovie in Aschau, Kössen und Vietnam. Mit dem Kitzbüheler Anzeiger sprach der junge Filmemacher über die herausfordernden Dreharbeiten, die Erfolgschancen als Filmemacher und wie wichtig gut erzählte Geschichten in der heutigen Zeit sind.

Wie bist Du zum Film gekommen?
Als Kind hat mich mein Vater ab und zu ins Kino mitgenommen. Mich hat seit Kindheit an fasziniert, dass man beim Filmeschauen total abtauchen kann. Man ist für diese Zeit in einer anderen Welt. Nach meiner Ausbildung zum Koch, hat es mich aber erstmal nach Australien verschlagen. Dort ist in mir endgültig der Entschluss gereift, dass ich Filme machen will.

Um was geht es in dem Streifen „Hoam“?
Der Film handelt von einem jungen Bauernsohn, der sich in den Kopf gesetzt hat, ein Stipendium für eine amerikanische Universität zu ergattern. Er scheint seine Wurzeln und seine Familie zu vergessen. Dann wird er von seinem Vater auf eine Reise geschickt. Er soll seinen Halbbruder in Vietnam finden.
Um was es in dem Film aber eigentlich geht, sind die Fragen unserer Generation. Wir haben alle Möglichkeiten der Welt. Diese Vielzahl ist aber auch irgendwie zum Zwang geworden. Der Protagonist in „Hoam“ bekommt vom Universum eine Aufgabe zugeteilt, die er zu Beginn noch nicht kennt. Oft muss man weit weggehen, um zu erkennen, wo man eigentlich hingehört.

Die Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit?
Ja, sie basiert auf der Geschichte meines besten Freundes, der seine Berufung aufgrund eines Schicksalsschlages gefunden hat.

Der Film spielt auch in Vietnam – wie ist es, dort zu drehen?
Der Hauptdarsteller geht nach Vietnam, um wieder nach Hause zu finden. Ich wollte den Kontrast zwischen Asien und Tirol zeigen.
Die Herausforderung war, dass der Film im Kopf zu Hause schon fertig war – und dann kam aber alles anders. So hatten wir z.B. nur zwei Sonnentage im Rahmen des Drehs. Einmal wurden wir sogar mit einer Waffe bedroht. Ein Einheimischer wollte mehr Geld für die Locationmiete. Es ging um rund 100 Euro – hätte er das  ohne Waffe gefordert, hätten wir es ihm sofort ohne Diskussion  gegeben, aber er kam vorsichtshalber gleich mit der Waffe.
Alles in allem war es aber eine wunderschöne Erfahrung, in Vietnam zu drehen.

Du hast das Drehbuch für „Hoam“ geschrieben und Regie geführt – was war schwieriger?
Ich finde es spannend, beides zu machen. Ich schreibe gerne. Es ist wie ein Puzzle, das sich langsam im Kopf zusammensetzt. Ein sehr befreiender Prozess.  
Regie zu führen, macht einfach nur richtig viel Spaß. Es war mir auch wichtig, bei der Entstehung des Filmes in allen Phasen dabei zu sein.  

Wie schwierig ist es in Österreich als Filmemacher erfolgreich zu sein?
Diese Frage wird oft gestellt – und das ist auch gut so. Um ehrlich zu sein, es ist nicht gerade leicht, aber davon darf man sich nicht abhalten lassen. In Westösterreich ist es sicher nochmal schwieriger, Fuß zu fassen, als in Wien. Komischerweise sind österreichische Filme im Ausland auch oft erfolgreicher als in der Heimat. In Österreich würde es mehr Risikobereitschaft brauchen, um neue Genres zu fördern. Viele junge Filmschaffende organisieren sich derzeit komplett selbst und veranstalten eigenständige Screenings, um ihre Filme vor Publikum zeigen zu können.
Ich für mich habe den Film „Hoam“ aber nicht gemacht, um erfolgreich zu sein. Ich wollte eine gute Geschichte erzählen, die fesselt.

Blicken wir in die Zukunft. Wohin wird Dich Dein weiterer Weg führen?
Es gibt so viele Möglichkeiten im Leben, da fällt eine Entscheidung oft nicht leicht. Über dieses Thema schreibe ich auch gerade meine Masterarbeit. Ich möchte auf jeden Fall weiter Geschichten erzählen und hoffe, dass ich einmal davon leben kann.
Wie der Dalai Lama schon gesagt hat: „Der Planet braucht keine erfolgreichen Menschen mehr. Der Planet braucht dringend Friedenstifter, Heiler, Erneuerer, Geschichtenerzähler und Liebende aller Arten.“ Geschichten haben die Kraft, Leute zu bewegen. Mit einem guten Film kann man die Welt verändern.
Johanna Montizer, Foto: Privat

Der Film „Hoam“ wird derzeit bei verschiedenen Filmfestivals eingereicht. Am 13. Oktober wird er um 19 Uhr in der arena365 in  Kirchberg gezeigt. Im November plant Servus TV die Ausstrahlung (Termin folgt).


 
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