10.10.2016
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Emotionale Debatten um Hagertal

Am Montagabend präsentierte Ausschussobmann Michael Brunschmid im Kirchdorfer Gemeinderat die Studie über die geplanten Überflutungsflächen im Hagertal. Bürgermeister Gerhard Obermüller hat bereits seine Bedenken angemeldet und auch die Anrainer, vor allem im Ortsteil Wohlmuthing, fühlen sich überfahren. Obermüller schlägt vor, die Retentionsbecken weiter unten im Tal näher an Kössen zu errichten und damit Wohlmuthing und vor allem die Kläranlage zu schützen.

Kirchdorf | Die Wogen gingen hoch im Kirchdorfer Gemeinderat, und vor allem bei den zahlreichen Zuhören. Der Obmann des heuer gegründeten Ausschusses Hagertal, Michael Brunschmid, präsentierte am Montagabend die angedachten Pläne für Retentionsräume zwischen Erpfendorf und Kössen, erntete vor allem aber bei den anwesenden Wohlmuthingern einen Sturm der Entrüstung.

Wie berichtet, war das Hochwasser vor drei Jahren in Kössen der Auslöser für die Überlegungen, im Hagertal Überflutungsflächen zu schaffen, um bei einem erneuten Hochwasser gerüstet zu sein. Bereits vor zwei Jahren wurde eine Studie erstellt, die zwei Varianten beinhaltet. Zum einen wurde der Bau einer bis zu 20 Meter hohen Staumauer am Ende des Tales angedacht. Dieser Lösung können die Experten nicht viel abgewinnen, der zweiten Variante aber schon. Demnach sollten entlang des Hagertals die Dämme erhöht werden, wie Michael Brunschmid darlegte. Im Überflutungsfalle könne das Wasser, so der Obmann, an definierten Stellen überlaufen und auf die Felder, die als Retentionsraum dienen, rinnen. Unter anderem müsse die Erpfendorfer Landesstraße jedoch auch in diesem Fall weiter befahrbar sein und betroffene Häuser in diesem Bereich durch Schutzmaßnahmen gesichert werden.

Agrarverfahren eingeleitet

Bereits im Februar, wie Brunschmid erklärte, sei das Agrarverfahren eingeleitet und damit die ersten Gespräche mit den insgesamt 152 betroffenen Grundeigentümern gestartet worden. Im gegründeten Ausschuss säßen jeweils zwei Vertreter aus Kössen, Waidring und Kirchdorf sowie weiters für Kirchdorf Bürgermeister Obermüller sowie für die Gemeinde Kössen Herbert Exenberger. „Noch heuer soll die Ausschreibung für die Planungen des Projektes erfolgen“, informierte Brunschmid. Davon bekamen natürlich auch die betroffenen Wohlmuthinger Wind und wehren sich jetzt vehement. Ein Brief an die Gemeinde war der Auslöser, dass das Thema im Gemeinderat diskutiert wurde.

„Ich habe in meiner Eigenschaft als Bürgermeister inzwischen meine Bedenken, auch schriftlich, angemeldet“, erklärte Obermüller den aufgebrachten Hausbesitzern. Dass die geplanten Retentionsräume weit in das Kirchdorfer Gemeindegebiet reichen sollen, können die Anrainer nicht verstehen. Weiter unten, in Richtung Kössen, gäbe es nur Felder und Wiesen – da würde eine Überflutung bei Weitem nicht so viel Schaden anrichten, der im Übrigen auch von der öffentlichen Hand ersetzt werde, meinen sie.

Wert der Häuser sinkt

„Hier stehen unsere Existenzen auf dem Spiel“, betonten zwei Anrainer. Kämen die Retentionsbecken in diesem Bereich würde u.a. nicht nur der Wert ihrer Häuser sinken, sondern auch auch die Versicherungen steigen. „Und auch wenn unsere Häuser mit Schutzmaßnahmen gesichert werden, wenn ich dann eine vier Meter hohe Mauer rund ums Haus habe, kann ich gleich in eine Zelle in den Ziegenstadl umziehen (Anm. Innsbrucker Gefängnis)“, meinte ein Anrainer erbost und erklärte: „Es muss im Vorfeld etwas geschehen, bevor überhaupt die Planungen ausgeschrieben werden.“  

Bürgermeister Gerhard Obermüller hat, wie auch der Großteil des Gemeinderats, großes Verständnis für die Anrainer, versuchte jedoch zu beruhigen: „Auch ich bin der Meinung, dass es möglich sein sollte, die Überflutungsbecken weiter unten zu errichten, wenn ich auch kein Fachmann bin. Es geht hier schließlich auch um das Klärwerk. Kommt es hier bei einer möglichen Überflutung zum Austritt von irgendwelchen Giftstoffen, dann sind auch noch die Felder rundherum auf Jahre hinaus kontaminiert“, erklärte Obermüller. Michael Brunschmid versuchte ebenfalls die Anrainer zu beruhigen: „Noch gibt es kein Projekt, bisher ist es nur eine Studie.“ Im Klartext: Die Variante ist nicht in Stein gemeißelt. Und auch Obermüller will sich weiter für seine Kirchdorfer einsetzen: „Wir müssen uns hier einbringen und diese Punkte gemeinsam bearbeiten.“ Margret Klausner

 
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