29.01.2019
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Ein „normaler“ Winter wie früher?

Strichweise waren die Schneefälle im Bezirk so heftig, wie sie in den letzten 100 Jahren nicht mehr vorgekommen sind, veranschaulicht Manfred Bauer, Leiter der ZAMG Tirol. In Hochfilzen fielen etwa innerhalb von 15 Tagen 481 cm Neuschnee. Es gibt Anzeichen dafür, dass sich diese extremen Wetterlagen in Zukunft häufen werden.

War diese lange und intensive Schneefall-Periode normal? Gab es das schon einmal?

Das war in jedem Fall eine sehr ungewöhnliche Schneefallperiode, immerhin war es knapp vor Jahreswechsel fast noch schneefrei. Binnen 15 Tagen sind dann aber ganz beträchtliche Neuschneesummen zusammen gekommen.

Es liegen uns noch nicht von allen Stationen die Daten vor, Messdaten aus Kössen, Hochfilzen und Kufstein zeigen uns aber, dass es auch im Bezirk Kitzbühel zumindest strichweise ein Ereignis war, wie es in den letzten 100 Jahren nicht vorgekommen ist. Beispielsweise fielen bei unserem Wetterbeobachter in Hochfilzen in 15 Tagen 481 cm Neuschnee, in den 50 Jahren davor waren es in so einem Zeitraum nie mehr als 363 cm.

Temperaturanstieg durch den Klimawandel und extreme Schneefälle–  das widerspricht sich doch, oder nicht?
Nein keineswegs. Kalte Winter sind nicht unbedingt die schneereichen. Extreme Ereignisse werden vom Klimawandel eher unterstützt.
Es gibt Anzeichen, dass mit dem Klimawandel Wetterlagen länger anhalten. Das hat mit der Verringerung der Temperaturunterschiede auf der Nordhalbkugel zu tun. Hoch- und Tiefdruckgebiete können sich somit langsamer verlagern.
Eine extreme Wetterlage, wie eine Hitzewelle im Sommer oder eben eine winterliche Staulage, können somit größere Auswirkungen haben. Aber bei so komplexen Zusammenhängen besteht auf jeden Fall noch viel Forschungsbedarf.

Stichwort Klimawandel – was sagen die Daten der ZAMG aus?
Der hauptsächlich menschgemachte Temperaturanstieg ist Fakt. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ist die Temperatur in Tirol um etwa zwei  Grad gestiegen. Der Anstieg ist im Alpenraum doppelt so stark wie im globalen Mittel. Der Anstieg war dabei seit Mitte des letzten Jahrhunderts im Sommer am stärksten und im Winter - besonders auf den Bergen - am schwächsten.
Beim Niederschlag ist das Signal deutlich weniger klar. In der Jahressumme des Niederschlags gibt es Stationen in Tirol, die über viele Jahrzehnte betrachtet eine leichte Zunahme zeigen.
Der letzte Sommer entsprach jedenfalls ganz den Erwartungen der Klimaszenarien: Trockenperioden sollten häufiger werden. Wenn es aber regnet, kann dieser Niederschlag stärker ausfallen als gewohnt.

Ist jetzt mal Schluss mit Schnee oder müssen wir uns auf weitere Niederschläge einstellen?
Die aktuellen Wettermodelle zeigen zum Glück vorerst keine größere Störung, die uns treffen sollte. Diese Woche heißt es warm anziehen, da beschäftigt uns hauptsächlich noch die eiskalte Luft, die uns eine Nordostströmung von Russland her beschert.
Nächste Woche dreht die Strömung wahrscheinlich auf westliche Richtungen und dann sind zeitweilige Niederschläge möglich - größere Neuschneemengen sind derzeit aber nicht in Sicht.

Wie erstellt die ZAMG ihre Prognosen?
Wetterprognosen werden heute mit Hilfe von hochkomplexen Computerberechnungen und auf Basis einer Vielzahl an Messungen gemacht, die von der einfachen Wetterstation bis zu Niederschlagsradaren, Radiosonden und Satellitendaten reichen. Aufgrund der immer höheren Computerkapazitäten und wissenschaftlichen Weiterentwicklungen hat sich die Qualität der Wetterprognosen in den letzten Jahren enorm verbessert. Und diese Verbesserungen zeigen sich auch in der Prognose von einem Extremereignis, wie wir es gerade erlebt haben.
Man ist heute viel besser vorbereitet und kann frühzeitiger Maßnahmen setzen als es etwa noch vor 20 Jahren der Fall war.

Gibt es Prognosen, wie sich die Winter in den nächsten Jahren entwickeln werden?
Über viele Jahrzehnte betrachtet, treibt der Klimawandel die Temperaturen wohl weiter nach oben. Vor allem in den Randzeiten des Winters wird es der Schnee in tieferen Lagen dann immer schwerer haben.
Aussagen, wie die Winter der nächsten zehn Jahre sein werden, lassen sich aber nicht machen. Hier kommt es ganz auf die jeweiligen Wetterlagen an, ob wir einen eher mageren oder einen schneereichen Winter haben. Unsere Ski brauchen wir jedenfalls in absehbarer Zeit nicht einmotten. Johanna Monitzer

Bild: „Das war in jedem Fall eine sehr ungewöhnliche Schneefallperiode“, veranschaulicht der aus Kirchdorf stammende Leiter der ZAMG Tirol, Manfred Bauer, im Interview mit dem Kitzbüheler Anzeiger. Foto: ZAMG

Daten & Fakten
ZAMG – Das Wetter im Blick
Die 1851 gegründete Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) ist der staatliche, öffentliche meteorologische und geophysikalische Dienst Österreichs. Der Aufgabenbereich der ZAMG umfasst alle Tätigkeiten eines nationalen meteorologischen und geophysikalischen Dienstes. In Innsbruck werden unter der Leitung von Manfred Bauer die regionalen Aufgaben der ZAMG für die Bundesländer Tirol und Vorarlberg wahrgenommen.
Die ZAMG ist in ihren Fachbereichen als Vertretung Österreichs in den einschlägigen internationalen Organisationen seit vielen Jahren anerkannt.

 
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