20.07.2020
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Ein Wolf im Bezirk ist bestätigt

Am 26. Juni sind drei tote Schafe in Kössen gefunden worden, einen Tag danach hat Besitzer Leo Mühlberger ein weiteres tot entdeckt. Die Bissverletzungen lassen auf einen Wolf schließen. Die Bestätigung des Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie in Wien fehlt noch. Mittlerweile gibt es aber Gewissheit, da der Wolf auf einer Kamera zu sehen ist.

Kössen | Martin Janovsky vom Land Tirol war sich aufgrund der Bissmerkmale schon anfangs sehr sicher: „Die Schafe weisen eindeutige Kehlbisse und Blutergüsse im Bissbereich auf. Aufgrund des Rissbildes ergibt sich ein konkreter Wolfsverdacht“, erklärte er via Presseaussendung. Seit vergangener Woche ist es fix - den Wolf hat man auf Video. Hinzu kommen noch weitere gerissene Schafe. Am Montagnachmittag trafen sich Vertreter des Landes, Tourismus, Gemeinde und betroffene Bauern, um über die weitere Vorgehensweise zu sprechen. Laut Bezirksjägermeister Martin Antretter „eine sehr informative Veranstaltung, wo aber keine Maßnahmen besprochen wurden.“ Klargestellt wurde einmal mehr der große Schutz des Wolfs. Laut EU-Recht ist der Wolf streng geschützt und dort gilt Herdenschutz vor Wolfsabschuss.

Herdenschutz vor Wolfsabschuss
Die Lage auf der Naringalm  haben sich zwei Herdenschutzexperten vom Land Tirol vergangene Woche angesehen. Auf dem Abschlussbericht wartet nun Bauer Leo Mühlberger. Insgesamt hat er rund 60 Schafe auf der Alm, davon gehören ihm 40 Stück, die weiteren betreut er von anderen Bauern.
Ganz aufgeben will Mühlberger noch nicht, er übt sich im Zweckoptimismus: „Ich lass die Schafe oben, vielleicht zieht der Wolf ja ab“. So optimistisch sieht Antretter die Lage nicht: „Wir werden dem Wolf nicht mehr auskommen“, sagt der Bezirksjägermeister und ist sich sicher, dass dieser in den nächsten Jahren auch bei uns heimisch wird. Die Maßnahmen für den Herdenschutz sind schwierig umzusetzen, neben Zäunen und Hunden muss an einer Behirtung der Tiere gedacht werden.

Mensch braucht vom Wolf keine Angst haben
Viele Wanderwege gehen durch das Gebiet im Kaiserwinkl. Vor dem Wolf braucht der Mensch keine Angst haben: „Es gibt keine Angriffe vom Wolf auf Menschen,“sagt Antretter. Der Anblick von den toten und gewilderten Schafen kann jedoch verstörend sein. „Die Wanderer brauchen danach einen Psychiater“, meint Mühlberger. Er selbst hat nun schon fünf Schafe verloren. Ein tägliches Zählen der 60 Schafe ist für ihn unmöglich.

Almwirtschaft mit Wolf ist schwierig
Die Alm befindet sich im Doppelsitz. Aber nicht nur die Schafe, sondern auch Kühe sind dort auf Sommerfrische. Daraus ergibt sich ein weiteres Problem für die Bauern: „Wenn der Wolf in der Nacht wildert und eine Kuh patscht ab, dann kann mir das niemand ersetzen“. Die Tiere in der Nacht im Stall lassen? Kommt für ihn nicht infrage, da sich die Alm auf er Sonnenseite befindet und es zu heiß für die Kühe ist, dass wäre wiederum nicht artgerecht.
Eine verzwickte Situation, wobei eine befriedigende Lösung für die Bauern wohl kaum zu finden ist. In Serfaus haben die Bauern nach erneuten Schafsrissen am Dienstag die Reißleine für das heurige Jahr gezogen und alle Tiere ins Tal abgetrieben.

In Zukunft ein Leben mit dem Wolf
Der Wolf war fast ausgerottet, mittlerweile gibt es ständig steigende Zahlen in der Wolfspopulation, die Zuwachsrate liegt jährlich bei 30 Prozent. Durch  das hohe Wildvorkommen erwartet den Wolf laut Bezirksjägermeister Antretter ein reich gedeckter Tisch in unseren Wäldern mit Rehen, Schafen, Gämse, Kälbern: „Jeden Tag bekommt er was neues zum Essen.
Keine einfache Situation für die Bauern. Antretter vermutet, dass in den nächsten Jahren daher viele Almbauern das Handtuch werfen. Die Folgen für die gesamte Landschaft wäre fatal: „Die Almen werden nicht mehr bewirtschaftet und die Kulturlandschaft verwildert“. Verena Mühlbacher

Foto: Die Idylle hoch über Kössen trügt. Im Almgebiet der Naringalm ist ein Wolf unterwegs. Foto: ZOOM.TIROL

 
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