08.02.2018
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Ein Tüftler im Viertakt-Rhythmus

Der geniale Erfinder, phantasiereiche Tüftler und akribische Polytechniker Christian Reithmann würde am 9. Februar seinen 200. Geburtstag feiern. Anlass genug, noch einmal einen Blick auf ein außergewöhnliches Leben zu werfen.

St. Jakob | Es war ein großes Feuerwerk, das die Welt auf den jungen Christian Reithmann aufmerksam machte. Das war im Jahr 1834 bei einem umtriebigen Schützenfest in Schwoich. Der damals noch jugendliche Sohn des „Mühlendoktors“ Thomas Reithmann machte sich bei dieser Gelegenheit als Pyrotechniker einen Namen. Schon zuvor war er seinem Vater geschickt zur Hand gegangen und zeigte sich auch sonst interessiert an allen technischen Dingen. Der Pfarrer förderte dieses Talent und empfahl Christian Reithmann für eine Schreiner-Lehrstelle in Salzburg.

Den Gesellen Reithmann zog es dann nach München – wo er sich sozusagen als Schmied betätigte. Als Schmied seines eigenen Glücks. 1842 suchte die Uhrmacher-Witwe Rothmüller in Schwabing einen Geschäftsführer für ihren Betrieb. Da sich Christian Reithmann ohnehin stark für Uhren interessiert hatte, schlug er zu. Es gelang ihm, die Dame von seinen Fähigkeiten zu überzeugen.

Gleichwohl nahm die Münchener Uhrmacher-Innung diesen Schritt mit großem Widerwillen zur Kenntnis. Christian Reithmann musste all seine Künste aufbringen, um die hochwürdigen Herren umzustimmen. Um von der Meisterprüfung befreit zu werden, musste Reithmann sich sogar eine Bestätigung des Bezirksgerichts Kitzbühel beschaffen, die ihn urkundlich als „kompetenten Uhrmacher mit Ausbildung beim berühmten Mühlenarzt Thomas Reithmann“ mit Brief und Siegel versah.

Wie einer Würdigung des „Journals der Uhrenmacher“ zu entnehmen ist, die noch zu Reithmanns Lebzeiten erschien, dürfte ihm eine weitere Eigenschaft hilfreich gewesen sein: „Aus seinen heimatlichen, himmelanstrebenden Bergen hatte er die allen Tirolern eigene, begeisterte Hingabe an das Schützenwesen mitgebracht, die in der hochangesehenen Münchener Hauptschützengesellschaft günstigsten Nährboden fand.“

Als Uhrmacher etablierte sich Christian Reithmann immer stärker in München, 1854 erwarb er das volle Bürgerrecht und ehelichte Anna Weigenthaler. Im selben Jahr wurde Sohn Christian geboren. 1874 wurde Christian Reithmann senior gar zum königlich-bayrischen Hofuhrmacher ernannt. Gleichzeitig entwickelte er zahlreiche, oftmals preisgekrönte Erfindungen, darunter eine Punktemessmaschine (Best-oder Blättchenmessmaschine) für die Schützen oder einen elektrischen Impulsgeber für Uhrenpendel.

Zwischen 1852 und 1873 arbeitete Reithmann schließlich an der Konstruktion eines Verbrennungsmotors.  Reithmann kann die Erfindung eines Viertakt-Gasmotors für sich verbuchen, verwerten konnte er sie allerdings nicht. Ein langwieriger Rechtsstreit mit Nikolaus August Otto – den Reithmann zwar in erster Instanz gewann – kostete ihn zu viel Energie. Statt die Causa auszufechten, willigte er 1884 in einen Vertrag ein und bekam im Gegenzug für den Verzicht aller Rechte 25.000 Goldmark und eine Leibrente auf Lebenszeit. Bis ins hohe Alter ließ Reithmann das Erfinden nicht – er starb 1909 mit 91 Jahren in München. Elisabeth Galehr

 
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