25.02.2009
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Ein Mann hinter den Kulissen

Der graue Bene-Ordner, den Erwin Steidl wie einen Schatz hütet, ist prall gefüllt. Mit sich langsam auflösenden Zeitungsausschnitten, mit schon fast vergilbten Fotos, mit kaum mehr leserlichen Ergebnislisten. Der Inhalt „mockt“ etwas, wie es umgangssprachlich so treffend heißt. Doch alles, was
Steidl aufbewahrt, stellt zeitgeschichtliche Dokumente dar. Von der  Allski-Trophy in den Siebzigerjahren, bei der in fünf Disziplinen die besten Wintersportler ermittelt wurden, bis hin zu seinem Lieblingsprojekt, dem Wiederaufbau einer Sprungschanze. Erste Sprungversuche

Es sind ganz besondere Schmankerln von gestern und vorgestern: Wie etwa jene Fotos, die den zwölfjährigen Klaus Sulzenbacher bei seinen ersten Sprungversuchen zeigen. Oder die erste Ergebnisliste, auf der der spätere nordische Kombinierer und vierfache Olympia-Medaillengewinner aufscheint. Mit Fug und Recht zählt Steidl mit zu den Entdeckern Sulzenbachers. In dem Ordner kann aber auch nachgelesen werden, dass die Allski-Sieger 1974 Christl Herbert und Walter Schwabl hießen.

Wenn jedoch die Rede auf die Sprungschanze kommt, beginnen Steidls Augen zu leuchten. Schon 1966/67 kämpfte er um die legendäre Grub-Schanze. Dazu konnte er den kurz zuvor gegründeten Verein „Die Kitzpichler“ begeistern. Als die Disziplin Freestyle aufkam, wurde sie für die Freestyler rund um Thomas Überall umgebaut. Für einen Rückbau war sie dann für die Schüler zu groß und für die Jugendlichen zu klein. Darüber hinaus konnte er eine Idee, im Auslauf der Grub-Schanze ein Skiparkstadion mit Ausgangs- bzw. Endpunkten von Loipen zu errichten, nicht verwirklichen.

Es war wiederum Erwin Steidl, der sich mit einigen Sprungbegeisterten, wie Josef Pepi Graswander, erneut um eine Schanze stark machte. Als Alternative zu Grub oder dem noch älteren ehemaligen Standort Burgstallfeld konnte mit dem Schattberg ein ebenfalls sporthistorisches Gelände gefunden werden. Dennoch war es ein harter Kampf, ehe am 7. Dezember 1975 das Eröffnungsspringen durchgeführt werden konnte. Heute stehen zwei Schanzen, darunter eine moderne Mattenschanze für Kinder, am Fuße des Hahnenkamms.

Eine Medaillenschau

Es gäbe noch über viele Meilensteine, die Erwin Steidl in Kitzbühel setzte, zu berichten. So etwa gelang es ihm als Generalsekretär für die „Kitz-Kiri-Ski“ genannten Jubiläumsfeierlichkeiten 50. Hahnenkammrennen die einzige Medaillenschau der erfolgreichen Kitzbüheler Skisportler zu organisieren. Dazu ein fast utopischer Gedanke
Steidls: Er schlägt eine Glaspyramide vor dem Museum Kitzbühel mit den Gold-, Silber- und Bronzemedaillen vor.

Zur Person:

Erwin Steidl wurde am 22. Februar 1934 in Leogang (Land Salzburg) geboren. Nach der Volks- und Hauptschule und der Mittelschule in Salzburg schloss er das anschließende  Welthandels-Studium in Wien 1958 mit dem Diplom-Kaufmann ab. 1962 kam er nach Kitzbühel, um im Steuerbüro seines Bruders Albert – seines Zeichens auch Bürgermeister von Leogang, Landes- und Nationalrat in bzw. für Salzburg –zu arbeiten. Zwei Jahre später übernahm er die Leitung des Immobilien-Unternehmens Real-Fina, das er 30 Jahre lang führte. In den Siebzigerjahren organisierte er die Allski-Trophy, bei der der kompletteste Skifahrer Kitzbühels gesucht wurde. Aus Anlass „700 Jahre Stadtrecht“ leitete er 1971 ein Fußballturnier für Hobbymannschaften. Er war 1990 Generalsekretär von „Kitz-Kiri-Ski“, dem Jubiläumsprogramm anlässlich des 50. Hahnenkammrennens.

Steidl ist Gründungsmitglied des Bauernhausmuseums Hinterobernau und erwarb sich große Verdienste beim Wiederaufbau der Schattbergschanze.

Die Stadt Kitzbühel würdigte sein Wirken 2005 mit der Ehrennadel „Kitzbühel-Gams in Gold“. Alexander Rußegger
 
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