13.06.2016
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Ein Engagement ohne Grenzen

Deutsch üben, bei der Integration helfen oder einfach nur Reden - die Kirchdorfer haben ein Netzwerk aufgebaut, um den geflüchteten Menschen im Ort den Start in dem für sie fremden Land zu erleichtern.

Kirchdorf | Seit gut einem Jahr leben in der ehemaligen Volksschule im Kirchdorfer Ortsteil Gasteig Menschen, die nach Österreich geflüchtet sind. Zurzeit sind es achtzehn Männer, die in leerstehenden Räumlichkeiten ein einfaches, aber sicheres Zuhause auf Zeit gefunden haben. Auch im Dorf hat sich seitdem einiges verändert. Eine Gruppe von Einheimischen hat sich zusammengefunden, um zu helfen und zu unterstützen.

Berührungsängste und Vorurteile abbauen

Um Berührungsängste und Hemmschwellen gegenüber den Menschen aus anderen Ländern abzubauen, hat die Freiwilligen-Initiative am Samstagnachmittag unter dem Motto „Hi´schau´n, zuachitraun´n“ zu einem kleinen Fest in den Kirchdorfer Dorfsaal geladen. „Wir sind am Heim öfters vorbeigefahren und haben die Männer vor dem Haus sitzen gesehen, da haben wir uns gedacht, wir müssen etwas tun. Wir müssen helfen, sie zu integrieren. Dann sind wir hingegangen und haben die Männer zu einer Wanderung mitgenommen“, erzählt Martina Rabl von den Anfängen der Initiative. Gemeinsam mit ihrem Mann Walter koordiniert sie die Freiwilligenarbeit.

Frauen lernen mit den Männern Deutsch

Mittlerweile engagieren sich zwanzig Kirchdorfer ehrenamtlich für die geflüchteten Menschen. „Das wichtigste ist sicher, Deutsch zu üben. Wir haben für jeden Geflüchteten einen eigenen ehrenamtlichen Betreuer, da die Sprachkenntnisse und das Bildungsniveau sehr unterschiedlich sind. Wir sind alle keine Deutschlehrer, aber es funktioniert“, erklärt Walter Rabl. Es sind übrigens überwiegend Frauen, die mit den Männern aus Syrien, Irak oder Afghanistan Deutsch lernen. „Klar gab es am Anfang Vorurteile und auch Ängste. Diese waren aber unbegründet. Zum Deutsch üben nehmen die Mütter auch oftmals ihre Kinder mit, das freut die Männer, die selber oft ihre Familie daheim sehr vermissen“, erzählt Rabl.

46 Nationen leben in Kirchdorf

Auch Bürgermeister Gerhard Obermüller hat noch keine Reklamationen oder Beschwerden über die geflüchteten Männer gehört. „Als Bürgermeister bin ich stolz, dass wir in der Gemeinde Menschen haben, die anpacken und helfen, wo andere wegschauen. Ziel ist es, Vorurteile abzubauen und Wertschätzung aufzubauen - was oft sehr schwierig ist“, erklärt der Dorfchef im Rahmen seiner Festansprache. Er weist darauf hin, dass in Kirchdorf 46 Nationen friedlich unter einem Dach leben.

Wie man mit Vorurteilen umgeht

Dass es aber ebenso Unverständnis für das ehrenamtliche Engagement gibt, bekommt auch Familie Rabl zu spüren. „Ich werde manchmal mit dem Vorwurf konfrontiert ‚Warum macht niemand etwas für die Einheimischen?‘ Diese Frage gebe ich dann zurück und kontere: ‚Was machen Sie denn für die Einheimischen?‘ - dann beginnen sie meistens nachzudenken“, so Martina Rabl.
Johanna Monitzer

Bild: Die geflüchteten Männer, die derzeit in der ehemaligen VS Gasteig untergebracht sind, stellten sich im Rahmen des kleinen Festes auf Deutsch vor - die Freiwilligen-Initiative rund um Walter Rabl (im Bild li.) hat bereits ganze Arbeit geleistet.

 
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