25.11.2020
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Ein Appell zur Regionalität

Der langjährige Bezirksobmann Klaus Lackner skizziert gegenüber dem Kitzbüheler Anzeiger Höhen und Tiefen seiner Ära.

Kitzbühel | Was hat Sie dazu bewogen, sich nicht mehr für das Amt des Bezirksobmanns zur Verfügung zu stellen?
Ich war viele Jahre dabei, wollte einmal eine Veränderung. Wir in der Wirtschaftskammer haben uns darauf verständigt, dass nach drei, maximal vier Perioden einmal ein Wechsel erfolgt. Ich habe mich entschlossen, in meiner Sparte im Schuhhandel doch weiterhin als Berufsgruppensprecher tätig zu sein. Ich bin stellvertretender Obmann unseres Gremiums, das ist „Mode und Freizeit“. Ich bin zudem im Bundesgremialausschuss tätig.

Sie waren viele Jahre lang Obmann und erlebten nicht nur die jetzige Corona-Krise, sondern auch die Wirtschaftskrise des Jahres 2009/2010. Rückblickend: Was trifft unsere Betriebe härter?
Ich habe tatsächlich beides in meiner Funktionsperiode erlebt. Das waren sicherlich prägende Ereignisse. Hinzu kommt 2013 die Überschwemmung in Kössen, die genauso einschneidend war. Damals waren unter anderem auch 120-130 Betriebe betroffen. Aber wenn ich diese Dinge vergleiche war für mich bzw. die Wirtschaft im Bezirk die damalige Krise 2009 nicht so dramatisch, weil wir das relativ gut überstanden haben. Dadurch dass wir klein strukturiert sind, haben das die einzelnen Wirtschaftstreibenden nicht so stark zu spüren bekommen. Jetzt, die Situation mit Covid-19, ist für alle doch sehr, sehr hart, weil es sich schon über Monate hinweg zieht und wir bereits den zweiten Lockdown haben. Unsere Stärken, wie zum Beispiel der Tourismus, von dem andere Branchen bei uns doch auch profitieren, wird in Hinblick auf die Wintersaison in ärgere Mitleidenschaft gezogen werden.

Gibt es Chancen für den Standort Kitzbühel?
Ja, ich glaube schon, die gibt es immer. Die Chancen bestehen meiner Meinung nach darin, dass es nach jeder Krise wieder aufwärts geht. Da sind unsere Unternehmerinnen und Unternehmer im Bezirk sehr flexibel – schon immer gewesen. Ich bin sicher, dass das auch jetzt wieder der Fall sein wird. Denn unsere Wirtschaftstreibenden sind nicht nur flexibel, sondern überlegen sich auch: Wo kann ich etwas verändern? Wo kann ich Neues aufgreifen? Das ist auf jeden Fall hilfreich.   

Sind das zum Beispiel Lieferservicedienste während des Lockdowns?
Ja. Schon in den vergangenen Jahren haben wir das Regionale sehr stark forciert. Diese Kampagnen der Regionalität will die Wirtschaftskammer wieder verstärken. So soll das Bewusstsein bei den Konsumenten geschärft werden, dass man zumindest in der Zeit, wo unsere Geschäfte keine Möglichkeit haben, geöffnet zu halten, nicht auf den Online-Service von Großanbietern wie Amazon und Co. ausweicht. Gerade in der jetzigen Zeit werden vermutlich viele online einkaufen, und das tut uns sehr weh. Ich hoffe, dass die Menschen darüber nachdenken, dass von diesen Großonlinehändlern überhaupt keine Steuerleistungen bei uns erfolgen und keine Arbeitsplätze gesichert werden. Deshalb ersuche ich die Konsumenten wirklich, dass sie nach Beendigung des zweiten Lockdowns wieder vermehrt die Geschäfte besuchen.

Welche Höhepunkte gab es in der Funktionsperiode?
Die Highlights für mich waren sicherlich der Neubau der Wirtschaftskammer im Jahr 2009/2010, als das komplette Gebäude erneuert und um das K3 Kongresszentrum ergänzt worden ist. Dann die IT-HAK, bei der wir unterstützend gewirkt haben und das Innovationsnetzwerk. Der Schwerpunkt meiner Arbeit als Bezirksobmann war immer der Kontakt mit den Unternehmern. Da habe ich gemerkt: Wenn man draußen ist, ist man nahe bei den Menschen, man hört die Problemstellungen, aber auch, was positiv ist. Dadurch wird die Wirtschaftskammer greifbarer. Durch diese Ansatzpunkte hat die Verbindung zu den Menschen relativ gut funktioniert.
Was mir außerdem stets wichtig war: die Unternehmerinnen und Unternehmer vor den Vorhang zu holen. Auch die Lehrlinge auszuzeichnen war mir immer ein Anliegen. Man denke da an die „Nägel mit Köpfen“ bei der Neujahrsfeier.
Ich war außerdem bei sehr vielen Betriebsfeiern dabei, bei denen ich für langjährige, treue Mitgliedschaften in der Kammer auszeichnen durfte. Ebenso auch bei den ganzen Feiern, wo es um Mitarbeiterehrungen gegangen ist. Auch das ist mir wichtig, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auszuzeichnen. Ich will damit aufzeigen, dass für mich beide in einem Boot sitzen: Die Unternehmer und die Mitarbeiter. Ich wollte beide stets bestmöglich unterstützen.

Wie ist der Stand der Agenda 2020-2025?
Da waren wir in Vorbereitung. Durch meine Arbeit konnte ich immer wieder heraushören wo der Schuh drückt. Das waren für uns dann die Schwerpunktthemen im Bezirksausschuss. Seit Jahren schon ist das z.B. der Fachkräftemangel. Ich bin mir sicher, dieser wird sich auch künftig noch fortsetzen. Dann war auch die Verkehrssituation immer ein wichtiges Thema. Mein „Steckenpferd“ war hier die Umfahrung Kitzbühel. Ich sah meine Aufgabe darin, diesbezüglich Druck zu machen. Das dritte ist die Standortpolitik mit Regionalität und der Belebung der Ortskerne – Stichwort Pflege der Kaufmannschaften bzw. Unterstützung bei der Neugründung. Das ist uns teilweise sehr gut gelungen. Elisabeth Galehr

Bild: Klaus Lackner. Foto: WK

 
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