14.11.2016
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Dorfchef zog Rechnung zurück

Weil eine Mitarbeiterin seines Unternehmens mithalf, ein neues System für das Bürgermeisterbüro zu entwickeln und Bgm. Gerhard Obermüller dafür der Gemeinde eine Rechnung stellte, gingen die Wogen hoch.

In der jüngsten Gemeinderatssitzung zog Obermüller die Rechnung zur Überraschung der Mandatare jedoch zurück. Hatten diese doch in der letzten Sitzung die Übernahme einstimmig beschlossen. Empört zeigen sich die anwesenden Gemeinderäte, dass die Causa, obwohl im vertraulichen Teil besprochen, nach außen getragen wurde.

Kirchdorf | Es war ein Sturm, mit dem Bürgermeister Gerhard Obermüller selbst nicht gerechnet hatte – nachdem eine Mitarbeiterin seines Malerbetriebes die Struktur des Bürgermeisterbüros auf neue Beine gestellt hatte, hat Obermüller die Kosten dafür der Gemeinde verrechnet. Obwohl die Rechnung im vertraulichen Teil besprochen und abgestimmt wurde, sickerte die Sache nach außen und ließ in Kirchdorf die Wogen hochgehen. Anzeigen an die Aufsichtsbehörde in der Bezirkshauptmannschaft folgten, da überdies dem Malermeister Obermüller auch noch angekreidet wurde, dass er einen öffentlichen Auftrag am neuen Bildungszentrum angenommen hatte.

In einer dritten Anzeige wurde der Dorfchef kritisiert, weil er die Sonderbeilage „100 Tage Bürgermeister“ in der Dorfzeitung lanciert hatte.

Die Gemeinderatssitzung am Montagabend nutzte Obermüller daher, um seinen Standpunkt klar zu legen. „Die Aufsichtsbehörde hat die Anzeigen zurückgewiesen“, atmet der Dorfchef auf. Für Empörung sorgte unter den Anwesenden vor allem, dass die im vertraulichen Teil besprochenen Punkte von einem der ihren in die Öffentlichkeit getragen wurden. Schuldig bekannte sich allerdings keiner dazu, die Informationen preisgegeben zu haben.

Kein Bürosystem

„Als ich das Amt übernommen habe, wurde mir von meinem Vorgänger empfohlen, ein Büro­system im Bürgermeisterbüro aufzubauen, weil einfach keines vorhanden war“, klärte Obermüller auf. Daher habe eine Mitarbeiterin seines Unternehmens auf seinen Wunsch ein System unter dem Motto „Neue Generation – neuer Arbeitsstil – neue Technik“ installiert. Inzwischen habe eine Gemeindemitarbeiterin die Aufgaben im Vorzimmer übernommen. „Dafür habe ich eine Rechnung in Höhe von 14.069,30 Euro gestellt“, erklärte Obermüller. Klar war, dass 7.000 Euro dieser Summe von ihm für das Sicherheitskonzept der Gemeinde gespendet werden. Der Gemeinderat stimmte der Übernahme der Kosten in der Oktobersitzung einstimmig zu.

Im Ausschuss vorbesprochen

Bei der Sitzung am Montag standen dann die anwesenden Mandatare hinter ihrem Bürgermeister und – trotz der öffentlichen Kritik –zu ihrem Beschluss. Trotzdem zog Obermüller jedoch die Rechnung zurück. „Ich bin keine Mimose und halte schon was aus. Man muss das aber nicht nach außen tragen, sondern kann mir das ins Gesicht sagen“, stellte Obermüller klar. Er wolle dieses Geld nicht mehr und auch bei der Spende für das Sicherheitskonzept bleibe er.

Obwohl einige Mandatare versuchten, noch einmal darüber abstimmen zu lassen, wollte Obermüller nichts mehr davon wissen. „Keiner hat den Mumm gehabt und in der Sitzung den Mund aufgemacht, dass ihm die Vorgangsweise nicht passt“, kritisierte GV Josef Wörgötter und erhielt dafür Zustimmung. Kritik kam allerdings von GV Maria Braito. Die Rechnung sei damals ganz am Schluss der Sitzung erst gegen 23.40 Uhr besprochen worden und man sei da schon müde gewesen, meinte sie. „Wir wurden da schon ein bisschen überrumpelt,“ so Braito. Die Retourkutsche kam prompt: „Dann muss man bei so einem  Beschluss halt mit Nein stimmen“, so die mehrheitliche Meinung und Obermüller meinte dazu: „Von meinen Gemeinderäten verlange ich schon, dass sie in der Sitzung wach sind.“ Und überdies, so erklärte Vize-Bgm. Gerald Embacher, sei das im Finanzausschuss und im Gemeindevorstand im Vorfeld besprochen worden. „Und da hat die Opposition mit Abwesenheit geglänzt!“ Das Argument Braitos, dass die Sitzungen zeitlich zu knapp anberaumt wurden, ließ man nicht gelten. Man könne sich ja danach erkundigen.

Drei Aufträge in den letzten Jahren

Rückhalt von den anwesenden Gemeinderäten erhielt Obermüller auch betreffend der Maler­aufträge. Insgesamt habe er in den letzten Jahren zwei Aufträge im Rahmen des Baues des Bildungszentrums von der Gemeinde angenommen. „Und da war ich vom Bürgermeistersessel noch weit entfernt.“ An der letzten Ausschreibung habe er sich auf Wunsch der Gemeinde beteiligt und diesen dritten Auftrag in Höhe von rund 11.900 Euro auch erhalten. Hier war die einhellige Meinung, dass es nicht sein kann, dass man sich, nur weil man ein Amt bekleidet, nicht mehr an öffentlichen Ausschreibungen beteiligen dürfe.

Alle Mandatare präsentiert

Wegen seiner Sonderbeilage „100 Tage Bürgermeister“, die der Dorfzeitung beilag, musste Obermüller eine Stellungnahme bei der Bezirkshauptmannschaft abgeben. „Es war keine Werbung für mich. Wir haben alle Zahlen, Daten und Fakten betreffend der laufenden Projekte veröffentlicht. Alle 15 Mandatare wurden in Text und Bild vorgestellt. Es waren weder Wahlergebnis noch Parteinamen oder gar Wertungen darin zu finden“, betonte Obermüller. Auch hier war der Rückhalt der Mandatare zu spüren. „Ich suche keinen Schuldigen, will an mir arbeiten und bin mir meiner Verantwortung als Bürgermeister wohl bewusst“, erklärte Obermüller. Für ihn laute die Devise in Zukunft: „Noch mehr Bürgermeister, noch weniger Maler in Kirchdorf.“
Margret Klausner

 
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