13.09.2020
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Dominoeffekt mit herben Folgen

Welche Bedeutung der Tourismus für die Wertschöpfung im alpinen Raum hat, zeigt sich erst in aller Deutlichkeit, wenn er unter Druck steht. Vitalpin, die Interessensgemeinschaft für alpines Wirtschaften, gab in Hinblick auf die Corona-Pandemie eine Studie in Auftrag – mit recht ernüchternden Ergebnissen.

Bezirk, Tirol | Die Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung (GAW) untersuchte konkret die Auswirkungen der Umsatzrückgänge der Beherbergungswirtschaft 2020 auf das Bruttoregionalprodukt, den Arbeitsmarkt und die unselbstständigen Einkommen in den unterschiedlichen Wirtschaftszweigen.
Aufbauend auf den Erwartungen der Branchenvertreter und weiteren Daten ergab die Studie ein beträchtliches Ausmaß an Folgewirkungen – quasi ein negativer Dominoeffekt für die gesamte Wirtschaft, ausgehend vom Tourismus. Die Studie zeigt, dass bei einem erwarteten Umsatzrückgang des Nächtigungstourismus von 32,1 Prozent das Bruttoregionalprodukt im alpinen Raum um rund 7.174 Millionen Euro sinkt. Dazu kommen rund 732 Millionen Euro Verlust im außeralpinen Raum. Des Weiteren ist mit einem Verlust von rund 68.400 Arbeitsplätzen quer durch alle Branchen zu rechnen (62.551 inneralpin und 5.855 außeralpin).

Auch andere Branchen in Mitleidenschaft
Vitalpin-Geschäftsführerin Theresa Haid kommentiert dazu: „Würden die prognostizierten Umsatzrückgänge im Nächtigungstourismus eintreten, so hieße das, dass z.B. auch Handel und Bauwirtschaft massiv betroffen sind – konkret verlieren mehr als 10.000 Verkäuferinnen und Verkäufer im österreichischen alpinen Raum ihren Job und mehr als 4.000 Personen in der Baubranche. Auch Künstlerinnen und Künstler sowie Freiberufliche, die bereits durch abgesagte Veranstaltungen etc. massive Rückgänge verschmerzen müssen, werden erneut getroffen und müssen mit einem Einkommensverlust von über 73 Millionen Euro rechnen – um nur einige Beispiele zu nennen. Diese Zahlen beweisen deutlich, dass ein gesundes Wirtschaften im österreichischen Alpenraum und darüber hinaus ohne den Tourismus nicht möglich wäre. Am Ende des Tages sind wir auch wegen des Fehlens von alternativen Schlüsselindustrien stark von einem funktionierenden Tourismus abhängig.“ Vitalpin zieht aus den gewonnenen Erkenntnissen die Konsequenz und will gegenüber der Politik entsprechend Druck aufbauen. In einem offenen Brief spricht sich die Interessensgemeinschaft für bessere Planungssicherheit in Hinblick auf die Wintersaison aus. Haid erläuterte, dass man in diesem Punkt nicht die einzelnen Tourismusregionen gegeneinander ausspielen, sondern gemeinsam Lösungen erreichen wolle.

Fünf Maßnahmen gefordert
Im Schreiben an die jeweiligen Regierungen nennt Vitalpin fünf Maßnahmen, die für Klarheit für die bevorstehende Wintersaison sorgen sollen:  Erstens Maskenpflicht. Das Tragen einer Maske sollte in allen öffentlichen Verkehrsmitteln während der gesamten Reise obligatorisch sein, ebenso bei Aufenthalten in geschlossenen Räumen und an Orten mit beschränkter Bewegungsfreiheit (z.B. Wartezonen), sofern der erforderliche Abstand nicht sichergestellt werden kann.
Zweitens fordert Vitalpin die Einführung von wirksamen Instrumenten zur Kontaktverfolgung sowie den sofortigen Ausbau der Testinfrastruktur  Dringend notwendig sei die Schaffung von 24/7-Screeningstationen vor Krankenhäusern und die dringliche Verbesserung der Logistik zwischen Testlocations, der Übermittlung der Tests an Labors sowie die Information der Betroffenen. Zudem pocht die Branche auf effiziente Schnelltests.  
Für den Alpenraum fordert Vitalpin insbesondere Anpassungen bei der Definition von Kontaktpersonen (K-1 Management). „Die Tatsache, dass Kontaktpersonen auch bei negativem Ergebnis in Quarantäne müssen, ist letztendlich wirtschaftsschädigend“, so Haid. Der dritte Punkt betrifft die verbesserte internationale Abstimmung der Maßnahmen, „insbesondere auch in der Harmonisierung der Grenzwerte für Reisewarnungen“, so Haid. Das greift direkt mit Punkt vier zusammen: Gezielte und regional begrenzte Reisewarnungen und -beschränkungen sollten im Bedarfsfall pauschalen Reisewarnungen vorgezogen werden. Vitalpin schließt in dem offenen Brief mit einem Forderungskatalog für verantwortliches Management von Veranstaltungen bzw. dem Nachtleben. Elisabeth Galehr

Foto: Die Studie analysierte die Auswirkungen der Umsatzrückgänge der Beherbergungswirtschaft 2020 auf das Bruttoregionalprodukt, den Arbeitsmarkt und die unselbstständigen Einkommen in den unterschiedlichen Wirtschaftszweigen. Grafik: Vitalpin

 
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