17.04.2020
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Diplomatisches Leben steht still

Die St. Johannerin Aloisia Wörgetter ist seit November 2018 österreichische Botschafterin im weißrussischen Minsk. Auch wenn das diplomatische Leben zum Erliegen gekommen ist, herrscht auf der Botschaft Hochbetrieb.

St. Johann, Minsk | Nach Stationen in den USA, Afrika und Großbritannien wurde die St. Johannerin Aloisia Wörgetter vor rund eineinhalb Jahren zur österreichischen Botschafterin in Minsk (Weißrussland) bestellt. Auch für die erfahrene Diplomatin ist die derzeitige Corona-Krise eine besondere Herausforderung. Im Kitzbüheler Anzeiger-Interview berichtet sie von ihrem derzeitigen Leben in Minsk.

Wie ist die Stimmung in Minsk derzeit? In Österreich haben wir ja einen totalen Shutdown? Ist das in Weißrussland ähnlich?
Minsk ist fast beinahe so ruhig wie Österreich, obwohl es keinen „Shutdown“ gibt. Es gelten alle Regeln des Distanzhaltens und der verstärkten Hygiene, Feste und Kulturveranstaltungen sind abgesagt, ältere Menschen praktizieren #StayAtHome. Die Menschen beobachten die Entwicklung von Sars-CoV-2 mit derselben Aufmerksamkeit wie wir das tun. Alle Schulkinder sind in verlängerten Ferien. Die Stimmung ist dennoch gut, die Menschen verhalten sich sehr verantwortungsvoll. Die Medien berichten hier viel über Österreich, es gibt Anerkennung für den österreichischen Umgang mit der schwierigen Situation. Dass es bei uns jetzt aufwärts geht, macht auch denen Hoffnung, die in einem früheren Stadium der epidemiologischen Entwicklung stehen, wie Belarus.

Ist die Angst über die wirtschaftlichen Folgen auch so groß wie bei uns?
Österreich steht in engem wirtschaftlichen Kontakt mit Belarus, zahlreiche Firmen haben hier Niederlassungen. Das erste Augenmerk auch für die Wirtschaft, ist jetzt aber, die Gesundheit und soziale Sicherheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schützen. Betriebe sind aufgefordert, niemanden aufgrund der COVID-19-Krise zu entlassen. Wir werden erst in den nächsten Wochen wissen, wie Projekte und Unternehmungen, die schon geplant waren, verschoben und verwirklicht werden können. Wir waren gerade im Begriff, eine Studienreise in den Bezirk Kitzbühel zu organisieren, um unsere erfolgreichen Direktvermarktungsmodelle vorzustellen. Das muss jetzt warten.

Sind auch in Minsk Läden und Restaurants ebenso geschlossen wie bei uns?
Viele Geschäfte und Restaurants arbeiten, haben aber ihr Geschäftsmodell geändert. Restaurants bieten zum ersten Mal einen Lieferservice an, und ich kann mir jetzt Lebensmittel zur Haustür bringen lassen. Es ist beeindruckend zu sehen, wie viele Restaurants Speisen gratis zubereiten, die von Freiwilligen zu denen gebracht werden, die #StayAtHome einhalten.

Und wie geht es Ihnen persönlich und Ihren Mitarbeitern der Botschaft? Eine Reise nach Österreich wird ja derzeit nicht möglich sein?
An der Botschaft vollziehen wir alle österreichischen Maßnahmen nach: die halbe Botschaft ist im Homeoffice, wir haben einen Rotationsdienst unter den Kolleginnen und Kollegen etabliert. Wir wickeln Kulturprojekte virtuell ab, auch die Sitzungen.Von einer belarusischen Designerin haben wir rot-weiß-rote Masken geschenkt bekommen. Das diplomatische Leben ist schon seit Wochen zum Erliegen gekommen. Dennoch ist bei uns Hochbetrieb. Die Botschaft hält alle Seiten über die verschiedenen Reisebeschränkungen informiert, unterstützt bei Notfällen und hilft Menschen dabei, gut nach Österreich zurückzukommen. Wir werden jetzt hier gebraucht. Wenn die Krise vorbei ist, sehen wir uns in Tirol wieder. Margret Klausner

Aloisia Wörgetter (vorne) mit ihren SI-Clubschwestern Hanni Lidl, Charlotte Laggner, Annamaria Widmann und Renate Magerle (hinten v.l.). Foto: Klausner

 
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