29.04.2019
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Die unterschätzte Katastrophe

Man stelle sich vor, der Strom ist weg. Was für ein paar Stunden nervig ist, könnte bei einem tagelangen Zustand zur Katastrophe führen. Jeder sollte sich mit Blackout-Szenarien beschäftigen, betonte Oberst Gottfried Pausch in einem Vortrag in St. Johann.

St. Johann | Einige Haushalte und Firmen haben in diesem Winter erlebt, was los ist, wenn es keinen Strom gibt. Durch die enormen Schneelasten wurden Leitungen gekappt und es gab mancherorts im Bezirk stundenlang keine Elektrizität. „Solche  Störfälle aufgrund von Naturgewalten oder Gebrechen im Netz gibt es österreichweit immer wieder“, veranschaulicht Gottfried Pausch. Der aus dem Pinzgau stammende Oberst beim Bundesheer kam letzte Woche auf Einladung von GR Hans-Peter Ellmerer in den Kaisersaal nach St. Johann, um über eine (noch) unterschätzte Katastrophe zu sprechen: Blackout.

Unter Blackout versteht man einen überregionalen sowie länger andauernden Stromausfall und einen damit einhergehenden Ausfall der Infrastruktur.  

Was wäre, wenn es länger keinen Strom gibt

In unserer zusehends digitalen Welt würden im Falle eines Blackouts im Stundentakt die Handys, wenn die Akkus aufgebraucht sind, ihren Dienst quittieren. Alle elektronisch betriebenen Geräte, wie Herd oder Heizung, funktionieren nicht. Auf den Straßen herrschen chaotische Zustände: Menschen kommen nicht mehr nach Hause, weil Transportmittel ausfallen, Ampeln und Schrankenanlagen funktionieren nicht. Der Treibstoff wird knapp, weil die Zapfanlagen außer Betrieb sind. „Die Kühlhäuser tauen auf. Die Regale in den Supermärkten werden zusehends leerer und die Spitäler arbeiten zwar mit Notstrom, sind aber überlastet“, spinnt Pausch das Blackout-Szenario weiter. In der Landwirtschaft würden Tiere verenden, da die Lüftungs- und Fütterungssysteme sowie die Melkmaschinen nicht funktionieren. „Viele sind sich noch nicht bewusst, welche Folgen ein längerfristiger Stromausfall in unserer modernen Industrie- und Wohlstandsgesellschaft hätte, weil Strom als selbstverständlich gesehen wird“, sagt Pausch.

Wie es zu einem Blackout kommen könnte

Wie realistisch ist ein solches Blackout-Szenario? „Austria Power Grid“, Betreiber des Übertragungsnetzwerkes in Österreich, beurteilt das Risiko eines Blackouts als steigend, zitiert Pausch. Naturgewalten oder menschliches Versagen könnten Auslöser von einem Blackout sein. „Aus militärischer Sicht kann ein Blackout auch eine Art der Kriegsführung sein. Hacker können Stromflüsse unterbrechen“, erklärt Pausch. Er nennt als Beispiel die Cyberattacken in Venezuela im Zusammenhang mit dem Tauziehen um die Präsidentschaft. Diverse Medien berichteten erst vor Kurzem, dass zahlreiche Cyberattacken auf unser Stromnetz abgewehrt werden konnten.

Aber auch der Umstieg auf alternative Energien stellt das Netz vor Herausforderungen: „Da nicht jeden Tag die Sonne gleich scheint oder der Wind gleich stark weht, ergeben sich ungleiche Mengen und Lastverteilungen im Stromnetz. Die Netzfrequenz muss ständig stabilisiert werden, damit es nicht zusammenbricht“, erklärt Pausch.

Die Österreichische Energieversorgung zählt zu den sichersten und verlässlichsten der Welt: „Aufgrund der EU-weiten Vernetzung ist aber nicht auszuschließen, dass ein Blackout in einem Nachbarland seinen Ursprung haben und uns auch treffen könnte.“

Was kann man tun?

Die beste Vorbereitung auf einen Blackout ist die geistige Beschäftigung damit: „In der Einsatzplanung und der Krisenvorsorge gilt ein Grundsatz: Handle wie ein Optimist, aber plane voraus wie ein Pessimist. Weil wenn du beim Vorausplanen mit dem schlimmeren Fall rechnest, dann kannst du diesen verkraften, wenn er tatsächlich eintritt“, so Pausch.  Bund, Länder und Gemeinden müssen sich mit dem Thema auseinandersetzen, betont der Oberst.

Es gibt ein Handbuch vom Land Tirol

Die Kompetenzen in Sachen Katastrophenschutz liegen in Österreich vor allem bei den Ländern. Das Land Tirol hat bereits ein umfangreiches Handbuch zum Thema Blackout herausgebracht.

Das Bundesheer wäre laut Pausch schwach aufgestellt, wenn es derzeit zu einem Blackout kommen würde: „Vor zehn Jahren hatte das Heer noch eine Anzahl von Feldküchen und viel mehr Notstromaggregate. Das alles müsste wieder angeschafft werden.“

Ideal: Lebensmittel für zwei Wochen

Was können Private tun: „Der Ideal-Zustand wäre ein Lebensmittelvorrat für zwei Wochen zu haben. Alles, was man für einen Campingurlaub braucht, z.B. Gaskocher, ist nützlich. Ein Notstromaggregat wäre vor allem für die landwirtschaftlichen Betriebe wichtig“, erklärt Pausch.

Autor und Vortragender im ganzen Land

Pausch ist Autor eines Ratgebers, anhand vom Beispiel Pinzgau, wie sich eine Gesellschaft auf ein Blackout vorbereiten kann und ist als Vortragender im ganzen Land unterwegs. „Dieser Informationsabend soll keine Panikmache sein, sondern ein Anstoß zum Nachdenken“, gab GR Ellmerer den Zuhörern im Kaisersaal mit auf den Nachhauseweg. Johanna Monitzer

 
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