21.12.2015
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Die Schweden sollen übernehmen

Nach der Kapitalaufstockung um 10 Millionen Euro gehören dem skandinavischen Skigebietsbetreiber SkiStar 68 Prozent der Bergbahn St. Johann.

St. Johann | Dass die Bergbahn St. Johann finanziell nicht am besten aufgestellt ist und für anstehende Investitionen dringend Kapital braucht, ist allgemein bekannt. Der Ruf nach einem Investor wurde schon lange laut. Dass die Hauptgesellschafter der Bergbahn, die Marktgemeinde St. Johann, der Tourismusverband und die Gemeinde Oberndorf, das Ruder nun aber zur Gänze aus der Hand geben wollen, kam doch etwas überraschend.

Die Gesellschafter stimmten einer Kapitalaufstockung um 10 Millionen Euro durch den skandinavischen Skigebietsbetreiber SkiStar zu. „Wir haben sie eingeladen in die Bergbahn zu investieren“, formuliert es Bürgermeister Stefan Seiwald gegenüber dem Kitzbüheler Anzeiger. Sollte SkiStar der Einladung Folge leisten, wo von auszugehen ist, wird die Firmengruppe mit einem Unternehmensanteil von 68 Prozent das Sagen bei der Bergbahn St. Johann haben.

Die Firmengruppe SkiStar betreibt bereits die Skigebiete Sälen, Vemdalen und Åre in Schweden sowie Hemsedal und Trysil in Norwegen. Vor allem Åre dürfte vielen ein Begriff sein, macht doch dort auch jedes Jahr der alpine Skiweltcup Station.

„SkiStar bringt das Know - how und das Kapital“

Bisheriger Haupteigentümer der Bergbahn ist die Marktgemeinde St. Johann (43,91 % Anteil). „SkiStar bringt das Know- how und das Kapital mit, das wir nicht haben“, sieht Bürgermeister Seiwald nur Vorteile in der Übernahme. Der Gemeinderat stimmte der Kapitalaufstockung um 10 Millionen Euro bereits zu, so Seiwald (in einer nicht öffentlichen Abstimmung - Anm. der Redaktion).

Bessere Vermarktung möglich

Der zweite bisherige Haupteigentümer ist der Tourismusverband Kitzbüheler Alpen St. Johann - Oberndorf - Kirchdorf - Erpfendorf mit einem Unternehmensanteil von 35,46 Prozent. Geschäftsführer Gernot Riedel begrüßt den Investor bei der Bergbahn. „SkiStar hat Vermarktungsmöglichkeiten, die wir gar nicht haben. Das sind absolute Profis in diesem Bereich und sie werden die Qualität im Skigebiet steigern, was auch in Hinblick auf die touristische Entwicklung nur positiv gesehen werden kann“, sagt Riedel.

Braucht es einen TVB-Beschluss?

Erst Mitte Juli stimmten die Mitglieder des TVBs einer Erhöhung der Ortstaxe um einen Euro zu, um der Bergbahn beim Bau des geplanten Eichenhofliftes finanziell unter die Arme zu greifen. Damals musste GF Riedel einiges an Überzeugungsarbeit leisten, um den Mitgliedern den Deal schmackhaft zu machen, innerhalb der nächsten zehn Jahre vier Millionen Euro an die Bergbahn zu zahlen. Deshalb drängt sich die Frage auf, ob es nicht auch die Zustimmung der TVB-Mitglieder für das geplante Vorhaben braucht.  „Wir müssen uns erst mit der Aufsichtsbehörde vom Land Tirol abstimmen, ob ein Beschluss nötig ist. Aber ich sehe darin kein Hindernis. Die Mitglieder stehen hinter dem Vorhaben“, antwortet Riedel.

Oberndorf hoffte schon lange auf Investor

Der dritte bisherige Haupteigentümer im Bunde ist die Gemeinde Oberndorf mit 12,19 Prozent. Bürgermeister Hans Schweigkofler freut sich über die Entscheidung. „Wir sehen das sehr positiv und haben schon lange darauf gehofft einen professionellen privatwirtschaftlichen Betreiber zu finden“, sagt Schweigkofler. Auch im Gemeinderat wurde die Entscheidung einhellig mit Zustimmung zur Kenntnis genommen, so der Dorfchef. Die noch verbleibenden Anteile der Bergbahn sind auf zahlreiche kleine Gesellschafter aufgeteilt.

Bergbahn kämpfte mit finanzieller Schieflage

Die Bergbahn St. Johann hatte in den letzten Jahren mit massiven finanziellen Problemen zu kämpfen. 13 Millionen Euro an Schulden wurden angehäuft, wobei der Bergbahn 6,3 Millionen Euro an Schulden erlassen wurden, großteils von der Hypo Tirol. Ende letzten Jahres vermeldete dann Bgm. Stefan Seiwald in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender, dass die Sanierungsphase abgeschlossen ist. „Wir können nach einem operativen Gewinn von 1,043 Mio. Euro und den durchgeführten Kapitalmaßnahmen eine positive Bilanz legen“, hieß es in der Presseaussendung.

Einige Investitionen stehen an

Wie der Kitzbüheler Anzeiger bereits berichtete, plant die St. Johanner Bergbahn die Eichenhofschlepplifte durch eine Gondelbahn zu ersetzen und die Beschneiung auszubauen. Ein Teil davon wurde in diesem Herbst bereits realisiert. Der große Brocken, die Seilbahn sowie der Speicherteich (Investitionsvolumen rund 22 Millionen Euro), werden im nächsten Jahr durch die skandinavischen Investoren wohl zu stemmen sein. Vorausgesetzt sie haben nicht andere Pläne. Johanna Monitzer

 
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