29.03.2020
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„Die Krise zeigt unsere Werte auf“

Kitzbühels Wirtschaftsreferent Ludwig Schlechter gibt im Interview über die aktuelle Lage der Geschäftstreibenden in Kitzbühel Auskunft – natürlich aus dem Homeoffice.

Wie ist das Stimmungsbild in der Wirtschaft der Stadt?
Die bis einschließlich Ostermontag richtig gesetzten Maßnahmen des Bundes und des Landes werden dementsprechend umgesetzt. Auch wenn es einschneidende Eingriffe in die Wirtschaft sind, steht die Gesundheit der Kitzbüheler und Kitzbühelerinnen an oberster Stelle. Die Betriebe sind teilweise sehr verunsichert, da sie laufend finanzielle Verpflichtungen haben, aber zum Großteil keine Einnahmen. Unsicherheit besteht auch darin, dass man die Zeit nach dem Ostermontag und die weiteren Monate nicht abschätzen kann. Das Notfallpaket von 38 Milliarden Euro gibt daher große Hoffnung, sollte aber möglichst bald bei den einzelnen Betrieben ankommen. Momentan gilt es, die ganze Kraft zur Eindämmung des Virus zu nutzen.

Der SEP750 hat ja einige Visionen für den Wirtschaftsstandort Kitzbühel entworfen. Können diese einen Ausweg darstellen?
Ja, sehr wohl. Es sollte uns gerade in dieser Situation bewusst sein, wo wir wohnen, arbeiten und leben dürfen – in Kitzbühel. Eine Krise wie diese zeigt auf, wie man mit unserer Heimat umgehen kann und welche Werte dahinter stehen. Das Krisenmanagement der Bundes- und Landesregierung unternimmt alles, um die Gesundheit der Bevölkerung zu erhalten. Die Gemeindeführung, unter der Leitung unseres Bürgermeisters, koordiniert alle notwendigen Kräfte, um dies in unserer Stadt sicherzustellen. Dafür gebührt allen Blaulichtorganisationen samt Rettungs-, Pflege-, Gemeindebediensteten und allen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der Nahversorgung ein riesengroßer Dank. Zusätzlich werden viele Visionen des SEP750 durch die momentane Krise beschleunigt und gewinnen besonders an Bedeutung, wie z.B. der verstärkte Kauf von regionalen Lebensmitteln.

Welche Hilfestellungen kann die Stadt Kitzbühel ihren Wirtschaftstreibenden anbieten?
Die ersten Hilfestellungen des Bundes und Landes sind von enormer Bedeutung und meines Erachtens absolut richtig. Gerade das Modell der Kurzarbeit sollte verstärkt in Anspruch genommen werden, um das AMS zu entlasten und den ArbeitnehmerInnen eine positive Grundstimmung vorzuleben. Wann die Krise vorbei ist und die Wirtschaft wieder Fahrt aufnimmt, ist mit heutigem Tage nicht zu sagen. Seitens der Bundes- und Landesregierung wird alles unternommen, um die Wirtschaft wieder zum Laufen zu bringen. Es werden Hilfestellungen ausgearbeitet und den Wirtschaftstreibenden jederzeit auf Nachfrage mitgeteilt. Auskünfte sind über die Wirtschaftskammer Kitzbühel zu erfahren. Viele Betriebe sind damit beschäftigt, ihre Kosten (primär Fixkosten) rasch zu senken. Die Finanzverwaltung der Stadt arbeitet derzeit an einem Paket für betroffene Betriebe.
 
Wie sieht es mit den Veranstaltungen in der Innenstadt aus – weiß man schon, wann sie wieder durchgeführt werden können?
Hier ist es notwendig, die Bundes- wie auch Landesverordnungen, die bis Ostermontag andauern, abzuwarten.  

Ist die Coronakrise die Chance, sich auf alternative Geschäftsmodelle zu konzentrieren (z.B. mehr Lieferservice für den kleinen Handel etc.) bzw. lässt sich das nützen, um einen Schulterschluss aller Wirtschaftstreibenden in Kitzbühel zu erreichen?
Jede Krise birgt auch ihre Chance – natürlich kann man als kurzfristige Alternative auch mit Lieferservice Umsätze tätigen und Kunden gewinnen, um die Kaufkraft in der Stadt zu sichern. Zusätzlich wird dadurch die Bindung zum Kunden verstärkt. Wir begegnen uns auf einer anderen Ebene, Werte wie Menschlichkeit und Wertschätzung, virtuell oder mit Nachbarschaftshilfe, sind wieder gefragt. Aus wirtschaftlicher Sicht gilt gerade jetzt, zu seiner Heimat zu stehen, denn Onlinekäufe auf Auslandsplattformen zu tätigen, schwächt Kitzbühels Wirtschaft. Wir haben regional sehr starke Unternehmen, die Onlineshopping-Plattformen anbieten, folglich bleibt die Wertschöpfung in der Stadt und sichert unsere Arbeitsplätze. Auch das daraus folgende Steueraufkommen bleibt somit in Österreich, was uns gerade jetzt bewusst sein sollte. Im SEP750 gibt es ein klares JA der Wirtschaft und der Bevölkerung zum „Einkaufen im Ort“. Ich sehe daher die Krise als Chance, auf diese Werte verstärkt aufmerksam zu machen, die wir miteinander vereinbart haben. Zusammengefasst können alle Kitzbüheler/innen ihre Heimatverbundenheit einmal mehr zeigen, indem sie die Betriebe in ihrer Nachbarschaft mit Einkäufen unterstützen.

Was ist die Botschaft der Stadt an die Unternehmer und Kunden in der Krise?
Veränderungen in vielen Bereichen sind bereits jetzt unumgänglich. Die wirtschaftliche Landschaft erlebt einen Umbruch. Unter anderem betrifft dies sehr viele Kleinunternehmer und Ein-Personen-Unternehmen sowie viele MitarbeiterInnen der betroffenen Betriebe. Wir sollten den regionalen Wirtschaftskreislauf durch Ausgaben im Ort sichern – Kauf im Ort. Für die MitarbeiterInnen ist es wichtig, dass sie nach der Krise ihren Job wieder aufnehmen können. Die Kunden haben Vertrauen in unsere Stadt. Kitzbühel steht für Qualität. Der vor Jahren eingeschlagene Weg seitens Kitzbühel Tourismus, Bergbahn AG und der Stadt wird breiter und vielfältiger. Wir Kitzbüheler und Kitzbühelerinnen wachsen durch diese Krise mehr und mehr zusammen und kommen daraus gestärkt hervor. Elisabeth Galehr

Wir erreichten Ludwig Schlechter Montagfrüh via E-Mail – „coronakonform“ aus dem Homeoffice. Archivfoto: Galehr

 
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