06.03.2019
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Der „Post-Internet-Künstler“

Die Bilder des Australiers Michael Staniak erscheinen als optische Täuschung. Sie versprühen die Wirkung von digitalen Bildern, in Wirklichkeit aber greift der Künstler bei seinen Arbeiten und Skulpturen zu analogen Materialien.

Kitzbühel | Der in Melbourne lebende Künstler Michael Staniak (*1982) scheint mit seinen künstlerischen Werken ein neues Kapitel der zeitgenössischen Kunst aufgeschlagen zu haben. Seine Skulpturen und Bilder stiften anfangs Irritation. Sie wirken auf den ersten Blick als digitale Kunstwerke, die sich dann – bei näherer Betrachtung als feine taktile Bilder entpuppen. Seine großformatigen Arbeiten entwickeln sich – inspiriert von den digitalen Technologien hin zu einem haptisch greifbaren Kunstobjekt und präsentieren sich als Transformationsprozess zwischen digitaler und analoger Welt.

Michael Staniak beschreitet neue Wege

So wie Jackson Pollock nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Begründung der Stilrichtung des „Action Paintings“ eine Revolution in der abstrakten Kunst eingeläutet und damit die Kunst nach 1945 maßgeblich beeinflusst hatte, so beschreitet auch Michael Staniak mit seinen Bildern einen neuen Weg der abstrakten Malerei im 21. Jahrhundert.

Seine Arbeiten entstehen in einem Wechsel zwischen digitaler und analoger Welt, zwischen Acrylmalerei, Mischtechniken, Malgrundbearbeitungen und digitaler Produktion. Sie sind ein visualisiertes Spiel dieser beiden Welten. In seinen Bildern verwendet er fluoreszierende Pigmente und holografische Elemente. Schichtweise trägt er Leime und Farben auf, so dass eine dreidimensionale Oberflächentextur entsteht, die den Betrachter – wenn er vor dem Bild steht – irritiert und damit das Vertrauen seiner eigenen Sinnesleistung in Frage stellt.

Ist es eine Täuschung?

Nicht selten steht der Betrachter vor dem Bild und rätselt darüber, ob er dem Gesehenen auch vertrauen kann oder ob er einer Täuschung auf dem Leim geht. Neben seinen Arbeiten, die als hintergrundbeleuchtete Screens erscheinen, gibt es weitere Bilder, die eine besondere taktile und irdene Oberfläche aufweisen. Sie simulieren kraterähnliche Formationen und lassen sofort die Assoziation mit Bildaufnahmen der Mondoberfläche oder Dürrelandschaften zu.

Internet trifft Kunst

Staniaks Werke sind eine künstlerische Interpretation einer Kunst von heute im internetdominierten Zeitalter. Einige Bilder beginnen mit der künstlerischen Arbeit am Computer, werden dann mittels der Malerei analog ausgeführt und letztlich auch via Social-Media Kanäle kommuniziert, transportiert und präsentiert. Für Michael Staniak ist es ein unverzichtbarer Kanal einer unentwegten Interaktion mit der Welt. Im Internet sieht der Künstler auch seine Inspirationsquelle. Die Einbeziehung aller Medien und Kommunikationswege wie Facebook, Twitter, Instagram zeigen einerseits die Qualität einer viralen Verbreitung der Inhalte, andererseits aber auch die Facette der Insolation – vor allem im Bereich eines Kunsterlebnisses in der Gruppe. Der Betrachter, der Kunst im Internet konsumiert und den Diskurs nicht mehr in der Galerie oder im Museum sucht, bleibt gewissermaßen auch ein Stück weit für sich. Es ergibt sich zeitweilig eine Reduktion auf die zweidimensionale Welt, die nicht immer von Vorteil ist. Der Künstler thematisiert damit auch den Weg der Rezension von Kunst im 21. Jahrhundert und stellt die Qualität der Individualisierung der Anonymisierung gegenüber. Genau diese Themen sind im Interesse des Künstlers. Er selbst beschreibt sich als „Post-Internet Künstler“.

Das Verständnis von Kunst hat sich nicht nur im Zeitalter des Cyber Space verändert, es vollzog sich auch ein Wandel im Verständnis von figurativer und abstrakter Kunst. Als Künstler hinterfragt er vor allem den Zugang zu Prozessen, Materialität und Abstraktion in der digitalen Welt. Als Titel verwendet er digitale Codes und Bildtypbezeichnungen, wie IMG_, PNG_, TIFF_ usw., die er mit Zahlen ergänzt und damit wieder individualisiert.

Michael Staniak in Kitzbühel

Die Galerie Gunzer in Kitzbühel widmet dem Künstler in dieser Wintersaison eine Personalia. Bis zum 10. Mai kann man im direkten Kontakt mit den Bildern treten und sich auf eine analoge Interaktion mit den haptischen Oberflächen und Farben einlassen.

Bild: Oxide Painting 088 (Ausschnitte,2018, Gießmasse, Eisenoxide und Acryl auf Holzplatte) von Michael Staniak. Zu sehen derzeit in der Galerie Gunzer in Kitzbühel. Foto/Bildrechte: Galerie Gunzer und Michael Staniak

KunstBlicke
Mag. Martina Dorner-Bauer ist Kunsthistorikerin, Ausstellungskuratorin, Autorin, Betreuerin
div. Kunstsammlungen und Gründerin der Agentur DieKunstagenten.
martina@diekunstagenten.at    

 
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