26.08.2017
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Den Tod mit Kirschwasser überlistet

Wer kennt sie nicht, die Geschichte vom Brandner Kaspar, der dem Tod beim Kartenspielen Lebensjahre abluchst? Die Volksbühne Westendorf zeigt mit ihrer Interpretation groß auf. Ein unglaublich großartiger Jakob Schermer als „Boanlkramer“.

Westendorf | Es wird dunkel und kalt. Zieht ein Gewitter auf? Nein, der Boanklramer steht vor der Tür vom Brandner Kaspar, um ihn zu holen. Der 70-jährige Schlossermeister will die Erde aber noch nicht verlassen und bietet dem Tod ein Stamperl Kirschwasser an. Und noch eines, und noch eines. In geselliger Atmosphäre mit dem Tod ergaunert sich der schlaue Brandner beim Kartenspiel mit ihm weitere 20 Lebensjahre. 90 will er werden, der Brandner Kaspar, denn schließlich will der Witwer noch einmal heiraten. Die junge Monika hat er sich schon ins Haus geholt – und überhaupt wozu sterben, wenn es doch so schön ist auf Erden?

Die Volksbühne Westendorf zeigt mit der oberbayrischen Erzählung, die 1871 von Franz Kobells veröffentlicht wurde, ihre ganzes Können. Spielleiterin Barbara Hölzl adaptierte die vielfach verfilmte und aufgeführte Erzählung um den Brandner Kaspar, der den Boanlkramer austrickst und dadurch die himmlische Ordnung durcheinanderbringt, meisterhaft für die Volksbühne.

Zwischenapplaus

Für Zwischenapplaus sorgten die Auftritte von Jakob Schermer, der den „Boanlkramer“ mit einer Intensität spielt, die seinesgleichen sucht. An ihm ist ein Schauspieler verloren gegangen. Er steht seinen hauptberuflichen Kollegen um nichts nach. Eine unglaublich großartige Leistung!

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Auch die anderen Rollen wurden ideal besetzt. Herbert Anfang überzeugt als schlauer und etwas hinterlistiger „Brandner Kaspar“. Simon Rieser hat sich für seine Rolle als Schlosser-Geselle einen Sprachfehler angeeignet. Karoline Rabl, Katrin Pletzer, Julika Hirzinger und Johanna Schernthanner begeistern in den weiblichen Rollen. Engelbert Nöckler verkörpert den Heiligen Petrus hervorragend mit Wohlfühlbauch und Rauschebart – so stellt man sich den Wächter der himmlischen Pforte tatsächlich vor. Christoph Stöckl geizt als männlicher Erzengel Gabriel nicht mit seinen Reizen. In den weiteren Rollen brillieren Josef Strasser als Pfarrer, Hubert Kurz als Jäger und Hubert Riedmann als Jagdgehilfe.

Musikalische Einlagen

Aber nicht nur schauspielerisch, auch musikalisch zeigt die Volksbühne Westendorf groß auf. Neben dem ein oder anderen Liedchen, das die Darsteller anstimmen, sind die Einlagen der Brixentaler Jagdhornbläser im wahrsten Sinne des Wortes das Tüpfelchen auf dem i.

Man kann zu so einer stimmigen Inszenierung und der großartigen Leistung nur gratulieren. Vom Premierenpublikum gab es tosenden Applaus, der nicht abreißen wollte. Zu Recht! Schauen Sie sich das an!

Weitere Spieltermine
Die Volksbühne Westendorf spielt „Die G‘schicht vom Brandner Kaspar“ noch am 28. und 30. August sowie am 2. September. Beginn ist jeweils um 20 Uhr in der Theatertenne am Niederbichlhof, Kartenvorverkauf beim TVB.
Johanna Monitzer

 
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