10.10.2020
News  
 

Demenz ist kein Schreckgespenst

Von „extremen Situationen“ spricht Katja Gasteiger rückblickend auf die Auswirkung vom Lockdown auf demente Menschen und deren Angehörige. Plötzlich war vieles anders, das Hinausgehen verboten, das Tragen einer Maske Pflicht. In Gesprächen und Kursen versucht die Demenzreferentin aufzuklären.

Brixen | Katja Gasteiger stellt gleich eines klar: „Demenz ist nicht gleich Vergessen. Es kann komplett anders beginnen“, erklärt Gasteiger und ergänzt, dass auch Wesensveränderungen dazugehören. Vor allem ist eine frühzeitige Erkennung wichtig, damit mit dem Schreckgespenst Demenz auch adäquat umgegangen werden kann.

Richtiges Erkennen des Krankheitsbildes
Die richtige Diagnose ist ein wichtiges Kriterium: auch hormonelle Störungen oder Depressionen können hinter einer Veränderung stecken. Seit Jahren widmet sich die gebürtige Schweizerin der Krankheit.
Begonnen hat alles vor vielen Jahren, als sie der Liebe wegen nach Tirol kam. Nach dem Helios Krankenhaus kam sie ins Pflegeheim Brixen und startete dort ihre berufliche Karriere. „Ich habe oft nicht gewusst, warum die Arbeit so schwierig ist“, erinnert sie sich an die Anfänge zurück. Über Nachfragen kam sie zu Schulungen über Demenz, anschließend schulte sie die Mitarbeiter und die Arbeit wurde leichter. Denn eins war klar: „Wir müssen uns komplett anders auf Menschen mit Demenz einstellen. Sie können sich nicht mehr verändern“ spricht Gasteiger aus Erfahrung.

Projekt „Selbsthilfe Demenz“
Oftmals vergehen zehn Jahre bis man die ersten Anzeichen einer Erkrankung nach Außen bemerkt: Unser Körper kompensiert viel“, erklärt die Expertin, und ergänzt, dass die Krankheit bis zu diesem Zeitpunkt im Gehirn manchmal schon weit fortgeschritten ist.

Immer mehr Menschen davon betroffen
Mittlerweile ist Gasteiger selbständig und steht hinter dem Projekt „Selbsthilfe Demenz“, das von Caritas und Leader finanziert wird. Jeder im Bezirk kann die Möglichkeit von Beratungen nutzen. Das Angebot ist niederschwellig, die Hauptaufgabe ist, dass Betroffene und Angehörige sich auch trauen, Hilfe anzunehmen. Die Krankheit ist für viele noch extrem unbekannt, jedoch sind immer mehr Menschen davon betroffen. Die Gründe sind vielfältig: von Folgen einer Grunderkrankung wie Schlaganfall  oder  schlecht eingestelltem  Diabetes, über  psychische Erkrankungen bis hin zu komplizierten Abbauprozessen reichen die möglichen Ursachen. „Wichtig ist, man darf Hilfe annehmen“, sagt Gasteiger und ergänzt, dass man dabei der Krankheit einen Schritt voraus sein kann.

Der Krankheit einen Schritt voraus sein
Die Krankheit selbst zieht sich oftmals über viele Jahre. „Man kann noch lange Jahre ein schönes Miteinander erleben“, sagt Gasteiger. Beispielsweise wurde vergangenes Jahr ein Konzert organisiert, woran Menschen mit Demenz und ihre Angehörige teilnehmen konnten. Der Zuspruch war enorm.
Gearbeitet wird mit Einzelberatungen aber auch in Gruppen. Besonders in Corona-Zeiten wurde das Gesprächsangebot übers Internet mit Zoom gern genutzt: „Es war ein Corona-Sorgentelefon. Die Probleme waren akut. Ich hatte soviel zu tun wie nie.“
Einzelschicksale sind dabei besonders in Erinnerung geblieben: Von Angehörigen die einen Menschen nach langem Überlegen ins Pflegeheim gegeben haben und dann plötzlich vor verschlossenen Türen standen und sich die Schuldfrage gaben. Kritisch sieht sie auch die Aussage „dahoam ist es am schönsten.“ Für jeden soll die beste Möglichkeit in der aktuellen Situation geboten werden.

Ziel ist eine Anlaufstelle
In den vergangenen Jahren hat man mit einer Selbsthilfegruppe klein angefangen. Das Ziel ist, eine Anlaufstelle zu haben, wo alle Angebote wie Pflegegeld, medizinische Unterstützung und Gespräche direkt abgewickelt werden können. „Das Herumschicken der Angehörigen zwischen vielen Stellen soll ein Ende haben.“ Verena Mühlbacher

Kurz notiert - Persönliche Beratungen
Das Projekt „Selbsthilfe Demenz“ hat in den Jahren 2017 und 2018 im Brixental mit angeleiteten Gesprächsgruppen für Angehörige von Menschen mit Demenz und öffentlichen Vorträgen begonnen. Seit Jänner 2019 wird das Projekt ausgeweitet und es gibt nun zusätzlich zu den Gesprächsgruppen und Vorträgen die Möglichkeit von Einzelberatungen und einen Demenz-Kurs für Angehörige. Die persönliche Beratung findet nach telefonischer Voranmeldung in Brixen, Kitzbühel und St. Johann statt. Das Projekt ist bis Ende Mai 2021 genehmigt, eine Verlängerung wird angestrebt. Kontakt unter katja.gasteiger@aon.at oder Tel. 0664/2250203.

Bild: Für den richtigen Umgang mit der Krankheit Demenz setzt sich Katja Gasteiger ein. Die Beratungen sind kostenlos. Foto: Caritas

 
Kontakt
Tel.: +43 (0) 5356 6976
Fax: +43 (0) 5356 6976 22
E-Mail: info@kitzanzeiger.at
Virtuelle Tour
Rundblick - Virtual Reality
Werbung
 
Zurück Aktuelle Gemeinde Archiv Suchen