16.07.2017
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Das Moor muss Häusern weichen

Reith | Vor zwei Jahren widmete der Reither Gemeinderat Teile der Moorlandschaft im Bereich Kohlhofen zu Bauland. Der Gemeinderat fädelte mit dem Besitzer, einem örtlichen Landwirt, einen Grundstücksdeal aus. Zwei Grundstücke wurden zum Preis von 170 Euro an Einheimische verkauft, ein Grundstück verbleibt im Familienbesitz und ein Grundstück darf der Landwirt am freien Markt verkaufen. „Die für die Flächenwidmung notwendigen Stellungnahmen waren allesamt positiv – auch die naturschutzrechtliche“, betont Bürgermeister Stefan Jöchl.

Regenwasserkanal führt mitten durch das Moor
Eine Anrainerfamilie machte nun aber auf die Zerstörung des Moores aufmerksam. „Wir wollen keinen Nachbarschaftsstreit und wissen, dass leistbares Bauland rar ist, jedoch fühlen wir uns verpflichtet, aufzuzeigen, dass hier eine wertvolle Moorfläche einfach zerstört wird“, erklärt die Familie (Name der Redaktion bekannt). Die Umweltanwaltschaft bestätigt die Bedenken. Bei einem Lokalaugenschein stellte sie fest, dass der Regenwasserkanal mitten durch die Moorfläche führt und diese dementsprechend beeinträchtigt und zerstört wurde. „Die vorgenommene Rekultivierung ist aus ingenieurbiologischer Sicht äußerst unsensibel durchgeführt worden. Die Breite des Manipulationsbereichs scheint maßlos überzogen“, heißt es in dem Schreiben an die Bezirkshauptmannschaft Kitzbühel, das dem Kitzbüheler Anzeiger vorliegt.

Naturschutzrechtliche Bewilligung erforderlich
Die Landesumweltanwaltschaft hatte sich bereits  im Zuge des Bewilligungsverfahrens kritisch geäußert. „Wir kümmern uns nicht um nachbarschaftliche Streitereien, unsere Aufgabe ist es aufzuzeigen, wenn wertvolle, schützenswerte Flächen, wie das beim Moor der Fall ist, zerstört werden“, betont Umweltanwalt Johannes Kostenzer. Die Landesumweltanwaltschaft hat jedoch nur eine Parteistellung. „Für die Bebauung der Grundstücke erachten wir eine naturschutzrechtliche Bewilligung aber jedenfalls für notwendig“, erklärt Kostenzer.
Auch die BH Kitzbühel geht davon aus, dass für eine Bebauung eine naturschutzrechtliche Bewilligung notwendig sein wird. Das Verfahren läuft noch. „Wir werden objektiv prüfen, inwieweit die Naturschutzinteressen beeinträchtigt werden“, erklärt Referatsleiterin Elisabeth Obermoser. Es müssen aber auch die öffentlichen Interessen abgewogen werden.

Tiere und Pflanzen sind verschwunden
Die Familie kann die Raumordnungspolitik der Gemeinde  nicht nachvollziehen: „Am Schwarzsee darf man das Moor nicht einmal betreten und hier wird es einfach abgegraben.“ Statt geschützten Pflanzen, wie dem Knabenkraut, wuchert nun das Springkraut. „Libellen und viele andere Tiere sind verschwunden“, berichtet die Familie. Außerdem weist der Landesumweltanwalt darauf hin, dass Moorböden neben ihrer naturkundlichen Wertigkeit eine wichtige Funktion als Kohlendioxidspeicher haben und die Torfkörper sind essentiell für die Hochwasserretention.

Weitere Verbauung?
Die Familie fürchtet nun , dass es aufgrund der geplanten Zufahrtsstraße Überlegungen gibt, das Moor noch weiter zu verbauen. „Nein, das ist aus naturschutzrechtlicher Sicht nicht möglich“, winkt Bürgermeister Jöchl ab. Die negative Stellungnahme bestätigt auch die BH. Die Zufahrtsstraße sei auch für den Bauern zur Bewirtschaftung notwendig, erklärt der Bürgermeister.   Johanna Monitzer

 
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