01.06.2020
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Das Handwerk braucht Lehrlinge

Die Sparte Gewerbe und Handwerk bildet insgesamt 120 Berufe in 28 Fachgruppen ab. Klar, dass die Zwischenbilanz zur Coronakrise unterschiedlich ausfällt. Dennoch hielt Spartenobmann Franz Jirka deutlich fest: „Gewinner gibt es keine, nur stark betroffene und betroffene Unternehmen.“

Bezirk, Innsbruck | Selbst jene Gewerbe- und Handwerksbetriebe, die systemrelevant waren und daher weiterarbeiten durften, verspürten zunächst eine gewisse Schockstarre, die geprägt war von der unsicheren Lage. „Gesamtheitlich betrachtet, bringt die Corona-Krise für alle Betriebe, und sei es auch über Umwege, einen spürbaren Dämpfer“, so Jirka. Verstärkt wird dieser Effekt noch durch die Bürokratie, die Unternehmer aller Sparten schon vor Corona stets beklagt hatten, und die jetzt noch deutlich verstärkt wird. „Corona hat gezeigt, dass sehr viele Betriebe über extrem wenig Reserven verfügen. Damit unsere Firmen stabiler werden, müssen sie dringend von überzogener Steuerlast und ausufernder Bürokratie befreit werden“, fordert der Spartenobmann.
Der Landesinnungsmeister der Metalltechniker, Christian Dollinger, bringt noch einen weiteren Aspekt ins Spiel: „Die Unternehmen kämpfen – gerade jetzt – mit extrem langen Zahlungszielen. Viel Geld der Firmen ist für Vorleistungen – Lieferanten, Produktions-, Planungs- und Lohnkosten – gebunden, während die Zahlungen erst vier bis fünf Monate später fließen.“ Dollinger schlägt vor, dass Zahlungen inklusive Prüffristen auf maximal 21 Tage festgelegt und bei Arbeitsbeginn 30 Prozent Akontozahlung erfolgen sollten.

Sparte beschäftigt Hälfte aller Lehrlinge
Trotz aller Unsicherheiten und trotz Corona hat sich am Bedarf der Sparte für Lehrlinge nichts geändert, im Gegenteil: Fachkräfte selbst auszubilden, gewinnt an Bedeutung. Rund die Hälfte der 10.189 Tiroler Lehrlinge sind in Gewerbe und Handwerk beschäftigt. Beim AMS waren mit Stand Ende April 2.257 offene Lehrstellen gemeldet, dem gegenüber standen nur 512 Lehrstellensuchende. Die Fachkräfteausbildung bilde das Fundament der heimischen Wirtschaft, der Stellenwert der Lehre ist hoch, so Dollinger: „Wir suchen Lehrlinge und Fachkräfte schon beinahe verzweifelt. Wir brauchen gut ausgebildete Fachkräfte und die bekommen wir nur, wenn wir Lehrlinge ausbilden.“ Auch die Stimmung unter den jungen Mitarbeitern sei gut, die Ausbildungssicherheit ist auf jeden Fall gegeben, so der Lehrlingskoordinator der Wirtschaftskammer Tirol, David Narr.
Sowohl Jirka als auch der Lehrlingskoordinator schicken einen Appell an den Gesetzgeber, dass diese Ausbildungsschiene ihren Stellenwert noch hebt. Der Lehrlingskoordinator bekräftigt in diesem Zusammenhang die Forderung seitens der Wirtschaftskammer, die Gleichwertigkeit der Lehre mit schulisch-akademischen Ausbildungen weiter voranzutreiben. Ein wichtiger Mosaikstein liege darin, dass die Kosten für die Berufsschulzeiten vom Staat übernommen werden. Derzeit kommen dafür die Lehrbetriebe auf. Elisabeth Galehr

Gewerbe und Handwerk waren vom Shutdown betroffen, bauen aber auf die Fachkräfte aus eigener Ausbildung.

 
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