30.10.2018
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Cybermobbing ist eine „Diva“

Cybermobbing ist wie eine Diva, sagt System Coach Susanne Thamer: Wenn man ihr keine Beachtung schenkt, wird sie aggressiv. Wie man Bewusstsein schafft und sich schützen kann.

St. Johann | Es ist eine Gratwanderung, wenn das eigene Kind gehänselt und geärgert wird. Auch dem umgekehrten Fall, wenn das eigene Kind andere Kinder auf dem Kieker hat, stehen Eltern oft ratlos gegenüber. In den sozialen Medien sowie WhatsApp und Co. ist die Hemmschwelle bei vielen oft noch geringer. „Konflikte und Streit gehören zum Leben dazu, auch das müssen Kinder lernen. Nur wenn jemand darunter leidet, dann muss gehandelt werden“, erklärt System Coach Susanne Thamer.

„Cool ist derjenige, der nicht überall mitmacht“

Als Startschuss für eine kostenlose Vortragsreihe, die der Elternverein des BG/BORG St. Johann für Eltern und Kinder organisierte, sprach die Trainerin und Mutter über Cybermobbing. Was tun, wenn mein Kind Opfer ist? Was tun, wenn mein Kind zum Täter wird? „Der Gruppenzwang ist enorm. Es gilt den Kindern beizubringen, dass es nicht cool ist, überall mitzumachen, besonders wenn es zum Schaden anderer ist. Cool ist derjenige, der sagt, er macht da nicht mit“, so Thamer.

Cybermobbing kann 24 Stunden erfolgen

Mobbing ist an sich kein neues Phänomen. Mit der Verbreitung von Internet und Handy findet das systematische Belästigen, Bloßstellen, Fertigmachen oder auch absichtliche Ausgrenzen zusätzlich im virtuellen Raum statt. Die Besonderheiten von Cybermobbing: Es kann rund um die Uhr erfolgen, erreicht ein großes Publikum und die Täter agieren (scheinbar) anonym.  „Früher kam man nach Hause und hatte Ruhe. Heute ist man rund um die Uhr Opfer und das Internet vergisst nichts.“

Bewusstsein für sich und andere schaffen

Für viele sei auch nicht klar, dass Cybermobbing einen Strafbestand darstellt und kein Kavaliersdelikt ist. „Würde ich das demjenigen auch direkt ins Gesicht sagen? Was möchte ich nicht, das die ganze Welt von mir weiß?“, das sind Fragen, die sich jeder Internetnutzer stellen sollte. Besonders Kindern sollte man bewusst machen, dass es auch virtuelle Intimsspähre gibt. „Würdest du dich halbnackt oder nackt zum Beispiel auf den St. Johanner Hauptplatz stellen? Nein, also verschicke auch keine solchen Bilder. Es den Kindern bildlich zu erklären, ist enorm wichtig“, zeigt Thamer auf.

Das eigene Kind als Täter

Schwer zu begreifen für Eltern ist auch, wenn das eigene Kind zum Täter wird. „Versuchen Sie, die Frage nach dem ‚Warum‘ zu vermeiden. Versuchen Sie ihrem Kind klar zu machen, wie sich der andere fühlt und wie es einem selbst damit ergehen würde“, rät Thamer.

„Regeln“ für das Netz  ausverhandeln

Von einem Handy- oder Internetverbot hält Thamer nichts, weil es dann nur noch interessanter für die Kinder wird. „Jedoch kann man gewisse Nutzungsbedingungen ausverhandeln. Zum Beispiel, dass man auch gemeinsam ins Handy schaut.“

Ganz wichtig sei hinzuschauen. „Cybermobbing ist eine Diva, wenn man ihr keine Beachtung schenkt, wird sie aggressiv. Man ist nicht hilflos!“ Im Internet gibt es unter www.saferinternet.at diverse Hilfsangebote  und Stellen, an die man sich wenden kann. „Ansonsten hilft nur reden, reden, reden und interessieren Sie sich für die virtuelle Welt ihrer Kinder – auch wenn Sie diese Welt manchmal nicht verstehen.“

Nächster Vortrag: „Blaue Flecken auf der Seele“

Der nächste kostenlose Vortrag findet am 29. November mit Horst Lehner (Polizei Tirol) zum Thema „Blaue Flecken auf der Seele“ in der Aula des Gymnasium statt. Alle Interessierten sind herzlich willkommen.
Johanna Monitzer

Bild: Kostenlose Vortragsreihe gestartet: Obfrau des Elternvereins BG/BORG Susanne Gröbner, Direktorinnen-Stv. Helmut Schranzhofer mit System Coach Susanne Thamer, die über Cybermobbing aufklärte. Foto: Monitzer

Daten & Fakten
Internet & Co – Tipps für Eltern
Kontrollieren Sie, wie die Apps eingestellt sind (Sicherheitsstandards).
Mit den Jugendlichen über die Gefahren sprechen.
Klar machen, dass Cybermobbing eine Straftat ist.
Erklären Sie, dass es „mutig und cool“ sein kann, gegen den Strom zu schwimmen.
Zeigen Sie, dass es „feige“ ist, sich hinter dem „großen Netz“ bzw. Handy zu verstecken.
Machen Sie sich „schlau“ und zeigen Sie Interesse an den Handlungen des Kindes, auch wenn es um die virtuelle Welt geht.
Nicht bestrafen: Ein Handy- und Internetverbot ist nicht sinnvoll.

 
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