07.12.2020
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Corona als Zündstoff der Gewalt

Die Beratungen im Mädchen- und Frauenberatungszentrum Bezirk Kitzbühel sind um 30 Prozent gestiegen. Eine noch höhere Steigerung wird bei Klientinnen verzeichnet, die wegen Gewalt Hilfe suchen.

St. Johann | Eine Demütigung hier, eine Ohrfeige dort – Gewalt hat viele Gesichter. Auf den ersten Blick erkennbar ist sie meist nicht, die Scham der Opfer ist groß – besonders, wenn es sich um den eigenen Ehemann oder Lebenspartner handelt. Immer wieder berichtet der Kitzbüheler Anzeiger über die Arbeit des Mädchen- und Frauenberatungszentrums Bezirk Kitzbühel. Und ja, Gewalt an Frauen gibt es auch bei uns im Bezirk zur Genüge. Wie viel Frauen hinter verschlossenen Türen aushalten, bis sie sich Hilfe suchen, darüber haben wir schon oft berichtet.

1.581 Beratungen bis November gezählt
In diesem Jahr verschärft die Corona-Pandemie die Situation für gefährdete Frauen noch zusätzlich. Isolation, Ausgangssperre, finanzielle Probleme, berufliche Zukunftsängste – das alles kommt hinzu und wird für noch mehr Frauen zu einer gefährlichen Spirale. Die aktuellen Zahlen aus dem Beratungszentrum in St. Johann sprechen eine deutliche Sprache. Bis November gab es um 30 Prozent mehr Beratungen –  1.581 an der Zahl (Vergleich 2019: 1.238 Beratungen).
16 Frauen im Bezirk (2019 waren es zwölf) suchten alleine bis November einen Ausweg aus der Gewaltspirale.  „Wobei zwölf Frauen uns direkt vom Gewaltschutzzentrum in Innsbruck vermittelt wurden“, berichtet Renate Magerle, die ehrenamtliche Obfrau des Mädchen- und Frauenberatungszentrums.
Die drei Notwohnungen, wo Frauen mit ihren Kindern kurzfristig Unterschlupf finden können, sind quasi dauerbelegt, sagt Magerle: „Die Nächtigungen sind um 13 Prozent gestiegen. Wir könnten noch weitere Wohnungen benötigen.“

Geld fehlt: Bemühung um Unterstützung
Das Mädchen- und Frauenberatungszentrum bemüht sich seit Jahren um mehr finanzielle Unterstützung von der öffentlichen Hand. „Das Frauenministerium brüstet sich mit einer Erhöhung ihres Budgets. Wir bekommen nun statt 5.000 Euro, 5.600 Euro im Jahr“, rechnet Magerle vor. Freilich unterstützen viele Gemeinden, wie z.B. die Standort-Gemeinde St. Johann, das Beratungszentrum großzügig. Einige Gemeinden im Bezirk zahlen jedoch auch nach wie vor keinen Cent – obwohl Frauen aus dem ganzen Bezirk sich an das Mädchen- und Frauenberatungszentrum wenden.

Kein Betrieb ohne private Spenden
Ohne private Unterstützer – sie stemmen rund 30 Prozent der jährlichen Kosten für Beratungen und Notwohnungen –  wäre ein Betrieb nicht möglich. Trotzdem fehlt es an Geld, besonders in Hinblick darauf, dass die Beratungen seit Corona so eklatant steigen.
Das Mädchen- und Frauenberatungszentrum ist „spendenbegünstigt“(Nummer: SO-2531)  – das heißt, die Spenden können von Unternehmern als Betriebsausgabe und von Privatpersonen als Sonderausgabe bei der Steuererklärung geltend gemacht werden. „Wir möchten uns im Namen aller Frauen im Bezirk bei allen Unterstützern sehr herzlich bedanken und hoffen, auf weitere Unterstützung – gerade in dieser für viele Frauen schwierigen Zeit“, so Magerle.

Werden Sie Unterstützer
Konto Mädchen- und Frauenberatungszentrum: Raiffeisenbank Kitzbühel- St. Johann (IBAN AT78 3626 3000 0511 1380). Johanna Monitzer

Bild: Die Gewalt nimmt zu. „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ läuft bis 10. Dezember. Im Rahmen UN-Kampagne „Orange the World“ wird auch im Bezirk auf die Gewalt aufmerksam gemacht – so erstrahlt die evangelische Kirche in Orange.

 
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