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10.10.2019
News  
 

Burger: „Es gibt keinen Plan B“

Das Thema Klimawandel ist in aller Munde – wie sich diese Veränderungen aber auf unsere Winter und den Wintertourismus tatsächlich auswirken, kann noch niemand genau prognostizieren. Den Blick in die Zukunft wagte Berg­bahn-Vorstandsvorsitzender Josef Burger beim Tourismus Hoangascht: Derzeit gibt es keine touristische Alternative zum alpinen Skilauf im Winter.

Kitzbühel | Unter dem Titel „Schnee von gestern – Wachstum von morgen. Besser nicht größer“ gab Bergbahn-Vorstandsvorsitzender und Aufsichtsratsvorsitzender von Kitzbühel Tourismus Josef Burger nicht nur einen Einblick in die Erfolgsgeschichte des Seilbahnunternehmens, er wagte auch einen Ausblick in die Zukunft und die strategischen Maßnahmen.

Geänderte Bedingungen
Veränderungen im Klima finden statt –Starkniederschläge, Trockenperioden und Starkwindereignisse sind Extreme, die zunehmen und auch die Temperaturschwankungen werden mehr. „Wir hatten 2019 den wärmsten Februar in der 30-jährigen Messreihe, den kältesten März, den niederschlagsreich­sten Mai, den heißesten Juni seit 1766 und neue Hitzerekorde im Juli“, führt Josef Burger die Veränderungen in seinem Vortrag an. Untermauert mit Temperaturzeitreihen, die einen Anstieg von 0,6 Grad Celsius in den letzten 50 Jahren bzw. 1,2 Grad in den letzten 100 Jahren belegen sowie einen Anstieg der natürlichen Schneegrenze von ca. 90 Metern als jenen zum Start des Skisports in Kitzbühel im Jahr 1892 sind die Aussichten für den alpinen Skisport doch eher duster. Zudem ist eine Mutation der Jahreszeiten, speziell im alpinen Bereich, von vier auf drei im Laufen. Der Herbst mutiert zum Spätsommer, dem „Indian Summer“. „Das sind die Herausforderungen für betriebs- und volkswirtschaftlich zeitgerechten Start in die Skisaison“, sagt Burger.
Mit einer Studie der ZAMG zur Schneedeckenentwicklung belegt der Bergbahn-Vorstandsvorsitzende Josef Burger die Strategie der Positionierung der neugebauten Wiederholer-Anlagen. Laut dieser Studie ist ein Skibetrieb in Lagen unter 1.400 Metern Seehöhe nur mit deutlicher Zunahme des Beschneiungsaufwandes, speziell zu Saisonstarts möglich. In Höhenlagen zwischen 1.400 und 1.600 Meter ist ein Skibetrieb mit geringfügiger Änderung des Beschneiungsaufwandes möglich und zwischen 1.800 und 2.000 Metern Seehöhe werden bis zum Jahr 2050 keine markanten Änderungen des Beschneiungsaufwandes prognostiziert.
Für den Bergbahn-Vorstandsvorsitzenden Josef Burger gibt es keinen Plan B für den Wintertourismus. Bis zum Jahr 2050 werden die Wintermonate im Tourismus auch weiterhin vom Skifahrer geprägt sein, Alternativen wie der nordische Skisport oder auch Winterwandern sind laut Burger schon Ergänzungen, können aber den alpinen Skisport nicht ersetzen.

Ressourcenschonende Beschneiung
Fertige Skipisten zum Saison­start sind durch die Verschiebung der Jahreszeiten mit Naturschnee nicht mehr garantiert. Aus diesem Grund setzt die Bergbahn AG Kitzbühel auf eine Optimierung der Beschneischlagkraft und mit dem Schneemanagement werden Ressourcen und Energie gespart. Sämtliche Pisten wurden mittels GPS vermessen. Dadurch kann die Schneeauflage bis auf zwei Zentimeter genau bestimmt werden. Bei der Produktion von Schnee geht es darum, die benötigte Menge möglichst schnell zu produzieren, denn die zeitlichen Fenster werden immer kürzer, führt Burger aus. Seit 2006 wurden 800 zusätzliche Schneeerzeuger angeschafft. „Es wird genau jene Menge an Schnee produziert, die wir im jeweiligen Bereich benötigen. Damit sparen wir nicht nur Geld ein, sondern wenden weniger Energie und Ressourcen auf“, erklärt Josef Burger, der sich daran erinnert, dass KitzSki in den Anfangszeiten des Schneemanagements noch belächelt wurde, jetzt aber der Innovations- und Know-How-Leader ist.

Über 200 Skitage
In der Wintersaison 2018/19 gab es in Kitzbühel 201 Tage mit Skibetrieb, das entspricht einem Plus von 55 Prozent bzw. 72 Tagen in den letzten zwölf Jahren. Seit 1987/1988 blickt die Gamsstadt im Schnitt auf 153 Skitage zurück, wobei die Anzahl der Skitage von 128 auf 175 anstieg. Schneedepots sichern nun bereits den fünften Winter einen frühen Start in die Skisaison. Die Bergbahn AG Kitzbühel eröffnet am 19. Oktober auf der Resterhöhe.

Mehr Komfort anstelle von Kapazitätszuwachs
Besser und nicht größer ist auch die Devise bei der neuen Fleckalmbahn, die am 6. Dezember in Betrieb gehen wird.  Die Förderleistung der neuen 10 EUB ist mit 2.590 Personen in der Stunde nur geringfügig höher als jene der bisherigen Bahn mit 2.400 Personen in der Stunde. Durch den Direkt­antrieb und eine geringere Anzahl an Fahrbetriebsmitteln durch die größeren Kabinen können 75.000 Kilowattstunden Energie im Jahr eingespart werden. „Mit einer Erhöhung der Kapazität würden wir mehr Pistenflächen benötigen und auch den Verkehr erhöhen“, erklärt Burger, der zudem auf den verbesserten Komfort der neuen Bahn verwies.
Der nächste Tourismus Hoan­gascht findet am Mittwoch, 4. Dezember um 10 Uhr in der Landesmusikschule Kitzbühel statt. Andreas Braun, österreichischer Tourismusexperte und -vordenker beleuchtet in seinem Impulsvortrag den Tourismus von Innen und Außen. Elisabeth M. Pöll

Der Vortrag „Schnee von gestern – Wachstum von morgen. Besser nicht größer“ von Josef Burger fand großes Interesse. Foto: Pöll

 
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