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12.08.2019
News  
 

Brückenbau mit Hindernissen

Seit Kurzem ist sie nun fertig, die neue Kohlhoferbrücke in Reith. Die einspurige Holzbrücke wurde durch eine moderne zweispurige Integralbrücke ersetzt.

Reith | Insgesamt knapp 20 Seiten und zahlreiche Kurz-Berichte sind seit 2015 über die Kohlhoferbrücke im Kitzbüheler Anzeiger erschienen. Der Neubau der einspurigen Holzbrücke erhitzte manche Gemüter. Seit  Kurzem ist das Bauwerk nun fertig.
Die zweispurige Integralbrücke (Rahmenbrücke) inkl. Gehsteig wurde planmäßig innerhalb von acht Monaten errichtet. „Diese moderne Bauweise hat den Vorteil, dass sie ohne Brückenlager auskommt, welche sehr wartungsintensiv sind. Zudem konnte der Lärm dadurch noch einmal reduziert werden“, erklärt Erwin Obermaier vom Baubezirksamt Kufstein. Ein Anrainer bedankte sich sogar beim Baubezirksamt Kufstein und schreibt die neue Brücke sei eine „Wohltat für alle Anrainer“.

GR Florian Pointner: „Ein Todesstoß für Reith“
Auf so viel Zustimmung stieß (und stoßt) der Brückenneubau aber nicht bei allen. Ein vehementer Gegner der neuen zweispurigen Brücke bleibt GR Florian Pointner (Parteifrei), aber auch er gesteht ein: „So wie die Brücke gebaut wurde, ist sicher nicht schlecht.“ Jedoch sieht er die zweispurige Brücke nach wie vor als einen „Todesstoß“ für Reith, wie er dem Kitzbüheler Anzeiger erklärt: „ Ich fürchte mit der neuen Brücke haben wir dem Schwerverkehr Tür und Tor geöffnet. Wenn wir die Straße für den Verkehr gesperrt hätten, hätten wir das Erholungsgebiet für Radfahrer und Fußgänger, welches sich viele schon lange gewünscht haben. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt, wenn die Stanglwirtskreuzung ausgebaut ist und es die Umfahrung von Kitzbühel geben wird.“

Verbot für 7,5 t LKW
Fakt ist, die derzeitige 7,5 Tonnen-Beschränkung für LKWs bleibt auch mit der neuen Brücke bestehen, denn diese hängt mit der engen, kurvigen Straße im Bereich Bodner Wald und nicht mit der Brücke zusammen. „Ich wiederhole es gerne immer wieder: Auch die frühere, einspurige Brücke wäre für über 7,5 Tonnen zugelassen gewesen. Die Beschränkung hängt von der Straßensituation im Bodner Wald ab. Diese ist eng und kurvig“, so Obermaier.

Gehsteig sorgt für Sicherheit
Ein Hauptkritikpunkt der Brücken-Gegner war, dass auf der Brücke zwei 19 Meter lange LKWs zügig aneinander vorbeifahren können. „Zügig ist relativ. Sie kommen aneinander vorbei, was den gesetzlichen Vorschriften entspricht. Wir haben die Brücke so platzsparend und mit einem so engen Radius wie möglich gebaut“, erklärt Obermaier. Die gesamte Brückenbreite beträgt 10,45 Meter, wobei nach Abzug der Randstreifen eine Fahrbahnbreite von ca. 7,20 Metern bleibt, rechnet Obermaier vor. Auch Fußgänger können nun durch einen 1,5 Meter breiten Gehsteig die Brücke gefahrenlos passieren.
Für die Brücke gilt eine 50 Km/H-Beschränkung und auch auf der Straße davor soll der Verkehr eingebremst werden. „Die 80er Beschränkung bei der Bodner Au wurde genehmigt –  was wiederum der Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer dient“, informiert Bürgermeister Stefan Jöchl (VP).

Bgm. Jöchl: „Der Neubau war richtig und wichtig“
Der desolate Zustand der einspurigen Holzbrücke und die zahlreichen Unfälle waren die Hauptgründe für den zweispurigen Neubau inklusive Gehsteig. „Es war sicher wichtig und richtig, dass die Kohlhoferbrücke endlich neu gebaut wurde, nur der Weg dorthin wäre entbehrlich gewesen“, resümiert Bürgermeister Stefan Jöchl (siehe dazu auch Daten und Fakten „Langer Weg zur Brücke“). Der Bau der zweispurigen Kohlhoferbrücke in Reith kostete rund 1,9 Millionen Euro. Johanna Monitzer

Daten & Fakten: Langer Weg zur neuen Brücke
2012: Nachdem die einspurige Kohlhofer ein häufiger Unfallpunkt und in einem desolaten Zustand ist, spricht sich die Reither Gemeindeführung einstimmig für einen Neubau aus. Das dafür zuständige Baubezirksamt Kufstein nimmt die Planungen und die Grundstücksverhandlungen für einen zeitgemäßen Neubau der Brücke auf.
Sommer 2015: Das Baubezirksamt Kufstein ist sich mit zwei Grundstückseigentümern einig. Ein Landwirt jedoch möchte seinen Grund nicht für den Brückenbau hergeben. Das erste Mal wird von einer möglichen Enteignung gesprochen.
Die Gemeindeführung distanziert sich mittels Grundsatzbeschluss von der im Raum stehenden Enteignung. Florian Pointner schickt eine Postwurf- Sendung aus und sammelt Unterschriften gegen den Neubau. Die Unterschriften werden Anfang Juli übergeben lt. Pointner sind es rund 500 (Bürgermeister Stefan Jöchl sagt rund 330).

Jänner 2016: Der nunmehr bei den Gemeinderatswahlen für die Grünen kandidierende Florian Pointner sorgt erneut mit Postwürfen mit dem Titel „Transitroute durch Reith fixiert“ für Aufsehen. Das Land Tirol wehrt sich gegen die Behauptungen.  

März 2016: Die Kohlhoferbrücke ist auch Thema bei den Gemeinderatswahlen. Die Grünen schaffen, auch Dank der Debatte um die Kohlhoferbrücke, mit Florian Pointner und Bettina Behr den Einzug in den Gemeinderat.

Juni 2016: Ein von der Gemeinde Reith beauftragter unabhängiger Sachverständiger bestätigt den desolaten Zustand der Holzbrücke.

September 2016: Bürgerinformationsveranstaltung zum geplanten Neubau der Kohlhoferbrücke. Die Enteignung des Landwirtes wegen benötigter Grundstücksflächen steht noch immer im Raum.

Februar 2017: Um die Kohlhoferbrücke neu bauen zu können, leitet das Land Tirol das Enteignungsverfahren gegen den Landwirt ein. Es geht um eine Fläche von 382 m2. Schützenhilfe bekommt der Landwirt vom GR Florian Pointner, der für den Rechtsstreit Geld sammelt.

Juli 2017: Enteignung des Landwirtes durch die Tiroler Landesregierung. Der Landwirt legt Beschwerde ein.

7. Jänner 2018: GR Florian Pointner ruft zur ersten Demonstration auf der Kohlhoferbrücke auf. Es kommen ca. 30 Leute. Die Straße wird zum ersten Mal gesperrt.

20. Jänner 2018: Am Samstag der Hahnenkammrennen ruft GR Pointner erneut zur Demonstration auf, was aufgrund des starken Verkehrswochenendes auch für  Unmut sorgt. Fritz Gurgiser  (Transitforum Tirol) spricht im Rahmen der Bürgerversammlung vor rund 15 Leuten.

Frühsommer/Sommer 2018: GR Pointner beruft immer wieder Demonstrationen ein und lässt die Straße für Stunden sperren. Der Zulauf ist „bescheiden“. Die BH Kitzbühel untersagt schließlich die Demonstrationen.Begründung: Demonstrationen und Straßensperren mit zwei bis drei Teilnehmer führen das Versammlungsrecht ad absurdum.
August 2018: Der Verwaltungsgerichtshof in Wien bestätigt die Enteignung des Landwirtes und, dass die Kohlhoferbrücke in der geplanten Form gebaut werden darf. GR Florian Pointner tritt bei den Grünen aus und verbleibt als Parteifreier im Gemeinderat.

November 2018: Das Baubezirksamt Kufstein beginnt mit dem Neubau der Brücke.

Juni 2019: Die neue Kohlhoferbrücke inkl. Gehsteig wird für den Verkehr freigegeben. jomo

Aus meiner Sicht - Sie hätten sich gewehrt
Nun steht sie da, die vermeintliche Monsterbrücke von Reith – und am Ende schaut sie gar nicht so monströs aus. Seit 2015 haben wir vom Kitzbüheler Anzeiger die Ereignisse rund um den Neubau beleuchtet, hinterfragt und erklärt. Brückengegner prophezeiten eine Verkehrslawine inklusive Schwerverkehr, der durch eine zweispurige Brücke durch Reith rollen wird.
Unvergessen, die Straßensperren wegen zwei oder drei Demonstranten. Initiator GR Florian Pointner meint, dass sich viele einfach nicht getraut hätten, ihre Stimme zu erheben. Im Stillen wäre aber die Mehrheit der Reither gegen die neue Brücke gewesen, sagt er.
Ich glaube, damit unterschätzt er seine Mitbürger. Sie hätten sich sehr wohl gewehrt. Jedoch hat man wohl erkannt, dass solange es die kurvige, enge Straße im Bodner Wald gibt, Reith für den Schwerverkehr keine Alternative zur gut ausgebauten Route über St. Johann darstellt.
Der Verkehr wird nicht weniger, in dem man offensichtliche Gefahrenstellen, wie eine einspurige Holzbrücke, belässt. Johanna Monitzer, monitzer@kitzanzeiger.at

Fotos: Die neue zweispurige Kohlhoferbrücke mit Gehsteig wurde im Juni für den Verkehr freigegeben.  Sie macht im Brückenverlauf eine Kurve. „Wir haben die platzsparenste und modernste Variante gewählt“, so Erwin Obermaier, BBA Kufstein. Fotos: Monitzer

 
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