12.11.2018
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„Bienvenidos, neue Lehrlinge“

Die Jugendarbeitslosigkeit in Spanien beträgt bis zu 50 Prozent. Im Bezirk Kitzbühel sucht die Hotellerie und Gastronomie dagegen händeringend nach Lehrlingen. Ein aktuelles Pilotprojekt bringt daher Angebot und Nachfrage zusammen und vermittelt spanische Jugendliche in die Region.

Bezirk  | Die künftigen Mitarbeiter der heimischen Hotels sitzen in diesem Augenblick in ihrer Schule und bereiten sich auf den Einsatz im Bezirk Kitzbühel vor. Denn bevor es nach Österreich geht, absolvieren die angehenden Lehrlinge ihre Grundausbildung in einer staatlich anerkannten Fachschule in ihrem Heimatland. Ergänzend erhalten sie Deutschunterricht auf B1-Niveau.

„Diese Schüler holen wir dann herauf und integrieren sie in unser Lehrlingssystem“, schildert Josef Missethon, der das Projekt „Talents for Europe“ entwickelt und betreut. Konkret absolvieren die Spanier das zweite und dritte Lehrjahr in einem Kitzbüheler Betrieb und schließen dann die Ausbildung mit der Lehrabschlussprüfung ab. „Der Wunsch ist natürlich, dass die Jugendlichen länger als zwei Jahre bleiben“, ergänzt Missethon. Gerade die Tourismusbranche biete gute Möglichkeiten, da das Personal dort sehr international aufgestellt ist.

Durch die relativ hohe Nachfrage nach entsprechenden Kräften in der Region Kitzbühel könne man gleich eine Gruppe schicken, „die dann eine Community aufbaut“. Außerdem, ergänzt der Personalvermittler, werde sich die Jobsituation in Spanien so bald nicht ändern – die bessere Perspektive haben die iberischen Fachkräfte somit in Österreich. Übrigens sind die angehenden Lehrlinge bei ihrem Dienstantritt in den Betrieben schon 18 Jahre alt und damit volljährig.

Zehn Lehrlinge sind Teil des Pilotprojektes

Insgesamt wurden mit heimischen Unternehmen bereits Verträge für zehn spanische Lehrlinge abgeschlossen. Die Teilnahme ist für die Betriebe kostenpflichtig, neben der Vermittlung umfasst die Leistung  auch ein Gesamtpaket der Organisation und Begleitung sowie einen qualifizierten Deutschkurs für die Jugendlichen. Im zweiten Quartal 2019 erhalten die künftigen Arbeitgeber dann drei Lebensläufe samt Vorstellungsvideo zur Auswahl, anhand derer schon einmal ein erster Eindruck von potenziellen Kandidaten gewonnen werden kann.

Der Chef kann sich dann daraus einen Lehrling auswählen, den er in seinen Betrieb einladen will. Es besteht darüber hinaus eine Probezeit. Wenn die Chemie mit dem Lehrling doch nicht stimmen sollte, wird Ersatz geschickt. Die Motivation der spanischen Nachwuchskräfte ist groß. Aktuell werden vor allem Jugendliche von den Kanarischen Inseln auf den Einsatz in Österreich vorbereitet, „wir haben aber auch schon Anfragen von Fachschulen in Andalusien“, schildert Josef Missethon.

Das Konzept des Lehrlingswesens ist im deutschsprachigen Raum verbreitet. Es sorgt für Beschäftigung bei Jugendlichen bei gleichzeitiger Berufsvorbereitung. In Ländern wie Spanien läuft die Ausbildung jedoch anders ab – „das ist eher ein verschultes System, es gibt wenig Praxis in den Betrieben“, führt Josef Missethon aus. Daher stellt das Konzept einen starken Mehrwert für die Bewerber dar.

Die Wirtschaftskammer Kitzbühel steht hinter dem Pilotprojekt: „Das ist für uns eine gute Möglichkeit, an Lehrlinge zu kommen“, sagt Obmann Klaus Lackner. Im September kommenden Jahres sollen die ersten Lehrlinge in der Region anfangen. „Speziell in Gastronomie und Hotellerie besteht ein großer Mangel“, wird Lackner nicht müde zu betonen. Um dem Fachkräfteproblem begegnen zu können, ist Kreativität gefragt. Initiativen, wie diese, können zumindest den Druck lindern.
Elisabeth Galehr, Bild: Symbolfoto: WKÖ

 
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