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10.02.2019
News  
 

Bergretter drohen mit Schließung

Die St. Ulricher Bergretter sind verzweifelt – sie kämpfen mit akutem Platzmangel und planen den Bau eines Rettungszentrums. Der Gemeinderat zeigt sich verhalten.

St. Ulrich | „So geht es einfach nicht mehr weiter“ – unter den 38 Mitgliedern der Berg­rettung St. Ulrich macht sich immer mehr der Frust breit, wie Ortsstellenobmann Sebastian Widmoser klagt. Bis vor einigen Monaten war die Ortsstelle der Bergrettung in eigenen Räumen in der Volksschule untergebracht. Nachdem die Räumlichkeiten allerdings für den Schulbetrieb benötigt wurden, mussten die Bergretter, wie berichtet, ausziehen. Die Gemeinde ließ daher beim Bauhof Container aufstellen. Diese entpuppten sich für die Bergretter als absolute Katastrophe.

Pläne im Gemeinderat vorgestellt

In der jüngsten Gemeinderatssitzung stellten die Bergretter unter Leitung von Ortsstellenleiter Sebastian Widmoser daher Pläne für ein eigenes Rettungszentrum vor. Gemeinsam mit Wasserrettung und Lawinenkommission sowie dem örtlichen praktischen Arzt Hannes Lechner wurden Pläne gewälzt. Lechner beschäftigt in seiner Praxis inzwischen elf Mitarbeiter und platzt aus allen Nähten.

Sebastian Widmoser hatte, um den Mandataren die Dringlichkeit zu zeigen, auch Bergrettung-Landesleiter Hermann Spiegl nach St. Ulrich eingeladen. Es gehe so nicht weiter, betonen die Retter. Die Con­tainer seien feucht. Die teuer angeschafften Ausrüstungsgegenstände, wie Seile aber auch die Funktechnik usw., werden kaputt. Schließlich ginge es hier um Menschenleben. Es fehlen auch Sanitäranlagen sowie ein Raum für die Betreuung von Angehörigen. Immerhin arbeite man freiwillig über 4.000 Stunden im Jahr und betreue 90 Kinder in Kletterkursen, betonte Widmoser.

Lawinenkommission stand unter Strom

Unter Strom standen in den letzten Wochen auch die Mitglieder der Lawinenkommission. Derzeit würden sie von daheim aus die Kommunikation aufrecht erhalten und auch notwendige Sprengladungen seien derzeit in Fieberbrunn gelagert, unterstrich Willi Raich die Wichtigkeit.

Ins gleiche Horn stieß auch Hannes Pirnbacher von der Wasserrettung. Auf gerade einmal zwölf Quadratmetern müssten die Retter ihre gesamte Ausrüstung lagern. Die einzige Lösung, da sind sich die Retter und der Arzt einig, ist der Bau eines Rettungszentrums samt Heli-Landeplatz. Auch ein passendes Grundstück haben sie bereits im Auge, das auch noch der Gemeinde gehört. Finanzieren könne man den Bau unter anderem damit, dass man Wohnungen integriere. 300 Quadratmeter würde der Arzt übernehmen.

Im Gemeinderat ist die Stimmung zu den Wünschen der Retter mehr als verhalten. Das Geld ist knapp, das angedachte Grundstück steht zum Verkauf. Der Erlös ist bereits im Budget verplant. „Also die nächsten fünf Jahre sehe ich da finanziell keine Chance“, stellte GV Mario Horngacher deutlich klar. Jetzt wurde zumindest eine Arbeitsgruppe gegründet. Außerdem versuche man, so Bürgermeisterin Brigitte Lackner, zumindest vorübergehend eine bessere Lösung für die Berg­retter zu finden. Sie habe übrigens bereits mit ihren Kollegen in den Nachbargemeinden gesprochen – die Reaktion sei mehr als verhalten.

Allerdings stellen die Berg­retter deutlich die Rute ins Fenster: „Sollte es keine Lösung geben, müssen wir die Ortsstelle schließen!“
Margret Klausner

Bild: Die St. Ulricher Bergretter mit Obmann Sebastian Widmoser (Mitte hinten) und Landesleiter Hermann Spiegl (4 v.r.) und den Vertretern der Wasserrettung, Lawinenkommission sowie Arzt Hannes Lechner (2.v.r.) wollen kämpfen. Foto: Klausner

 
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