Bergbahn-Chef-nimmt-Abschied
07.04.2020
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Bergbahn-Chef nimmt Abschied

Mit seinem „Fest mit Freunden“ wollte sich Josef Burger, Vorstandsvorsitzender der Bergbahn AG Kitzbühel in den Ruhestand verabschieden. Der Abschied fällt durch das Veranstaltungsverbot nun leise aus. „Aufgeschoben ist nicht auf aufgehoben“, sagt Burger, der Kitzbühel zudem als Aufsichtsratsvorsitzender bei Kitzbühel Tourismus erhalten bleiben wird.

Kitzbühel | Bestrebt das Beste für Kitzbühel und die Region zu leisten lenkte Josef Burger seit 1. Dezember 2008 die Geschicke der Bergbahn AG Kitzbühel. Sepp ist Seilbahner durch und durch, doch kam er aus einer ganz anderen Branche in das Zentralbüro der Bergbahn AG Kitzbühel. Burger war zuvor Vorstand bei der AUA (Austrian Airlines) bevor es ihn wieder zurück in die Tiroler Heimat zog. „So groß ist der Unterschied zwischen einer Fluggesellschaft und einem Seilbahnunternehmen nicht. Beides sind Dienstleister, beide haben einen hohen touristischen Anteil und beide sind Transportunternehmen und produzieren Dienstleistungen, die nicht lagerfähig sind. Wenn ein Sitz oder Sessel leer ist, kann ich den nicht am nächsten Tag verkaufen“, erzählt Burger, der von seinen Freunden Sepp genannt wird.  „Zudem haben beide Branchen eine hohe Kapitalintensität, wobei die Luftfahrt mit hohen variablen Kosten abgestraft wird und die Konkurrenz expositial höher ist als im Seilbahngeschäft, denn hier gibt es am Standort keinen Konkurrenten“, erzählt Burger.

Genaue Analyse und Strategieentwicklung
Neben dem touristischen Knowhow und dem Verständnis für den Markt braucht es laut Josef Burger auch betriebswirtschaftliche Kenntnis für kaptitalintensive Produktionsmittel und eine nicht lagerfähige Produktion für die Tätigkeit als Vorstand bei einem Unternehmen wie die Bergbahn AG Kitzbühel, die wie die Luftffahrt international tätig ist. Aber auch der Bezug zur Region und den Menschen ist für Burger ein großer Vorteil. Die Menschen zu schätzen und ein sorgfältiger Umgang mit der Natur war eine der Devisen von Josef Burger.
Bei seinem Wechsel in die Seilbahnbranche konnte er vor allem auf die Unterstützung des gesamten Teams und speziell auf jene von Walter Astl bauen, der ihm einen Überblick über das Unternehmen verschaffte. Es wurde genau analysiert, wo die Verkäufe stattfinden, wo die Gäste in das Skigebiet einsteigen und wo die Beförderungen am meisten stattfanden. Anhand dieser Analysen wurde das Gebiet der Bergbahn AG Kitzbühel in die Sektoren Hahnenkamm - Pengelstein, Jochberg - Resterhöhe und das Kitzbüheler Horn eingeteilt. Es stellte sich auch heraus, dass 85 Prozent der Umsätze im Bereich Hahnenkamm-Pengelstein generiert werden und daher bekam dieser Bereich die oberste Priorität. „Es galt Stärken zu stärken. Das Nadelöhr Kaser- eck, aber auch die Schwächen der Maierlkette sowie bei der Beschneiung mussten wir ausmärzen. Zudem brauchten wir Zubringer in das Gesamtgebiet wie zum Beispiel die Wagstättbahn oder die neue Anlage auf der Resterhöhe“, erzählt Burger, der bei all den Plänen auf sein Team zählen konnte. „Die Mannschaft ist bereit Verantwortung zu tragen und zu übernehmen und auch motiviert“, streut Burger den Mitarbeitern Rosen. „Wir können eins vom Hahnenkammrennen lernen, da fahren die Spitzenläufer mit um zu gewinnen und wir wollen auch gewinnen“, formuliert Burger die Siegermentalität.

Jahrzehnt der Spitzenleistungen
„Von 2000 bis 2008 stiegen die Erlöse der Bergbahn AG Kitzbühel um 20 Prozent langsamer als die Seilbahnerlöse am österreichischen Markt. Seit 2008 sind wir um 80 Prozent schneller als der österreichische Markt gewachsen“, blickt Burger mit berechtigtem Stolz auf die Entwicklung des Kitzbüheler Seilbahnunternehmens, das seit 2009/10 ununterbrochen Rekorde bei den Seilbahnerlösen bis 2018/19 verbuchte. Von anfänglichen 34,7 Millionen Euro stiegen diese auf 50,6 Millionen Euro an, was einer Steigerung von 45 Prozent entspricht. Diesem Erfolgslauf liegt die absolute Qualitätsstrategie „besser und nicht größer“ zu Grunde.
„Meine Markteinschätzung ist jene, dass der Skisport generell keine Wachstumsbranche darstellt, aber es uns gelungen ist, Marktanteile zu gewinnen, für eine mittel- und langfristige Absicherung ist aber erforderlich eine Qualitätsführerschaft anzustreben“, sagt Burger. Eine Steigerung über die Menge ist daher nicht möglich, aber durch ein Mehr an Qualität kann die Wertschöpfung gesteigert werden. „Man muss eine entsprechende Leistung bieten, die der Gast auch bereit ist zu bezahlen“, sagt Burger. Es braucht aber auch eine Automatisierung und Digitalisierung bei den Mitarbeitern. Potential sieht Burger hier im Vertrieb und speziell im Onlinevertrieb. „Die Anlagen sind hochtechnologisiert und auch die Beschneiung wird anspruchsvoller, daher brauchen wir auch bestens ausgebildete Mitarbeiter, die angemessen zu entlohnen sind“, erklärt Burger, der sich auch über den Wert des Erfahrungsschatzes der Mitarbeiter bewusst ist. „Trotz Schneemanagement ist die Erfahrung der Maschinenfahrer sehr wichtig für eine höhe Pistenqualität. 45 Maschinenfahrer verfügen über 400.000 Stunden Erfahrung mit ihren Maschinen“, macht Burger den Erfahrungswert der Mitarbeiter an einem Punkt fest. Er ist aber auch stolz, dass die Fluktuationsrate bei der Bergbahn AG Kitzbühel mit zwei Prozent sehr niedrig ist.

Höhen und Tiefen im Bergbahn-Leben
Für Josef Burger gab es in seiner Tätigkeit bei der Bergbahn AG Kitzbühel viele Highlights, aus denen die effiziente Beschneiung und der Neubau der Fleckalmbahn hervorstechen.
Bei der Fleckalmbahn war es vor allem die Herausforderung die Weichen auf Grün zu stellen aber auch eine große technische Herausforderung war die schnelle Umsetzung des Projektes. „Hier hat unser technischer Leiter, Florian Wörgetter, mit seinem Team eine großartige Leistung erbracht“, lobt Burger seine technische Abteilung. Was ihn besonders freut, ist, dass die neue Fleck alle Erwartungen übertroffen hat. Vom 6. Dezember bis Ende Februar wurde 281.000 Gäste gezählt, im Vorjahr waren es 180.000 Gäste. „Das sind 100.000 Gäste mehr als im Vorjahr. Bei den Beförderungen stieg es bei der Fleck von 345.000 auf knapp 490.000 Personen. Bei den Erstzutritten haben wir nahezu den Plafond erreicht, bei den Berförderungen ist noch Luft nach oben, vorausgesetzt, die Fleck-Abfahrt in erster Priorität beschneit werden kann. Das muss eines der wichtigsten Ziele in der nahen Zukunft sein“, berichtet Burger.
Aber auch das ausgetüfftelte Schneemanagement samt Beschneiung gehört für Sepp Burger zu den Highlights, schließlich ist Schnee nicht alles, aber ohne alles nichts“.
Aber es gab auch Schattenseiten in der Tätigkeit von Josef Burger als Vorstand bei der Bergbahn AG Kitzbühel. Eine davon war die verkeilte Gondel bei der Hornbahn im Jänner 2018. Eine Windböe verursachte den Defekt, die Wintersportler in den Gondeln mussten von der Bergrettung geborgen werden.
Belastend waren aber auch die starken Schneefälle im letzten Winter, die das gesamte Skigebiet tageweise außer Betrieb setzten. „Durch die akute Lawinengefahr waren wir mit der Öffnung des Gebietes sehr vorsichtig. Die Sicherheit steht bei uns an oberster Stelle“, sagt Burger.

Abschied mit Wehmut
„Ich gehe mit Wehmut, aber die Freude für den neuen Lebensabschnitt ist groß. Mit Herzblut und hohem Engagement war ich für das Unternehmen da. Ich gehe zwar von der Berg-bahn aber nicht von meinen Freunden.
Ich habe mit bestem Wissen und Gewissen Bestes für die Bergbahn AG Kitzbühel und die Region aber speziell für die Kunden geprägt“, fasst Josef Burger zusammen. „Mein Fest mit Freunden kann zwar jetzt nicht stattfinden, aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben“, freut sich der Neo-Pensionist schon auf ein Wiedersehen.
Ein Wiedersehen mit Kitzbühel wird es sowieso noch geben, denn Burger steht Kitzbühel Tourismus als Aufsichtsratsvorsitzender voran. „Ich werde mit Freude mein Wissen weitergeben“, schließt Burger, der sich künftig auch vermehrt seinen Hobbies widmen will. Neben Laufen und Skifahren will er nun auch Golfer werden und sich auch gerne der Literatur widmen. Und was Burger besonders freut, er hat jetzt mehr Zeit für seine Familie. Elisabeth M. Pöll

Elf Jahre lang führte Josef Burger die Geschicke der Bergbahn AG Kitzbühel – und das mit großem Erfolg. Seit 1. April ist er in Pension. Foto: BAG/Werlberger

 
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