14.02.2019
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„Bauwirtschaft muss umdenken“

Holz statt Zement? Die Zementindustrie spielt eine gewichtige Rolle beim Produzieren von CO2, sagt Holz-Experte, Autor und Unternehmer Erwin Thoma. Er fordert ein Umdenken. Wie klimafreundlicher gebaut werden kann, zeigt die ArcheNeo in Oberndorf. Dafür gab es jetzt eine Auszeichnung.

Oberndorf | Treibhausgase, CO2 Ausstoß, ökologischer Fußabdruck – die Ursachen des von Menschen verursachten Klimawandels kann man in vielfältige Statistiken und Zahlen ausdrücken. „Global produziert der Mensch 150 Mio. Tonnen Treibhausgase jährlich. Die reichsten zehn Prozent der Welt sind für 50 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich“, rechnet Nachhaltigkeitsberater Peter Frieß von „Fokus Zukunft“ vor.

Fakten, die allseits bekannt sind, nur dagegen unternommen wird (noch) nicht genug. „Es reicht nicht, was die Politik verabschiedet hat, es braucht Engagement in jedem Bereich“, appelliert Frieß.

„Es braucht den Mut, neue Wege zu gehen“

Auch die Bauwirtschaft sei stark geforderte, so die Experten. „Die Zementindustrie liefert allein bei der Produktion einen riesigen Beitrag zum CO2-Ausstoß. Es gilt noch immer die Devise, möglichst billig und nicht nachhaltig zu bauen. Die Bauwirtschaft muss endlich umdenken und auch Alternativen zu Zement zulassen“, sagt Holz-Experte, Autor und Unternehmer Erwin Thoma.

Die ArcheNeo als Pionierprojekt

Doch es ginge auch anders: Ein Vorzeigeprojekt, oder Pionierprojekt, wie es Thoma nennt, findet sich mit der ArcheNeo in Oberndorf. Der ehemalige Kitzbüheler Bürgermeister Horst Wendling baute 2010 an der Bundesstraße den klimaneutralen Gebäudekomplex. Nicht ohne Kritik, wie sich Bürgermeister Hans Schweigkofler (SP) zurück erinnert: „Es gab sowohl in der Bevölkerung als auch aus der Politik Gegenwind. Vor allem die Höhe der Gebäude war ein Kritikpunkt. Aber ich denke, wir müssen uns in Tirol generell daran gewöhnen, dass höher gebaut werden muss.“

Nach fast zehn Jahren Betrieb hat sich das Konzept der ArcheNeo bewährt, wie Geschäftsführer Horst Wendling erklärt: „Wir wollten von Anfang an einen anderen Weg gehen.  Mittlerweile sind auf den 6.500 Quadratmetern 42 Betriebe mit rund 100 Mitarbeitern angesiedelt.“

Die ArcheNeo „wächst“ in 41 Minuten nach

Für den Bau des Gebäudes wurden knapp 2.500 Kubikmeter österreichisches Holz verarbeitet. „Dieser Holzverbrauch wächst in 41 Minuten in Österreichs Wäldern wieder nach“, rechnet Thoma vor, der sich auch für den Bau der ArcheNeo verantwortlich zeigt.

Das Gebäude wird zu 100 Prozent mit erneuerbarer Energie betrieben. Eine Photovoltaikanlage am Dach versorgt die Einheiten mit Strom, geheizt wird mithilfe von Erdwärmepumpen.

Um bis zu 10 Prozent mehr Kosten

Der Bau eines klimaneutralen Gebäudes kostet um bis zu zehn Prozent mehr, als eine herkömmliche Betonbauweise, sagt Thoma: „Je größer die Bausubstanz ist, umso geringer ist der Unterschied. Bei der ArcheNeo waren die Baukosten im Vergleich zu einer herkömmlichen Bauweise nahezu ident.“

Der große Unterschied sind aber die Betriebskosten. „Im österreichischen Schnitt liegen die Betriebskosten bei 2,50 Euro pro Quadratmeter, wir sind bei unter einem Euro“, veranschaulicht ArcheNeo GF Wendling.

CO2 Bilanz durch Projekte ausgleichen

Die Arche Neo weist eine ausgeglichene CO2-Bilanz auf, wie umfangreiche Berechnungen von „Fokus Zukunft“ ergaben. „Alle Emissionen können natürlich nicht zur Gänze verhindert werden – dafür wird aber an andere Stelle eingespart. Die ArcheNeo unterstützt z.B. ein Waldschutzprojekt in Uruguay und kann damit ihre CO2-Bilanz ausgleichen“, erklärt Nachhaltigkeitsberater Peter Frieß, „denn wo CO2 auf der Welt eingespart wird, sei im Grunde egal – Hauptsache es wird eingespart.“

Vom privaten Beratungsinstitut  „Fokus Zukunft“ erhielt die ArcheNeo GmbH & Co KG eine Urkunde „Klimaneutrales Gebäude“ verliehen. Da auch die dazugehörige Pressekonferenz klimaneutral abgehalten wurde, gab`s dafür auch noch eine Urkunde.
Johanna Monitzer

Bild: Die ArcheNeo darf sich über die Auszeichnungen freuen. Im Bild: Holz-Experte Erwin Thoma, ArcheNeo GF Horst Wendling, Nachhaltigkeitsberater Peter Frieß (Fokus Zukunft) und Bürgermeister Hans Schweigkofler. Foto: Monitzer

 
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