24.10.2016
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Aus Residenz wird Luxuswohnprojekt

Statt Luxus-Senioren sollen nun besser betuchte Wohnungssuchende im ehemaligen Hotel „Goldener Löwe“ einziehen. Eine Investorengruppe hat das Objekt in bester Lage gekauft. Die Begeisterung für das neue Projekt hielt sich bei einigen Gemeinderäten in Grenzen.  

St. Johann | Nun ist die Katze aus dem Sack. Das ehemalige Hotel „Goldener Löwe“ wird nicht zu einer Residenz für betuchte Senioren umgebaut. Die Victus Projektentwicklungs AG hat das Anwesen mitten im Ortszentrum an eine Investorengruppe rund um den Immobilien-Unternehmer Gaudenz Trapp verkauft. Die eigens dafür gegründete „Residenz Goldener Löwe GmbH“, deren Gesellschafter u.a. die Trapp Investment Partners GmbH & Co KG ist, tritt als Käufer der Liegenschaft auf. Als Geschäftsführer fungieren Jan-Baldem Mennicken und der Kitzbüheler Baumanager Wolfgang Mantl. Die beiden Geschäftsführer stellten am vergangenen Dienstagabend das Projekt dem St. Johanner Gemeinderat vor.  

Rund 77 Wohnungen werden errichtet

Seit über zwei Jahren wartete die St. Johanner Gemeindeführung und auch die Bevölkerung auf den Baustart der Seniorenresidenz. Aus der Bleibe für betuchte Senioren wird nun definitiv nichts mehr. Die nunmehrigen Besitzer planen an dem Standort ein Wohnprojekt mit rund 77 Wohnungen und Geschäftsflächen zu errichten. „Wir nützen dabei die bereits bestehenden Planungen für die Seniorenresidenz“, erklärt Jan-Baldem Mennicken.

Abbrucharbeiten haben bereits begonnen

Nun soll es Schlag auf Schlag gehen und der „Schandfleck“ mitten im Ortszentrum beseitigt werden. Mit den Abbrucharbeiten konnte, aufgrund eines gültigen Bescheides, bereits begonnen werden, wie Bürgermeister Stefan Seiwald erklärt. „Wir möchten die Abbrucharbeiten bis Mitte Dezember abgeschlossen haben. Den Baustart visieren wir für Frühjahr 2017 an. Ende 2018 könnte das Projekt fertiggestellt sein“, nennt Projektleiter Wolfgang Mantl den Zeitplan.

Kritik und „ein wenig Bauchweh“

Um diesen straffen Zeitplan einzuhalten, benötigte es der Zustimmung der Rückwidmung der Liegenschaft von „Seniorenresidenz“ in „Kerngebiet mit bzw. ohne Wohnen“. Die Gemeinderäte sprachen sich in einer geheimen Abstimmung mit 12:7 für das Projekt aus. „Wenn auch mit ein wenig Bauchweh“, wie Bürgermeister Stefan Seiwald einräumte. Hauptkritikpunkt waren die hochpreisigen Wohnungen. Viele Gemeinderäte befürchten, dass die Einheimischen immer mehr aus dem Ortszentrum verdrängt werden.  „Die Wohnungen sind für Einheimische kaum leistbar. Ich befürchte, dass nur gut betuchte Zugezogene dort wohnen werden“, sprach sich z.B. Claudia Pali (FPÖ) gegen das Projekt aus.

„Spielen das Spiel der Spekulanten nicht mit“

Auch die Liste SOLI übte heftige Kritik. „Wir widmen Grundstücke ohne Auflagen, die den Immobilienspekulanten Tür und Tor öffnen. Es geht hier um eine Grundsatzfrage, ob wir leistbares Wohnen für unsere Bevölkerung oder eine Gewinnmaximierung für die Investoren wollen. Wir spielen das tirolweite Spiel der Spekulanten nicht mit und stimmen dagegen“, so Peter Wallner. Die Liste SOLI würde auch einen weiteren Stillstand beim „Goldenen Löwen“ in Kauf nehmen. Viele Gemeinderäte sahen sich in einem Dilemma, denn auch wenn das Projekt nicht ganz ihren Wünschen entspreche, sei man doch sehr froh darüber, dass der „Schandfleck“ mitten im Ortszentrum endlich wegkommt.

Was wäre die Alternative?  

Bürgermeister Seiwald verwies auf fehlende Alternativen. „Wenn jemand ein besseres Projekt hat, soll er sich bitte melden“, so der Bürgermeister und ruft die lange Historie des Stillstandes rund um den „Goldenen Löwen“ ins Gedächtnis. Seit 2007 wurde die Liegenschaft mitten im Ortszentrum zigmal verkauft und vegetiert seitdem vor sich hin. „Mir wäre auch ein touristisches Projekt lieber gewesen. Ich habe zahlreiche Gespräche geführt. Fakt ist aber, dass jeder Experte einen Hotelbetrieb an diesem Standort zum Scheitern verurteilt sieht“, betont Seiwald.  

Preise beginnen bei ca. 4.000 €/Quadratmeter

Projektleiter Mantl räumt ein, dass auch „günstigere“ Wohnungen für einen Quadratmeterpreis von ca. 4.000 Euro angedacht seien. „Es wird auch in dieser Preisklasse Wohnungen zum Kauf geben. Es ist nicht in unserem Sinne, dass das Haus leer steht“, bekräftigt Mantl.

Die Wohnungen verfügen außerdem über keine Freizeitwohnsitzwidmung. Dass diese Regelung umgangen werden könnte, glaubt der Bürgermeister nicht.  „Ich nehme nicht an, dass sich jemand traut, mitten im Ort einen illegalen Freizeitwohnsitz zu errichten. Wir werden aber ein scharfes Auge darauf haben“, betont Bürgermeister Seiwald.
Das Wohnprojekt am Areal des ehemaligen „Goldener Löwe“ ist übrigens das erste Projekt, das die Trapp Investment Gruppe in Tirol realisiert. Johanna Monitzer

Bild: Die Abbrucharbeiten beim ehemaligen Hotel „Goldener Löwe“ sind schon voll im Gange, wie ein Lokalaugenschein am Montagnachmittag zeigt. Die Investoren visieren einen Baustart für das kommende Frühjahr an. Die Fertigstellung des Projektes mit Wohnungen und Geschäften ist für 2018 geplant. Foto: Monitzer

 
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