29.12.2020
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Auf der Suche nach den Kosten

Die Gemeinde Kirchberg musste ein Darlehen in Höhe von einer Million Euro aufnehmen, um die Liquidität sicherzustellen. Nötig wurde dies durch einen starken Anstieg der Kosten für die Sanierung der Tiefgarage und den Bau des Musikhauses. Das Kuriose dabei: 240.000 Euro der insgesamt 800.000 Euro an Mehr­kosten konnten noch nicht ausfindig gemacht werden.

Kirchberg | Im Mai 2019 erfolgte der Start für die Sanierung der Tiefgarage im Ortszentrum, sowie der Neubau des Musikhauses. Für das gesamte Projekt belief sich die Kostenplanung auf 3,5 Millionen Euro. Schon mit Beginn der Bauarbeiten wurde klar, dass man mit dieser Summe nicht das Auslangen finden wird, denn es kamen weitere Schäden und Mängel ans Licht, mit denen im Vorfeld nicht gerechnet wurde. „Es war höchste Zeit, dass wir dieses Projekt in Angriff nahmen, denn das Salz fraß sich durch das Eisen und gefährdete so die Statik“, rief Vize-Bürgermeister Andreas Schipflinger (Unser Kirchberg) bei der vergangenen Gemeinderatssitzung in Erinnerung.

Mehrkosten werden mit Kredit finanziert
Die Mehrkosten liefen jedoch aus dem Ruder. „Es ist eine sehr unangenehme Situation“, eröffnet Bürgermeister Helmut Berger (SPÖ) die Diskussion für die Beschlussfassung für einen Kredit in Höhe von einer Million Euro. Dieser Kredit ist notwendig, damit die Rechnungen der Firmen abzüglich Skonto bezahlt werden können und die Gemeinde nicht in einen Liquiditätsnotstand kommt, erklärte Berger, der eine lückenlose Aufklärung der Kosten fordert.
Die Kosten sind von den ursprünglich geplanten 3,5 Millionen auf 5,2 Millionen Euro angewachsen. Mit den steigenden Kosten beschäftigte sich der Gemeinderat und auch der Gemeindevorstand. Zuletzt wurden Architekten, Statiker und Vertreter der bauausführenden Firmen zu einem klärenden Gespräch geladen. „Wir gehen von Mehrkosten in Höhe von 800.000 Euro aus. In diesem Gespräch konnten 560.000 Euro zugeordnet werden. Wofür und wann die 240.000 Euro ausgegeben wurden, wissen wir noch nicht. Es braucht einfach eine Gegenüberstellung von beauftragten Arbeiten, welche Zusatzleistungen notwendig wurden und die resultierenden Mehrkosten. Wir wollen eine volle Aufklärung“, sagte Bürgermeister Helmut Berger, der sich sicher ist, dass viele der Mehrkosten plausibel und begründbar sind.

Stutzig macht Vizebürgermeister Andreas Schipflinger das Protokoll der letzten Besprechung mit dem Architekten. „In diesem Protokoll steht, dass der Architekt von einer Nettoauftragssumme von 5,2 Millionen Euro ausging“, sagt Schipflinger und wollte wissen wann diese Summe vergeben wurde. Schipflinger kritisiert auch, dass es seitens der Bauleitung keine Informationen über den Finanzierungsstand gab.
Wenig Verständnis für den Ablauf zeigte Hubert Moser: „Seit einem halben Jahr warten wir nun auf konkrete Zahlen, es ist an der Zeit, dass wir den Architekten in die Pflicht nehmen. Wir lassen uns eigentlich seit eineinhalb Jahren an der Nase rumführen und jetzt stehen wir vor der Misere“, kritisiert Moser.

Bürgermeister Berger merkte an, dass in den Gesprächen im Juni, doppelt nachgefragt wurde, ob dies nun die endgültigen Summen sind und dieser Punkt nun im Nachhinein als Missverständnis dargestellt wird.
Einen interessanten Aspekt lieferte der Rückblick von Hubert Moser in die Planungsphase des Projektes. In einer früheren Version des Projektes ging man von Kosten in Höhe von 5,2 Millionen Euro aus. „Daraufhin haben wir den Architekten damit beauftragt, das Projekt abzuspecken, damit wir mit 3,5 Millionen Euro das Auslangen finden“, sagt Moser. Diesen Ablauf bestätigte auch Bürgermeister Berger und hielt fest, dass nie eine Summe von 5,2 Millionen Euro beschlossen wurde.

Wie denn die Vorgangsweise wäre, wenn sich Unregelmäßigkeiten herausstellen würden, wollte Wolfgang Haller (FPÖ) wissen und fragte auch an, ob die entstanden Kosten der Gemeinde ersetzt würden. Dazu versicherte Bürgermeister Helmut Berger, dass man in diesem Falle alle notwendigen Schritte einleiten werde.

Künftig eine eigene Bauleitung
Um Kosten zu sparen, entschied man sich in Kirchberg, die Bauleitung beim Architekten zu lassen. Nach Anregung von Christian Simair (Dei Hoamat) entschied sich der Kirchberger Gemeinderat, dies künftig zu trennen. „Es entstehen dadurch natürlich Kosten, aber es ist definitiv besser, wenn wir künftig darüber die Kontrolle haben“, sagt Berger.  
Mit einer Gegenstimme wurde die Darlehensaufnahme mehrheitlich abgesegnet. Elisabeth M. Pöll

Bild: Die Kosten für die Sanierung der Tiefgarage sowie die Gestaltung des Platzes stiegen deutlich über den Erwartungen. Wofür das Geld aufgewendet wurde, ist noch zu klären. Foto: Pöll

 
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