27.05.2017
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„Armut ist Definitionssache“

Ihr Lebensweg war hart und voller Hindernisse. Beim Quality Life Forum (19. bis 22. Oktober) tritt Dr. Auma Obama, Schwester des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama, als Keynote-Speakerin im Kongress-Zentrum K3 auf. Ihr Thema: „You are your future - ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit in Europa“.

Kitzbühel | Geboren in Nairobi, studierte Obama in den 1980er Jahren Germanistik und Soziologie in Heidelberg und promovierte in Bamberg. Deutschland ist inzwischen ihre zweite Heimat. Obama ist Gründerin und Vorsitzende der Sauti Kuu Foundation. Die Stiftung gibt benachteiligten Kindern und Jugendlichen auf der ganzen Welt eine Stimme. Sie weckt und stärkt ihr Potential. Obama ist zudem im Vorstand der Jacobs Stiftung, einer Organisation die Projekte und Forschungen im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe finanziert. Weiterhin ist sie seit November 2014 Mitglied des World Future Council (WFC). Der WeltZukunftsrat setzt sich für ein verantwortungsvolles, nachhaltiges Denken und Handeln im Sinne zukünftiger Generationen ein.

Frau Obama, wenn Sie mit jungen Menschen sprechen, appellieren Sie gerne mit den Worten: „Du bist deine Zukunft!“ Was genau meinen Sie damit?
Auma Obama: Ich weiß, der Satz klingt erst einmal abgenutzt. Aber ich meine das als gesellschaftliche Prämisse.

Könnten Sie das genauer erklären?
Auma Obama: Gerade junge Leute haben nicht nur großen Einfluss darauf, was ihre eigene Zukunft bringt. Sie beeinflussen auch meine Zukunft. Es ist so: Wenn ich mal alt bin und einen Großteil meiner Kraft eingebüßt habe, treffen die Jüngeren alle Entscheidungen – und zwar auch über mein Leben.

Was folgern Sie daraus?
Auma Obama: Eine Hoffnung und eine Formel. Wenn wir die jungen Menschen von heute gut behandeln und die Welt pflegen, in der wir leben, werden wir in Zukunft als Ältere auch gut behandelt, also von den künftigen Entscheidungsträgern. Ich sehe das als ein Prinzip gesellschaftlicher Gerechtigkeit, aber auch als generationenübergreifende Verpflichtung.

Ist das auch ein Prinzip Ihrer Stiftung „Sauti Kuu“, die junge Kenianer fördert?
Auma Obama: Absolut. Gerade besonders benachteiligte Generationen der Welt müssen wir unterstützen. Je besser Sie jetzt die junge Generation behandeln, umso besser geht es der ganzen Gesellschaft in Zukunft.

Nehmen wir einen Jugendlichen, der in den Slums von Nairobi im dampfenden Müll kramt, um zu überleben. Wie motivieren Sie die Person, die eigene Zukunft in die Hand zu nehmen?
Auma Obama: Wir arbeiten am Selbstbewusstsein der Person. Wer bin ich, woher komme ich, was kann ich tun, um meinen Lebensweg entscheidend zu verändern? Diese Fragen beantworten wir, um gefestigte Charaktere zu formen. Menschen, die kein Selbstbewusstsein haben, hört keiner zu. Nicht, dass ich das gut finde. Aber es ist leider so.

Wenn jemand arm ist und sich kein fließendes Wasser, keinen Strom und keine regelmäßige Nahrung leisten kann, könnte er so eine Motivation auch als Hohn empfinden – oder?
Auma Obama: Armut ist Definitionssache. Wir, die Privilegierten, definieren Armut als das, was Sie gerade beschrieben haben: kein Wasser, kein Strom, nicht ausreichend Nahrung. Man kann das aber auch anders sehen, als Rahmenbedingungen. Und jeder kann sie ändern, mit der richtigen Strategie, dem nötigen Willen und mit ein wenig Hilfe von außen.

Im Oktober kommen Sie als Keynote-Speakerin zum Quality Life Forum nach Kitzbühel. Was erwarten, was erhoffen Sie sich von ihrem Auftritt?
Auma Obama: Das ist ein sehr spannender Event mit tollen Referenten und Aktivitäten. Das Thema „Nachhaltige Lebensqualität“ beschäftig derzeit die ganze Welt. Wie kann der Einzelne sinnvoll leben, persönlich zufrieden und glücklich sein, ohne rücksichtslos gegen andere oder gegen die Umwelt zu sein. Wir alleine sind verantwortlich für unsere Zukunft. Jeder von uns muss ein Stück Verantwortung übernehmen und darf nicht erwarten, dass die Anderen das schon regeln. Ich freue mich, meinen Beitrag zu diesem Thema leisten zu können. Und natürlich freue ich mich auf die wunderbare Stadt Kitzbühel im Oktober. Sie ist zu jeder Jahreszeit eine Reise wert.

Die Schwester des ehemaligen US-Präsidenten kann man beim Quality Life Forum (19. bis 22. Oktober) live erleben. Karten für die Veranstaltung sind bereits bei Kitzbühel Tourismus, Hinterstadt 18, Tel. 05356/66660; www.kitzbuehel.com oder im Internet unter www.qualitylifeforum.com erhältlich.

 
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