23.08.2018
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Almvieh geht das Wasser aus

Etliche Almbauern mussten ihre Tiere bereits ins Tal bringen. Nicht nur das Wasser geht aus, auch das Futter wird knapp. Eine Futterknappheit im Winter droht auch im Bezirk.

Kitzbühel | Des einen Leid, des anderen Freud – während sich Touristiker und Schwimmbadbetreiber über einen Rekordsommer freuen, schaut es bei den regionalen Bauern ganz anders aus. Die langanhaltende Hitze und die damit einhergehende Trockenheit ist derzeit vor allem für die Almbauern ein großes Problem, wie auch der Obmann des Almwirtschaftsvereines, Josef Lanzinger, bestätigt. „Ja, es stimmt. Etliche Bauern mussten ihr Vieh bereits ins Tal bringen“, erklärt Lanzinger. Aufgrund der anhaltenden Trockenheit geht dem Almvieh buchstäblich das Wasser aus.

Aufgrund des ausbleibenden Regens wird auch das Futter auf den Almwiesen knapp. „Es ist aber gebietsweise unterschiedlich“, klärt Lanzinger auf. So wäre es in der Kelchsau, also Langer und Kurzer Grund, nicht so schlimm, auf der Hohen Salve hingegen sei die Lage dramatisch.

Im Bezirk Kitzbühel werden rund 450 Almen von den heimischen Bauern bewirtschaftet und mehr Milchkühe gealpt, als im gesamten Bundesland Salzburg. Für die Bauern gäbe es angesichts des heißen Sommers nur zwei Möglichkeiten – entweder Trinkwasser und Futter auf die Almen zu liefern, oder eben das Vieh ins Tal zu bringen. Viele Bauern entscheiden sich für die zweite Variante und kommen jedoch vom Regen in die Traufe. „Wir haben ja in etwa Ernteeinbußen von 25 Prozent, das ist zwar bei weitem nicht so dramatisch, wie z.B. im Bezirk Landeck“, sagt Lanzinger, „schwierig ist die Lage aber dennoch.“ So müssen die Kühe im Tal mit dem bereits geernteten Heu und dem Silo gefüttert werden. Das aber könne dann im Winter zur Futterknappheit führen. Man versuche, die Tiere so lange wie möglich oben zu behalten. Es sei leichter, Heu hinauf zu liefern und die Tiere das Karge abgrasen zu lassen, als das Problem der Futterknappheit weiter ins Tal zu verlagern.

Ein Dominoeffekt

„Es ist ein regelrechter Domino­effekt, zumal das Problem ja heuer ein europaweites ist“, weiß Kitzbühels oberster Bauer, LA Josef Edenhauser. Problematisch ist es natürlich vor allem für die Bauern in den Kalkalpen, etwa im Bereich Wilder Kaiser oder dem Pillerseetal. Das Liefern von Trinkwasser oder Futter auf die Almen ist natürlich auch mit Kosten für die Landwirte verbunden. Dass im Bezirk Heueinbußen von rund 25 Prozent zu verzeichnen sein dürften, bestätigt auch Edenhauser und geht mit seinen Befürchtungen noch einen Schritt weiter. „Auch in den anderen Ländern Europas haben die Bauern mit Futterknappheit zu kämpfen“, weiß der Landwirt. Viele hiesige Bauern aber exportieren ihr Vieh u.a. auch nach Italien. Aufgrund des Futtermangels ist zu befürchten, dass der Export in den Süden einbricht, weil dort heuer zu wenig Futter für die angekauften Tiere vorhanden ist.

„Wenn unsere Bauern aber bereits jetzt zufüttern müssen, weil auf der Alm nichts mehr wächst, kann es passieren, dass im Laufe des Winters die Futtervorräte ausgehen und Heu und Silo zugekauft werden müssen. Die Nachfrage steigt und damit natürlich auch die Preise“, erklärt Edenhauser, der aber  hofft, dass es erst gar nicht so weit kommt. Margret Klausner

Bild: Die Sommerfrische auf der Alm hat für Rinder im Bezirk Kitzbühel eine lange Tradition  – diese Kühe genießen die Sonne. Foto: Klausner

 
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