06.10.2020
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Almsommer war einer der Besten

Der Obmann des Tiroler Almwirtschaftsvereins, Josef Lanzinger, zieht eine mehr als positive Bilanz über den Sommer. Als größtes Problem für Almbauern sieht er den Wolf an.

Kitzbühel | Der Almsommer ist vorbei, vor allem in der vergangenen Woche standen im ganzen Bezirk Kitzbühel die Alm­abtriebe auf dem Programm. Josef Lanzinger, der Obmann des Tiroler Almwirtschaftsvereins, ist zufrieden: „Hinter uns liegt ein guter Sommer, um nicht zu sagen ein besonders guter“.  Das Wetter sei perfekt gewesen, er habe schon von vielen Bauern gehört, dass die Milchleistung heuer außergewöhnlich gut gewesen sei. Besser gehe es nicht, zumal es auch nie herunter geschneit habe, freut sich der Itterer.
Besonders im Bezirk Kitzbühel hat die Almwirtschaft eine lange Tradition – rund 450 Almen werden von den heimischen Bauern bewirtschaftet. Allein im Bezirk Kitzbühel werden mehr Milchkühe gealpt, als im gesamten Bundesland Salzburg“. In Hopfgarten sind zum Beispiel jährlich mehr Kühe auf der Alm, als vergleichsweise in den Bundesländern Steiermark oder Kärnten.

Es gibt aber einen Wermuts­tropfen: Leider werden in den letzten Jahren die Milchalmen immer weniger. Vielen Landwirten werde der Aufwand zu groß und auch die Kosten, etwa für einen Senner, seien hoch, klärt der Almexperte auf. Würden die Preise für die Alm-Milchprodukte steigen, dann würde sich das ausgehen, ist er überzeugt.
Vorerst aber gibt es Hilfe vom Land Tirol, denn den Verantwortlichen liegt die Almbewirtschaftung am Herzen. Zur Erhaltung seiner Milchalmen hat das Land ein Unterstützungspaket geschnürt. Rund 2,7 Millionen Euro pro Jahr fließen in die Almwirtschaft. Rund 43 Prozent der kleinen Almen sind in den vergangenen Jahren verloren gegangen. Hier gilt es gegenzusteuern. Daher bekommen die Bauern, die nicht mehr als 40 Milchkühe haben, pro aufgealpter Kuh 120 Euro.
„In vielen Fällen kommt dann nur mehr das Jungvieh auf die Niederalmen, die Hochalmen werden dann oft nicht mehr bewirtschaftet“, sagt Lanzinger. Das Ergebnis davon sei, dass die Almen dann alle zuwachsen. „Es ist aber wichtig, dass diese erhalten bleiben“, ist Lanzinger überzeugt.

„Von der Alm“ als Qualitätsmerkmal
Die österreichischen Almwirtschaftsvereine arbeiten derzeit auch an einer extra Bezeichnung für die Almprodukte. Eine Art Gütesiegel soll es werden. Hier ist auch die AMA mit an Bord. „Wir stehen zwar noch am Beginn, haben uns aber österreichweit geeinigt, dass auf den Produkten dann ein Zeichen „Von der Alm“ mit dem Namen der Alm draufsteht“, klärt Lanzinger auf. Ziel ist es, dass die Bewirtschafter bessere Preise für ihre Produkte erzielen können.
Wenn auch die Produktpreise ein großes Thema bei den Almbauern sind, gibt es eines, das ihnen noch viel mehr im Magen liegt. „Unser größtes Problem ist mit Sicherheit der Wolf“, betont Josef Lanzinger. Die vorgeschlagenen Maßnahmen – scharfe Hirtenhunde etwa oder auch Umzäunungen –  sind nicht umsetzbar. „Da sind die Kosten viel zu hoch“, sagt Lanzinger. Und würde man mit scharfen Hunden arbeiten, gäbe es mit Sicherheit Probleme mit den Tourismusverbänden. Oft sei es ja auch so, dass auf einer Alm die Schafe von mehreren Bauern aufgealpt sind. Diese würden dann aber nicht zusammenbleiben, sondern sich verteilen. Einfache Beute für den Wolf. Lanzinger macht sich da nichts vor: „Wir müssen alles probieren, dass wir die Schafalmen erhalten und das geht nur ohne Wolf!“
Hinter den Bauern liegt übrigens der erste Almsommer nach dem „Kuhurteil“. Im Bezirk Kitzbühel verlief dieser weitgehend ohne Probleme. Natürlich hätten sich einige Bauern mit Zusatzzäunen abgesichert.

Touristen halten sich meist  an die Regeln
Doch auch die Präventionsarbeit, u.a. mit eigenen Foldern, hätte in jedem Fall geholfen, dass die Gäste vorsichtiger geworden sind. Problematisch sei hingegen noch das Thema Hunde, die sich selber oft in Gefahr bringen, weil sie den Mutterkühen oft zu nahe kommen.
Und noch etwas ist Lanzinger aufgefallen: Das Problem sind oft weniger die Touristen, es sind eher die Einheimischen, die sich nicht an die Regeln halten. Er jedenfalls wünsche sich für die Zukunft noch mehr Aufklärung über das richtige Verhalten auf der Alm. Margret Klausner

Bild: Das Almvieh war heuer wieder prächtig „aufgebüscht“. Inzwischen sind alle wieder im Tal. Der Sommer heuer war dank des Wetters ein sehr guter, die Milchproduktion sehr hoch. Foto: Lanzinger

 
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