17.02.2018
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Almen: Mehr als nur eine Kulisse

Das Bild der Alm prägt nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch den Tourismus. Sie ist mittlerweile auch Sinnbild für den Urlaub in den Bergen. Zentrales Thema war die Alm auch beim ersten Tourismus Hoangascht, bei dem Theresa Leitner vom MCI über das Thema „Die Relevanz unserer Almen für Tourismus und Gesellschaft“ referierte.

Kitzbühel | Das Interesse an der Veranstaltung war groß, der Saal bis zum letzten Platz gefüllt. Zum Thema der Veranstaltung „Die Relevanz unserer Almen für Tourismus und Gesellschaft“ hielt Theresa Leitner, wissenschaftliche Assistentin und Projektleiterin am MCI (Management Center Innsbruck) einen Vortrag.

Tirol ist das Almenland

Kein Bundesland hat so viele Almen wie Tirol. Doch die Zahl ist rückläufig. In den letzten 30 Jahren sank die Zahl der Almen in Tirol um 20 Prozent. Für den Rückgang hat Leitner auch eine Erklärung: „Die Zahl der Nebenerwerbsbauern ist am Steigen und durch den zeitlichen Aufwand ist die Bewirtschaftung der Almen nicht möglich, zudem ist es oft betriebswirtschaftlich nicht sinnvoll.“

Rückläufig ist auch die Anzahl der Almen, auf denen Milchkühe im Sommer beheimatet sind. Im Raum Kitzbühel – Kirchberg sank diese Zahl seit dem Jahr 2000 von 123 auf 93 Almen (minus 26 Prozent). Im Almgebiet dieser beiden Orte sind 3.426 Milchkühe im Sommer auf der Alm, eine Zahl, die große Regionen wie Bayern oder Südtirol ebenso erreichen. Tirolweit verbringen 31.650 Milchkühe die Sommermonate auf der Alm.

Ökologisch spielen die Almen ebenso eine bedeutende Rolle. Neben dem Erhalt der Artenvielfalt kann durch die Almwirtschaft auch die Baumgrenze um 200 Meter niedriger gehalten werden.

Theresa Leitner zeigte in ihrem Vortrag aber auch auf, welche Folgen es hat, wenn die Almen nicht mehr bewirtschaftet werden. Mit Beispielen aus Kanada und Norwegen zeigte sie Folgeschäden wie die Verbuschung auf. Während auf einem Almboden 20 bis 30 Zentimeter Schnee für die Pistenpräparierung reichen, braucht es bei einer Verbuschung bis zu einem Meter Schnee.

In Norwegen versucht man nun die verlorenen Almen wieder zurückzugewinnen. Ziegen weiden auf den verbuschten Hängen und reduzieren so den Staudenwuchs. Die Tiere sind mit sogenannten „no fence“ Halsbändern ausgestattet, wobei der Bewegungsradius der Ziege am Computer mit GPS festgelegt wird.

Almen als Spielwiese für Freizeitaktivitäten

Die Almen sind aber nicht nur für die Landwirtschaft wichtig, sondern spielen auch im Tourismus eine große Rolle. Im Winter werden die Weidefläche als Skipisten genutzt, im Sommer sind die Almen nicht nur ein beliebtes Erholungsgebiet, sondern auch Schauplatz für Sommersportarten wie Wandern oder Mountainbiken. Der Forst- und Almweg wurde schon lange von den Freizeitaktivisten erobert. Und hier kommt es oft zu Konfliktsituationen, wenn Erholungsraum und Wirtschaftsraum kollidieren.

Sehnsuchtsbilder und magische Orte

Urlauben in Tirol wird mit Glückserlebnis, Heimatgefühl und Kindheitserinnerungen assoziiert. Auch die Ergebnisse der Gästebefragung T-MONA der Österreich Werbung aus dem Jahr 2014 bestätigten diese Erkenntnis – 58 Prozent der Befragten wählten Österreich als Sommerurlaubsdestinationen auf Grund von „Landschaft & Natur“, auf Platz zwei wurden „Berge“ von 48 Prozent der Befragten als Hauptentscheidungsmotiv genannt. Auf eine Aktivität bezogen liegt Wandern im Trend. In Bezug auf Urlaub in Tirol rangiert Wandern mit 44 Prozent mit großem Abstand auf Platz eins der Urlaubs-Motive.

Und auch die Almen mit den Almhütten prägen die Sehnsuchtsbilder. In den Bereichen Glückserlebnis, Heimatgefühl und Kindheitserinnerungen sind sie in den Top-Ten zu finden.

Um bei den Touristen zu punkten, muss die Region authentisch sein. „Allein eine Kulisse zu schaffen, reicht nicht, es muss auch ein Sinn dahinter sein“, sagt Theresa Leitner. Man muss glaubwürdig „rüber kommen“ und dem Gast kein Freilichtmuseum bieten. Eine wichtige Rolle bei der Wahl des Urlaubsziels spielt die Kulinarik.  „Hier kann dem Gast ein toller Mehrwert mit regionalen Produkten geboten werden“, sagt Leitner, die als Beispiel die Produktentwicklung des Tourismusverbandes Saalfelden – Leogang anführte. „Der Zugang zu den Lebensmitteln in Verbindung mit der Region hat ein großes Potential für die Zukunft.“
Im Anschluss an den Vortrag fand noch eine Diskussionsrunde statt.
Elisabeth M. Pöll

 
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