22.02.2019
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AirBnB – Der Feind in meinem Bett?

Schon lange bekämpft die Tourismusindustrie die ungleichen Voraussetzungen zwischen „normalen“ Hotels und der sogenannten Sharing Economy – sprich AirBnB und ähnlichen Plattformen. Nun kündigte die Landesregierung eine gesetzliche Registrierungspflicht an.

Bezirk  | Die Meldepflicht soll alle Formen der Beherbung betreffen. Die Registrierung soll über die Gemeinde erfolgen – wer keine entsprechende Plakette vorweisen kann, macht sich somit künftig strafbar.

Der Obmann der Tiroler Fachgruppe Hotellerie, Mario Gerber, präzisiert gegenüber dem Kitzbüheler Anzeiger: „Wir bemühen uns um Waffengleichheit. Derzeit wissen wir weder wer vermietet, noch wie viele Wohnungen angeboten werden. Das ist eines unserer größten Probleme.“ Hinzu kommt, dass niemand nachprüfen kann, was in den gemieteten Unterkünften passiert „ob Prostituion oder Drogenhandel“, wie es Gerber drastisch formuliert.  

Zudem könne die Sharing Economy „nicht im Sinne des Wohnungsmarktes sein, gerade in Kitzbühel – wenn es lukrativer ist, eine Wohnung über die Plattform anzubieten anstatt über den regulären Vermietungsmarkt.“

Hoteliers und andere Gastgeber müssen hingegen ihre Urlaubsgäste anmelden und diverse Abgaben abführen.

Auch in diesem Bereich sollte Wettbewerbsgleichheit hergestellt werden. Das beurteilt auch Kitzbühels Bürgermeister Klaus Winkler so: „Das gehört dringend legalisiert. Dass durch diese Plattformen Wohnraum entzogen wird, sehe ich weniger, sondern es geht eher um die Abgaben.“ Derzeit hat auch die Gemeindepolitik keinerlei Handhabe.  Daher begrüßt Winkler den Vorstoß des Landes sehr. Der Kitzbüheler Stadtchef betont aber auch, dass es zudem entsprechende Sanktionsmöglichkeiten geben soll, wenn sich jemand nicht an die Registrierungspflicht hält.

Das Problem ist kein kleines: Das Tourismusberatungsunternehmen Prodinger geht gegenüber dem Kitzbüheler Anzeiger davon aus, dass „in wenigen Jahren bereits acht Prozent der Gesamtbetten in Kitzbühel über die Sharing Economy dazugekommen sind“, wie Thomas Reisenzahn festhält. In attraktiven touristischen Orten, wo Wohnraum knapp und teuer ist, werden immer mehr Wohnungen zu Weitervermietungszwecken genutzt, konstatiert Prodinger in einer Analyse der Sharing Economy. „Ausgehend vom urbanen Bereich und den Ballungszentren schwappen diese Angebote auch schon in die Feriendestinationen über. Genau dort ist aber Wohnen teuer und es kommen zusätzliche touristische Betten auf den Markt.“

Sharing Economy nicht vollends verteufeln

Das Land Tirol will nun einschreiten und noch vor dem Sommer eine entsprechende Regelung umsetzen, wie Mario Gerber erläutert. „Ein erster Schritt ist getan, als Tourismusland gehen wir in Tirol den richtigen Weg.“ Aber das ist für ihn nur der Anfang. Auch auf Bundesebene müsse eine entsprechende Gesetzgebung erfolgen. Konkret fordert Gerber: „Wir müssen langfristig schauen, dass wir einen Datenaustauch mit AirBnB erzielen.“ Aber generell verteufeln will der Touristiker die Sharing Economy nicht. Denn sie stellt immerhin eine Facette der Beherbung dar, die derzeit voll im Trend liegt. Die Stärke des Angebotes liegt nicht nur in tendenziell niedrigeren Preisen, sondern in der Unkompliziertheit und im Lebensgefühl. „Live like a local“ – Urlauben und sich wie ein Einheimischer fühlen – gehört zu den größten Trümpfen von Angeboten diverser Plattformen.

Außerdem, sagt Gerber, hat auch die Zieldestination etwas davon: „AirBnB ist ein Produkt, das wir brauchen, es ist auch für Kitzbühel wichtig. Würden wir es verbieten, würden uns viele attraktive Gäste abhanden kommen.“ Schließlich gibt es abgesehen von der Beherbung noch mehr Kernleistungsträger im Tourismus, die von entsprechend vielen Urlaubern profitieren.
 
Worum es stets gegangen ist, und auch mit der neuen Registrierung geht, sagt Gerber abschließend: „AirBnB wird auf dieselbe Stufe gestellt wie andere Vermieter.“
Elisabeth Galehr

 
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