18.04.2019
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5G-Start sorgt für Verunsicherung

Ende März nahm das erste reguläre 5G-Netz in Österreich seinen Betrieb auf. Zu den Orten, in denen die ersten Sendestationen „on air“ gingen, zählt wie berichtet auch St. Johann. Doch nicht alle freuen sich darüber.

St. Johann  | 5G bedeutet drahtloses, ultraschnelles Internet bzw. Datenübertragung in Echtzeit. Es ist die Basis für neue Anwendungen wie z.B. autonomes Fahren oder andere Innovationen aus dem Feld des „Internet der Dinge“ sowie. der „Industrie 4.0“. Mit 5 G sollen auch künftig ländliche Regionen mit schnellem Internet versorgt werden, bei denen das Verlegen von Leitungen sehr aufwändig wäre.

Petition gegen den 5G-Netzausbau

Österreich positioniert sich somit als einer der Vorreiter. Doch es gibt auch Skeptiker. Die neue Mobilfunkgeneration bereitet vielen Menschen Sorgen, eine aktuelle, große Unterschriftenaktion gegen den 5G-Ausbau hat auch im Bezirk Kitzbühel seine Unterstützer gefunden. Hintergrund ist die Angst vor der Handystrahlung bzw. den gesundheitlichen Folgen eines flächendeckenden 5G-Netzes.  Eine Debatte, die besonders in Sozialen Medien sehr emotional – und zum Teil erwiesenermaßen mit Falschmeldungen – geführt wird.

Umweltmediziner Heinz Fuchsig gibt sich auf Nachfrage des Kitzbüheler Anzeigers ebenfalls zurückhaltend:  „Es gibt kaum Studien zu den Auswirkungen. Wir sind daher auf der vorsichtigen Seite.“  In Summe sieht der Umweltmediziner „wenig Problematik“, wenn die 5G-Sender, wie angekündigt, vor allem entlang von Verkehrsrouten positioniert werden.  Allerdings fühlt sich Fuchsig, genauso wie seine Kollegen der Ärztekammer, stark dem Vorsorgegedanken verpflichtet. Die Ärztekammer rät schon länger zum sorgsamen Umgang mit der Mobilfunktechnologie. „Jeder weitere Ausbau drahtloser Technologien macht neue und zusätzliche Antennenanlagen notwendig und erhöht somit die Immissionen durch hoch- frequente elektromagnetische Felder (HF-EMF). Das führt laufend zu einer Erhöhung der Grundbelastung von elektromagnetischen Feldern in unserer Umwelt“, schickte die Wiener Umweltanwaltschaft im Leitfaden Senderbau aus dem Jahr 2014 voraus. Letztlich zählt die Gesamtbelastung.

Ministerium verweist auf eigenen Beirat

Das zuständige Ministerium für Verkehr, Innovation und Technologie unter Norbert Hofer beruhigt aber: „Auswirkungen auf den menschlichen Körper konnten bis heute nicht nachgewiesen werden, bekannt ist bislang lediglich, dass die hochfrequenten Felder eine thermische, also wärmende Wirkung haben. Die Messungen der verantwortlichen Fernmeldebehörden zeigen, dass die Immissionsbelastung bereits jetzt so gering ist, dass eine Überschreitung der Grenzwerte auch bei dem Ausbau von 5G ausgeschlossen erscheint. Die Grenzwerteregelungen sind so ausgestaltet, dass die physikalische Gesamtbelastung durch die Gesamtzahl aller Sender an einem bestimmten Ort niemals überschritten werden darf.“

Außerdem unterstreicht das Ministerium in seinem „Faktencheck“, dass die Sendeleistung von Geräten und Funkmasten im Laufe der Zeit durch den technischen Fortschritt gesunken ist. Sendeten die ersten Mobiltelefone der 2G-Generation noch mit bis zu 2 Watt, ging die Emission bei 4G-Geräten auf 0,125 Watt herunter.

Das Ministerium verweist zudem auf den Wissenschaftlichen Beirat Funk (WBF). Dieser besteht aus medizinischen und technischen Experten und wertet die aktuellsten Studien und Erkenntnisse rund um Mobilfunk und Strahlung aus.

Verkehrsrouten im Fokus

In einem ersten Schritt kann jedoch von „flächendeckendem“ Ausbau noch lange keine Rede sein, wie IT-Experte Peter Seiwald erläutert. Neben den Landeshauptstädten werden „als Erstes die gesamten Hauptverkehrsrouten in Österreich ausgestattet, weil 5G auch die Basis für autonomes Fahren ist.“ Das Verkehrsministerium peilt flächendeckendes 5G frühenstens für das Jahr 2025 an.  

Vorerst, so Peter Seiwald, „werden ausschließlich bestehende Handymasten verwendet. Wenn die Nutzung sehr groß wird, wird das bestehende Netz allerdings nicht ausreichen.“ Auch dann werden aber keine neuen Masten im bisherigen Sinne aufgestellt, sondern „es sind eher Installationen.“ Auch das Forum Mobilkommunikation stellt dazu klar: „Die Anzahl der großen Standorte wird sich auch in Zukunft nicht mehr signifikant erhöhen, denn in den kommenden Jahren werden sie einfach nur um- oder aufgerüstet. Zusätzlich werden entsprechend dem Kundenbedarf so genannte ‚Small-Cells‘ angebracht, die dazu dienen, die Versorgung an Verkehrsadern zu gewährleisten.“

Bezüglich der Angst vor der Handystrahlung beklagt Seiwald „sehr viele Falschmeldungen im Internet. Wenn man in voller Offenheit spricht – jedes zusätzliche Frequenzband, das verwendet wird, hat zusätzliche Strahlung. Es ist keine bösartigere Strahlung, als die, die wir jetzt schon kennen. Es ist eben eine zusätzliche.“ Dafür werde mit der Zeit „auch wieder etwas wegkommen“, unterstreicht Seiwald. Die Angst ist übrigens nicht neu: Bereits mit Einführung der ersten Internet-Hotspots an öffentlichen Plätzen wurde Besorgnis laut. Heute herrscht dagegen bei so manchem Handynutzer eher Verärgerung, wenn an viel frequentierten Orten kein drahtloses Netz zur Verfügung steht.
 
Selbst aktiv werden

Peter Seiwald wirft ein Schlaglicht auf einen anderen Aspekt: Die 5G-Strahlung sei „viel, viel weniger stark als die, die man sich durch zum Teil falsche Installationen selbst in‘s Haus holt.“ Angesprochen ist z.B. der WLAN-Router, den viele für die Internet-Versorgung Zuhause nutzen: „Das gehört raus aus den Schlafzimmern und den Jugendzimmern, hinein in‘s Wohnzimmer, wenn überhaupt“, rät Peter Seiwald. Auch Umweltmedizinier Heinz Fuchsig beurteilt die zunehmende Digitalisierung und die damit einhergehende Handy- und Tabletnutzung als problematisch. „Grundsätzlich sollte man im Haushalt möglichst strahlungsarm bleiben – alles mit Maß und Ziel.“ Genaue Regeln im Umgang mit dem Mobiltelefon hat die Wiener Ärztekammer 2015 zusammengestellt. Wer sie befolgt, hat schon viel bewirkt.
Elisabeth Galehr, Foto: T-Mobile

 
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